Kulturnotizen

Da heult der Sozialist: Auf überbuchten Transatlantikflügen kommt es vor, dass der gemeine Geschäftsmann 1500 Euro Entschädigung erhält wenn er sich von Business auf Economy hinabstufen lässt.

Eine Epidemie von Akkordeon Spielern mir unbekannter Nationalität hat Berlin erfasst. In welchem Straßencafe auch immer ich mich niederlasse, innerhalb von zehn Minuten hagelt mir ein verstimmtes Akkordeon in meinen Kaffee und zetrümmert meine Mittagsruhe. Gerne begleitet von Oboe, Geige oder Saxofon. Das Sammelmädchen hat nicht mehr alle Zähne, aber erstaunlich viel Kleingeld im Becher. Von mir kommt das nicht. Neulich hat die Bedienung eines befallenen Cafes nach fünf Sekunden zu den Musikinvasoren gesagt: „Jetzt reicht’s aber wieder.“

Toller Typ: Kotzt sich vor einem Laden erst seinen Döner aus dem Hals, so dass man im Auswurf auch seine Eingeweide vermutet und marschiert dann in selbigem Laden fidel an mir vorbei und wird von Kumpels begrüsst: „Ey, wie läufts?“. Und er, beschwingt: „Super, danke.“

Die Berliner Gastronomie wird mir mit jedem Tag unheimlicher : Ich setze mich in ein Straßencafe in der Kastanienallee und die attraktive Bedienung kommt und sagt: „Sonst noch einen Wunsch?“

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  1. Die Akkordeonspieler suchen Leipzig schon seit Jahren heim. Obwohl ich nur in großen Abständen dort gewesen bin, erkannte ich das Repertoire sofort wieder. Sie scheinen die Nachfolger der Panflöte-spielenden Indios zu sein. Die gibt es aber auch noch, habe sie vor kurzem wieder gesehen und gehört.

  2. at arboretum: die indios haben sich aber spezialisiert. ich seh die nur in kleineren städten mit einer breiten fussgängerzone vor karstadt.

  3. Auf solchen Festen, gerade wenn sie interkulturelle Ziele propagieren, sind ja sonst auch gern diverse Klischee-Indio-Panflöten-Truppen vertreten, die inzwischen vermehrt auf Hallgeräte, Playback und Synthieschwaden setzen, auch um Personalkosten zu minimieren, was mich letztes Jahr zu folgender Erkenntnis verleitet hat: Zwei schlimme Greuel hat der weiße Mann an den Indianern verbrochen. Erst brachte er ihnen das Feuerwasser, dann brachte er ihnen Synthesizer und Rhythmuscomputer.

  4. Mist, warum hab ich die vorgehenden Kommentare nur überflogen? Mea maxima culpa. Tut mir Leid. :) Sonst hätte ich meinen kommentar eleganter eingefügt. :)

  5. Das klingt ja wieder mal nach einem verdammt witzigen Wochenende! Herrlich. Und bzgl. der Coke-Deckung: Muss nicht. Es geht ja schließlich um Deinen Körper, da muss man auch mal was antialkoholisches nachschütten. Ich bevorzuge hier allerdings H2O.

    Ach ja, Du als Reinliterer: Du machst nach dem Kotzen doch auch weiter, oder? Warum diese Erstauntheit wegen des Herrn „Superdanke“? :)

  6. das ist eine interessante kombi zwischen reinlitern und pegeltrinken.
    einerseits: trinken bis der arzt kommt, und immer weiter, die widrigen umstände ignorierend.
    andererseits: genau darauf bedacht sein, weiterzumachen, obwohl man schlechte karten hat, und die hat man mit kotzaura immer!

    besser: kotzen vermeiden und solange pegel trinken bis man wieder bereit ist zum reinlitern. die hybride lösung.

  7. Ja, die Zeiten meiner Bier-Bulemie sind dankenswerter Weise längst Vergangenheit. Pfui!

    Falls mit kleinen Städten auch Hamburg gemeint sein soll [obwohl ich dem Burnster jetzt nicht zwingend Megapolis-Allüren andichten will]… das Karstadt, wo unsre Hilfs-Inti-Illimani-Ponchos gepfiffen haben, hat dicht gemacht. Woran lags?

  8. nein, das kannst mir altem bayerischen finsterprovinzler nicht andichten. für mich galt ja schon regensburg als böser moloch.

    tut mir leid (tuts natürlich nicht) um den karstadt. wo treten die Illimanis jetzt auf? am HBF? macht der dann auch zu? alles über altona dann, ne?

  9. kennt denn niemand den netten alten herren an der spree, kurz vor der elsenbrücke? der graumelierte, etwas melancholisch dreinblickende herr sitzt bei gutem wetter auf einem picknickstuhl, vor sich aufgebaut eine klassik-version eines keyboards. nebendran auf ein brett genagelt ein turboghettoblaster in schwarz, silber und pink aus dem seichte begleitrhythmen leiern, zu welchen er ab und zu das keyboard bearbeitet.
    bisher hab ich noch nicht rausgefunden was für ein system dahintersteckt, aber meine laufrunde durch den treptowerpark wäre nur halb so schön, wenn ich nicht am ende diesem reizenden herren über den weg laufen würde..

  10. @Ole: Meine Schwester war jahrelang mit so einem Musikindio liiert. Teilweise gehen die jetzt auch Richtung experimentellen Jazz und wollen von ihrem ganzen Folklorekram weg, leiden selber darunter, immer nur auf das traditionelle Panflötentum festgenagelt zu werden. Jedes Ding hat zwei Seiten!

  11. @schroeder
    endlich kommt mal ein stichwort für mich: welches karstadt? heussweg ist doch noch auf, oder?

    zum thema panflöten und whatnot wollte ich erst nichts schreiben. mir tun die leid. ich gebe immer geld, damit sie aufhören zu spielen. ich habe ein gutes herz.

  12. at fraufrank: nee, kenn ich nicht. aber wär vielleicht mal ein photo für ihren blog wert. wollen sie fraufrank? sind da immer noch die schuhe oben auf?

  13. [at] choc: nee, nicht das Frustkraftverstärker-Karstadt in mei’m Quartier .-)… es war – Burnster, augepasst! – Karstadt Altona. Bahnhof steht aber noch.

  14. ate schroeder: ach ne? da war ich mal in der kantine. furchtbare bausünde. kein verlust. schon weggebombt? im juli bin ich auch mal wieder in altona, dann such ich die indios für dich. du vermisst sie doch, oder?

  15. unbedingt… Inti-Illimani bedeutet für mich 5 Tage dauernde Autofahrten nach Griechenland im Auto meiner Eltern… und Lego spenden für chilenische Flüchtligskinder [und sich bereits am nächsten Tag ärgern, dass man nur noch das vermeintlich erwachsenere Fischer-Technik hat]

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