Fun, Fun, Fun

Ich mag euch nicht.

Ihr ewigen Melancholiker, ihr Unlustigen, ihr Selbstmitleidigen, weil ihr in eurem lächerlich transparent inszeniertem Lebensdrama die Regie über Leichen hinweg führt oder führen würdet. Weil ihr bei jedem Song, der euch etwas bedeutet sofort aus dem Fenster oder sonst wohin starren müsst, weil ihr nicht aus Anteilnahme weint, sondern weil euch euer jüngstes Melodram wieder so kinoreif ergreifend gelungen ist.

Ihr Neidhammel, ihr Geizhälse, ihr Kleinkrämer, ihr schwarzen pedantischen Seelen, ihr Feiglinge. Weil ihr nie euren Platz räumt für die Talentierten, weil ihr euch am Misserfolg, gar am Untergang der Mutigen delektiert. Ihr, die ihr Eigentum nicht hüten, sondern horten und sich über jeden Kratzer im verliehenen Vinyl erdreisten, während sie anderer Leute Wohnungen in Schutt und Asche zurücklassen.

Ihr Sonderlinge und Pseudoindividualisten, ihr Gebrandmarkten, Gebrochenen, angebenden Aufgeber, ihr Traumatisierten. Ihr neurotische Schwachmatiker. Weil ihr euer Scheitern als Auszeichnung seht und Aussatz als Rebellenetikette behandelt. Weil ihr eure Träume verratet, nur um von verlorenen Träumen sprechen zu können. Ihr, die ihr andere in euer Unheil mit hinab reisst und anstatt „Entschuldigung“ nur „Ich hab dich gewarnt“ sagt.

Ihr Schöngeister, ihr intellektuellen Unholde, ihr Geisteswissenschafler, ihr Klugscheisser. Ihr Versteckspieler, die ihr euch hinter Wänden aus Wörtern und Wissen verkriecht. Die ihr thront über den Untiefen der Profanen. Euch, denen Spaß ex cathedra suspekt ist, die nur treffen, wenn sie ein Heimspiel haben. Ihr unflexiblen Paragraphenreiter des Gesetzbuchs des guten Geistes.

Ihr Verdränger, Schönfärber und Zwangsoptimisten. Ihr Sloganspucker und Heilssinger, ihr unreflektiert Unkonzentrierten. Ihr, die ihr nichts lustig finden könnt, was euch über den Kopf wachsen könnte. Ihr, die sich jeden Mißerfolg zur Intrige und Verschwörungstheorie aufblasen. Die ihr nicht über euch selbst und schon gar nicht über euer Versagen lachen könnt. Die ihr ignoriert wenn euch jemand ignoriert.

Euch vertraue ich nicht, Männlein wie Weiblein. Und selbst wenn ihr meinen Kopf überlisten könnt, meinen Bauch kriegt ihr nicht mehr rum. Ein Hoch auf die Sorglosen, ein Prost auf die Fröhlichen, wir scheissen auf euer Trübsal und amüsieren uns.

9 comments / Add your comment below

  1. …ja und überhaupt! Sehr schöner Text, auch wenn man natürlich verschähmt nach der Lektüre weg klickt. Warum? Weil keiner aus dem Text heil rauskommt, nicht mal sein eigener Autor. Prost!

    Ich nehme mir die Freiheit, das mal zu verlinken.

  2. danke für die tulpen. bewegt hat mich eher die tatsache, dass man sich selbst und die anderen mal abwatschen muss. weil’s spass macht und man was lernt dabei:)

  3. Pingback: Jaaa, Blog.
  4. danke fürs abwatschen –
    hab das hier gerade erst für mich entdeckt.
    schuldbewußte grüße mit kopf hoch und danke!

  5. Puh, auch ich fühlte mich hier ertappt. Herzlichen Glückwunsch, ins Schwarze getroffen! Tatsache, bestimmt die Hälfte der Lebenszeit kotz man sich über irgend welchen Scheiss aus und hofft, dass andere das gleiche Scheisse finden und man dadurch bestätigung kriegt. Viel angreifbarer macht man sich häufig, wenn man sagt was man gut findet. Aber mal ehrlich: Lästern und sich Beschweren macht doch son Spass!

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