Schall und Rauch

Fried: Da ist ein radikaler Kulturkampf entbrannt. Die Anti-Raucher sind heute das, was früher die radikalen Tierschützer waren. Die Formulierungen der Proteste erinnern mich an Gesinnungsterrorismus, das ist doch einfach krank.

Eigentlich bin ich ja Nichtraucher. Noch nicht sehr lange und noch nicht sehr konsequent. Aber ich habe durchaus Gefallen an einem nikotinarmen Leben gefunden. Dass ich in letzter Zeit wieder alle Jubeltage zum glimmenden Stengel greife, hat nur teilweise etwas mit dem Sonnenbefall dieser Stadt zu tun. Da ist auch kindischer Trotz im Spiel. Denn der Trotzkopf mag sich nicht von Gesundheitsdogmatikern und gelangweilten Moral-Hooligans in die Suppe spucken lassen.

Von mir aus lasse ich das Rauchen am Steuer, das Rauchen am Arbeitsplatz und das Rauchen im Restaurant. Von mir aus verschiebe ich, wie in Italien vorexerziert, meine Inhalieraktivitäten vollkommen ins Great Wide Open. Was ich aber nicht tun werde, ist die Anfeindungen der blassen Masse zu tolerieren, geschweige denn mich als Advokat der Tabaklobby abstempeln zu lassen.

Auch wenn ich Frau Frieds Vergleich mit den radikalen Tierschützern nicht für sachdienlich halte, dieser Diskurs trägt prohibitive Züge, und das durchaus im historischen Sinn. Der Nimbus der Nichtraucherkampagnen geht mittlerweile über reine Gesundheitsaufklärung hinaus. Der luzide Subtext sagt mir längst auch etwas anderes: Play by the rules, motherfucker. Der für unsere Gesellschaft mittlerweile so symptomatische Spagat zwischen Überregulation und Superindividualismus illustriert sich hier ganz trefflich.

Ich sehe viele dieser militanten Nichtraucher mit hunnenhafter Zerstörungswut über deutsche Straßen und Autobahnen rasen. Und ich sehe sie zur Seite schauen, wenn jemand verprügelt oder belästigt wird, am hellichten Tag. Kann ich denn die Dummheit aus Restaurants, aus Kneipen, aus Autos, von den Straßen verbannen? Kann ich das Dumm-sein in der Öffentlichkeit verbieten? Kann ich einen Antrag stellen? Kann ich hier rauchen?

5 comments / Add your comment below

  1. Dass ich in letzter Zeit wieder alle Jubeltage zum glimmenden Stengel greife
    will mir nicht gelingen. Wär aber schön. Habs mal konsequent für mehr als ein Jahr an den Nagel gehängt – in der Zeit waren selbst meine Sportzigaretten nikotinfrei… anders wär ich wohl auch früher wieder dabei gewesen.
    In dem abstinenten Zeitraum hab ich mich allerdings weiterhin gern mit Rauchern umgeben, da ich das Klischee von den unlustigen Nichtrauchern immer wieder bestätigt finde.
    Was die Anti-Raucher Kampagne anbelangt hab ich mich von Anfang an gefragt, was die eigentlich wollen. Klar, Raucher können Krankenkassen teuer zu stehen kommen… im Gegenzug entlasten sie aber erwartungsgemäß die Rentenkasse. Ich glaub ja, mit den plakativen Ein- bis Zweizeilern wollen sie nur auf Nummer sicher gehen, dass Raucher auch ja das bekommen, was einem auf den Packungen prognostiziert wird…

  2. mir gefällt die tonalität nicht. und auch nicht der eisige hauch der bevormundung. da bin ich kindskopf. jemanden die bude voll zu qualmen, der das nicht will, liegt mir fern.

  3. Egal, machen Sie sich trotzdem ´ne Fluppe an. Bin auch ein „Genussraucher“ und zieh´ mir so 5 Stck. die Woche rein, am WE zum Bier auch mal mehr. Das schon seit Jahren, fahre gut damit.

    Hauptsache, die Zähne (und die Fingerkuppen) bleiben weiss! :)

  4. Zustimmung für die Beobachtung.

    Allerdings gibt es meiner Erfahrung nach eben durchaus auf beiden „Lagern“ diese beiden Typen, den radikal-militanten und den lockeren.

    Radikale Nichtraucher, die einen in der Kaffeepause zu Aufhören zwingen wollen, oder nach mehr Regulation in der Öffentlichkeit schreien, finde ich dabei ebenso zu Kotzen wie ihren Raucher-Counterpart, der sich am liebsten mitten auf der Intensivstation eine anzündet.

    Aber wie Sie selbst schon schreiben: die Zunahme der militanten, egomanischen Regel-Aufzwinger scheint ja eher ein gesamtgesellschaftliches Problem zu sein, denn eins der Zigarettenraucher. Wir sind wohl nur die ersten, die es wahrnehmen, weil’s auch noch staatlich gefördert wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.