Interview mit einem Bajuwampir

Wir sind bodenständiger, kräftiger, herzlicher, erfolgreicher und natürlich schlauer als die Anderen. Dazu haben wir das schönste Bundesland, das tollste Wetter, die hübschesten Mädchen, die witzigsten Kabarettisten, das beste Bier, das gmschackigste Essen, die Alpen, die höchste Lebensqualität, ein Ein-Parteien-System, unsere eigene Verfassung, sind halbe Italiener und noch dazu sautolerant. Liberalitas Bavariae. The Reflection Of Perfection. Noch Fragen?

Gott mit dir

Ja, eine hätte ich, Herr Burnster. Ist es nicht ein bisschen langweilig in all dieser Perfektion?

Doch, doch. Manchmal fehlt das Unberechenbare, das Chaos. Trotzdem muss man sagen, dass eine heile Welt einem auch viele Freiräume lässt. Denn wenn die Natur sich hübsch macht und das Geld auf der Straße liegt, lebt es sich einfach sorgloser.

Aber Herr Burnster, wenn man in Bayern lebt und nun nicht glücklich und erfolgreich ist. Wie fühlt man sich dann?

Also, falls es sowas geben sollte, wäre der Erfolgsdruck schon unangenehm hoch. In München beispielsweise bist du ohne Job, viele Superfreunde und ohne Partner schön im Hintertreffen. Da kann die bayerische Dolce Vita der anderen sehr schnell zur Belastung für einen werden. Oder Single am Land, wo sie dich mit Einfamilienhäusern und Kindern geradezu zuscheissen. Na ja, aber wer ist schon unglücklich in Bayern?

Und das mit der CSU stört sie nicht, Herr Burnster?

Ach, wissen sie. Man arrangiert sich ja im Laufe der Jahre. Wir haben ja auch so tolle Kabarettisten, die das ganze auf die Schippe nehmen. Da fühlt man sich nicht so allein. Und man kann ja dann nach München ziehen. Da schwingt seit dreitausend Jahren die SPD ihr rotes Zepter. Beziehungsweise, so eine Art von SPD. Traurig sind wir nicht, wenn der Stoiber nach Berlin geht. Aber ich wüsste jetzt auch nicht, was da Besseres nachkommen sollte.


Ich habe gehört, dass die Bayern gegenüber Ausländern nicht ganz so offen sind.

Na ja, wir staunen halt gerne.

Und was hat es mit dieser doch sehr isolatorischen ‚Mir san mia“- & Freistaat-Mentalität auf sich? Sind die Bayern nicht ein wenig zu self-centered, wie der Engländer sagen würde?


Schmarrn, uns Bayern, gerade uns jungen gefällt es überall in der Welt. Während die Saupreussen immer über uns und München herziehen, lassen wir uns ausgelassen in Hamburg und Berlin nieder und bringen ein wenig boarische Gmütlichkeit in eure finsteren Nordmetropolen. Klar, mit vierzig ziehen wir wieder nach Hause und da bleiben wir dann auch. Daheim ist es halt doch am schönsten. Und wenn’s nach uns ginge, hätten wir gerne unsern Kini zurück und wären ein eigener Staat. Aber als isolatorisch würde ich das nicht bezeichnen.

Woher kommt denn eigentlich dieser wirtschaftliche Erfolg? Warum hat sich die New Economy denn seiner Zeit gerade rund um München manifestiert?

Ja, weil der Stoiber genug Pulver hat springen lassen, für die ganzen Existenzgründer. Im übrigen war die New Economy ein Riesenscheißdreck, wenn sie mich fragen. Wer arbeitet schon gerne bis Zwölfe in der Nacht?

Hmmm. Abschließend noch eine letzte kleine Frage, Herr Burnster. Wenn es ihnen in Bayern so gut gefällt, warum wohnen sie dann eigentlich in Berlin? Berufliche Gründe hat das bei ihnen wohl nicht.

Ja mei, diese Sucht nach Sinnsuche, diese Zerstörungswut, diese Lust am Untergang. Wissen sie, zuviel heile Welt kotzt einen mit der Zeit einfach wahnsinnig an. Und inmitten dieses verwüsteten Landstrichs hab ich dann auch soviel Schönes gesehen, das fällt viel mehr auf als Schönes in Bayern. Eine einzelne Blume in einer verwilderten, ungemähten Wiese hat mehr Wert als ein Meer von Blumen. Ausserdem is das Bier hier wahnsinnig billig.

9 comments / Add your comment below

  1. es war klar, dass sie sich auf die lorbeeren der nachfolgenden generation setzten würden, herr burnster.
    sie vergassen zu erwähnen, dass die natur in bayern sehr aufrecht wächst.
    eine sogenannte domestizierte urnatur.
    ach die bayern, ich mag die ja schon.

  2. lustig ist, dass es ei’m eher bei den andern auffällt… mir auch bei den Bayern… dass die sich mögen, mein ich. Wir Hamburger sind ja kein‘ Deut besser… aber fällt mir eigentlich nicht so auf *hrhr*
    Ich hatte auch mal nen bayrischen Kollegen, mit dem es sehr lustig war. Der hat andauernd im Office gepennt… sich gefreut, dass es dort ein komplettes Bad gab und dennoch nie so ausgesehen, als ob er es genutzt hätte…

  3. Mein Onkel ging mal für ein paar Jahre nach Bayern, des Jobs wegen. Die Besuche dort waren okay, die Leute waren entspannt – aber die Weisswurst mit dieser komischen Paste schmeckt einfach scheiße. :)

    Trotzdem sprach noch niemals etwas gegen ein gesundes Selbstbewusstsein, gekoppelt mit einer Prise Narzißmus. Schade, dass mein Reisapass abgelaufen ist; sonst würd´ ich doch glatt mal zur Wies´n vorbeischaun´!

  4. weißwurst ist kingsizeuberallessuper fressi.
    treffen wir uns halt auf der wiesn. mc. ich schmuggel sie auch über die landesgrenze. ich kenn da ein paar stellen.

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