Prolltergeist

In Stammtischlaune lamentiere ich ja auch gerne über die mediale Verprollung der Republik, aber die Quotenjagd nach der Proll-Schimäre wird jetzt in einem SpOn-Artikel noch einmal provokativ diskutiert. Wobei das auf-die-Seite-der-Big-Brother-Seher schlagen ein allzu transparentes Stilmittel ist, um die Volksseele aufzurühren.

Die Polemik erfüllt aber zumindest bei mir ihren Zweck, denn ich stelle mir die Frage: hatte die Unterschicht tatsächlich je kulturelles Oberwasser, sind oder waren sie nur Ziel eines vorübergehenden Zielgruppenexperiments der TV-Sender und gibt es die im Artikel angesprochene neue Scheu vor Assis wirklich? Und ist es nicht eigentlich urdemokratisch, den Affen Zucker zu geben? Gibt es einen Bildungsauftrag und wenn ja, wer hat ihn und wozu? Meine Antwort auf letzteres W-Wort wäre, dass an Bildung stets auch ein Wertesystem gekoppelt ist.

Und natürlich ist die schleichende intellektuelle Verwahrlosung eines der größeren Probleme der Republik. Aber ist das ausschließlich das Phänomen einer nun bräsig diffamierten Bevölkerungsgruppe, die schon dadurch zum Bodensatz gestempelt wird, dass ihr auch das Letzte abgesprochen wird, was ihr noch bleibt: Werberelevanz?

Ich möchte es mehr als „Werberelevanz“ nennen. Ich nenne es Rezipientenrelevanz. Und dann bin ich doch reaktionär, und undemokratisch, wenn ichs mit Spiderman ins Gesicht der Massenmedien sage und somit durchaus empfehle, die Verwahrlosung einzudämmen:

With great powers come great responsibilties.

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