.. e un mezzo litro di acqua minerale frizzante

„Hey Lyla“, ächzt der gute Liam aus den schwachbrüstigen Boxen des Strandcafes. Die zweite Cappuccino-Runde beginnt mit einem Fehlstart. Der Wind vertreut das Schokopulver, das ich auf dem sittsam in sich zusammenfallenden Schaum verstreuen will und bläst es mir auf meinen Arm, wo es sich mit Hawaiian Tropic Oil und Sandkörnern vermengt.

Im Grunde genommen unterhalten wir uns jetzt seit Tagen nur über Frauen und Fußball. Hin und wieder über die Cops am Strand und den Kollegen Schönfärber. „Hey Lyla“. Manchmal auch über Musik. Und wir imitieren Leute. Arbeitskollegen, den Beckenbauer, den Grönemeyer, den Grünwald, den Kahn etc. Und wir schimpfen und fluchen, was das Zeug hält, wenn uns danach ist. Und dazwischen immer wieder dieser unbedingte Wille zum Überleben. Nicht mehr ein zwanghaftes Übersichselbsthinauswachsen wie all die Jahre zuvor, sondern ein konzentrierter und logistisch ausgefeilter Überlebensplan, der auch Dolce Vita beinhaltet. Als ob wir die Gefahren des Alltags durch eine gute Strategie fernhalten könnten. Durch den einen guten Plan, den wir uns ausdenken.

Und mir fällt auf, dass ich keine Angst mehr habe, eine Schneise durch die Scheiße zu schlagen. Einen Weg durch die Irren mähen. Die Melancholie vergangener Tage verdampft zusehends mit jedem weiteren Monat. Wir werden nicht als gefühlsarme Menschen enden. Aber vielleicht hören wir auf emotionale Hypochonder zu sein und lassen noch andere in unsere Arche.

„She rings the bell for all the world to hear“, singt der Liam über eine Begegnung. Meine Metaphern werden noch viel ärmer ausfallen, wenn es mal soweit ist. Signora, il conto per favore. Wir stehen auf und gehen zurück ans Meer, wo wir nach kurzer Zeit anfangen, über Frauen und Fußball zu reden und über den Kollegen Schönfärber.

9 comments / Add your comment below

  1. Burnie, Deine Positiv-Bewegung hat mir echt eine Watsch´n verpasst. Seitdem bin ich wirklich wach. Und wachsam wie ein Luchs jeder Jammerei gegenüber. Du hast keine Angst mehr, so weit bin ich noch nicht. Mir ist nichts mehr peinlich. Hilft auch schon. Ich streue das Glücksprinzip auf alle. Und ich merke, das man etwas bewegen muss, um sich gut zu fühlen. Fast egal was. Aus allem ein Happening machen, und wenn es nur ein Berg von Abwasch ist. Mit zwei Freunden,guter Musik und einem Gin Tonic sieht der Berg plötzlich nicht mehr aus wie der Nanga Parbat.
    Weitermachen! Danke!

  2. Oja… klasse Text [wieder, wieder mal]. Aber zwischen all dem Positiven, nehm ich auch Zwischentöne wahr. War doch um einiges einfacher, als man über sich hinausgewachsen ist… und dies weder als zwanghaft, noch als Alters/Jugenderscheinmung wahrgenommen hat, die einem allerdings [in meinen Augen] in den Schoß gefallen ist. Ziemlich tolles Hormon-Depot, was einen von 15-25 [roundabout] per subtil kontinuierlicher Ausschüttung über jeden Zweifel erhaben sein lässt… Gut, geht auch nicht jedem so in dem Alter. Gibt wohl andere Hormon-Depots für die gleiche Alterssparte. So die Downer-Abteilung. Hatt ich nicht, den Asen sei Dank!

  3. ja ja, eigentlich gehts ums älter werden. und dabei ein wenig auf sich selbst aufpassen. klar gab es zeiten, da war man einfach der weltchef ohne jeden zwang. einer süßen hormonellen verblendung war man anheim gefallen und das war großartig. doch mit der zeit wird man (in der regel) wacher und schlauer und steht vor einem haufen von defiziten, die man in eben angesprochener verblendung nicht wahrgenommen oder ignoriert hatte.

    jetzt ist der trick aus der manchmal ernüchternden und manchmal brutalen wahrheit das gute rauszufiltern, ohne sich in nicht mehr erreichbare naivität zurückzuprügeln. das meine ich mit zwanghaft. aber es geht und es geht sogar besser als ich je dachte. und immer noch dekadent genug, um als lebemann durchzugehen. und wenn es zwischen den ganzen kalauern und motzereien einen roten faden in meinem blog gibt, dann den: durchhalten und spaß dabei!

  4. „durchhalten und spaß dabei!“ – das schreib ich mir auf die fahnen, wenn ich ab nächsten donnerstag meine 6wöchige kletterpartie auf den naga parbat beginne.

  5. Diejenigen, die am Ende dieser verrückten Zeit noch bei uns sind.

    So viele werden es nicht sein.

    Kann mich meinen Vorrednern nur wieder einmal anschließen: Klasse Text, Burnster! Der Mann hat nicht nur den Paten 100%ig drauf…

    Es ist übrigens gar nicht so schlimm, Defizite aus vergangenen, verblendeten Zeiten ignoriert zu haben. Es gibt genug Defizite, die gerne für immer unberücksichtigt bleiben können. Und wenn Ihre Schneise geschlagen und das Glücksprinzip fertig geschmiedet ist: Bitte Melden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.