Tanzschule

Es dürfte schon halb sechs gewesen sein, als wir das Mädchen auf der Tanzfläche vom Bassy gesehen haben. Ich habe sie gefragt, wo sie hin will und sie hat uns mit ins Kaffee Burger genommen. Es muss wohl eine dieser unsäglichen Russendiskos gewesen sein. Das Publikum war verroht, die Musik Ethno für Halberfrorene und überhaupt war der Laden von Primaten besetzt, nur vereinzelt gesellten sich Gepielinnen dazu, die sich für einen „krassen“ Abend im Burger mal wieder zu ihrem ausgewaschenen mittelkleinen Schwarzen überreden hatten lassen.

Inmitten dieser tristen Boheme tanzte aber dieses Mädchen und ein dauerhaftes Lächeln hatte sich auf ihrem Gesicht niedergelassen. Keins dieser Happy-On-Drugs-Grinsen und auch kein Hasch-mich-ich-bin-die-Prinzessin Smiley. Es war der pure Spaß am Tanzen und am Ausgehen. Klar machte sie die Neandertaler verrückt, klar fanden wir sie auch nicht unattraktiv, aber darum ging es nicht. Es war einfach nur ein Vergnügen, sie den Laden aufmischen zu sehen.

Viel hat sie nicht geredet und viel wollten wir auch nicht wissen. Wenn mich mein alkholgelöchertes Gedächtnis nicht im Stich lässt, war sie Sozialpädagogin und gerade von einem missglückten Berufsstart in einem Schweizer Kaff zurück nach Berlin gekehrt. Entscheidend war ihr Tanz. Bescheiden, lächelnd, rhythmisch en point, präzise die Armschwünge und doch leicht und bekömmlich wie Actimel.

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