The Mystery Of The Job Suey Surfers

Auf dem Weg zur S-Bahn haben wir uns totgelacht und es plötzlich verstanden.

Einziges Foto der JSS (Spätphase), die Schürzen  bzw. Regencapes waren damals schon Fußballtrikots und Pollundern gewichen

Vor einigen Jahren hatten Flo, Andi und ich mal eine Band, namens F.A.B. (Frankie’s Awesome Bullride). Wir schrieben gute Gitarrenpopsongs, waren toll aufeinander eingespielt und auch mit dem Aussehen klappte es zumindest damals noch. Und obwohl es genügend Händeschüttler gab, brachte man uns keine Euphorie entgegen. Es mag natürlich an dem dämlichen Bandnamen und der Harmlosigkeit unseres Stils gelegen haben, doch der eigentliche Grund erschloss sich mir erst heute nachmittag. Die Leute haben sich von uns verarscht gefühlt. Und schuld waren die Job Suey Surfers.

Ich weiß wirklich nicht, wie um Himmels willen wir auf die Idee gekommen sind, als unsere eigene Vorband aufzutreten. Aber ich weiß, wie wir auf den Namen gekommen sind. Auf dem Weg in den ländlich ablegenen Proberaum überholten wir einen Laster mit der Aufschrift Chop Suey und an irgendeinen Namen ein gepflegtes Surfers dranhängen geht nicht erst seit den Butthole Surfers. Da grade die große Zeit der Jobsuche Websites ausgebrochen war, schlug Flo die Jobsuche Surfers vor. Es blieb bei Job Suey Surfers, aber das war albern genug.

Doch es kam noch schlimmer. Für einen anstehenden Auftritt brauchten wir Outfits. Just ergab es sich, dass Andi und Flo am St. Patrick’s Day soviele Guiness wegstellten, dass ihnen drei überdimensionale Stoffhüte quasi als Treueprämie ausgehändigt wurden. Die Kopfbedeckung war also gefunden. Als Gewand trugen wir gelbe Regencapes für 1 Mark das Stück oder wahlweise rote Kellner Schürzen mit Ramazotti Aufdruck. Dazu noch kurze Hosen und dämliche Sonnenbrillen und fertig war das Desaster.

Aber was wären die Job Suey Surfers ohne ihre Bandhistory? Nino, Marco und Fabio aus Neapel waren nach Deutschland gekommen, weil sie die Grundstückspreise hier für so billig hielten. Leider hatten sie kein Geld für irgendein Grundstück und mussten deshalb bald wieder abreisen. Aber vorher spielten sie noch ein paar Gigs mit „de Blodmanner von Fab“, damit sie Kohle für die Rückfahrt verdienen und sich mal wieder ordentlich prügeln konnten.

Was jetzt noch fehlte, waren die Songs. Die waren in Windeseile geschrieben und hiessen „Wild Wild West“, „Job Suey Surfing“, „The Man With The Flute“ und „Goodnight“. Hier ein Auszug:

A Job Suey Surfer in the Everglades
That’s where the Job Suey met the superbabe
They went jet-skiing all day long
That’s where the Job Suey Surfer can’t go wrong

(Job Suey Surfing)

Die Musik war Rock’n’Roll mit Country Einflüssen, recht hillbillyesk, möchte ich sagen. Ein besonderes Highlight bildete bei jedem Auftritt „The Man With The Flute“, bei dem Flo ziemlich mies Blockflöte spielte und Andi und ich ihn im Countrybeat begleiteten. Der Song handelte von einem Mann mit der Flöte, der die Frau des literarischen Ichs verführt. Den Text habe ich, äh Nino, jedes Mal improvisiert. In Englisch mit völlig unglaubwürdigem italienischen Akzent.

Bei den Auftritten trafen wir meistens auf eine vollständig befremdete Menge und nicht nur einmal wurden wir nach dem eigentlichen F.A.B. Auftritt gefragt, wo denn die Italiener abgeblieben seien. Ernsthaft. Und die Leute, die uns erkannt haben, was weiß Gott nicht schwierig war, fühlten sich eben verarscht. Aber erst bei F.A.B. Es passierte uns sogar, dass man die Job Suey Surfers frenetisch um Zugaben bat, während man bei F.A.B. kaum die Hände zum Gebet, äh Applaus, erhob. Hätten sich F.A.B. nicht irgendwann aufgelöst, die Job Suey Surfers hätten sie sicher überlebt.

Als uns die Job Suey Surfer Schizonummer irgendwann langweilig wurde, kamen wir auf die Idee, Enten in die lokale Presse zu setzen. Wer fragt schon nach Fakten bei einer Regionalband? Ich verließ also die Band weil es mich beruflich nach Hamburg verschlug und für mich kam Immanuel aus Hamburg und war fortan der Neue bei F.A.B. Vorher gab ich natürlich noch ein paar Abschiedskonzerte, mit den Job Suey Surfers als Vorband versteht sich.

Inmitten eines Mörder Hangovers und schlafloser Orientierungslosigkeit wurde uns eben heute klar, wie absolut unbekümmert und unbedarft wir den Leuten unseren Humor – oder das, was wir dafür hielten- aufgedrängt haben. Da wundert es nicht, dass der Musiker hinter dem Kaspar kaum noch zu sehen und zu hören war. Freilich no regrets, weil Riesenspaß. Mir tut immer noch der Bauch weh vor Lachen.

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