Litrez: Der neue Ikea ist da!

Lange bevor überhaupt ein Erscheinungsdatum bekannt war, irrlichterten schon die irrsten Spekulationen durchs Web. Ein Protagonist wird im neuen Ikea den Löffel abgeben. Wer könnte es wohl sein? Sollte Billy endlich ins Gras beissen, oder wurde dem kleinen Snille vom sinsistren Poäng der überfällige Garaus gemacht? Natürlich werde ich mich hier nicht in Pointenverderbung verdingen, sondern vielmehr einige literaturkritische Eindrücke zum neuesten Machwerk des umtriebigen Schweden vermitteln.

Auch im neuen Ikea dominiert die induzierte Duz-Form. Der omniscient narrator bricht seinen stream of consciousness mit diesem kecken imperativischen Stilmittel und rüttelt den Leser an den wichtigen Stellen auf, wie etwa

    Schau dich bei uns um und stell dir aus einem riesigen Auswahlmenü die Küche zusammen, die dir am besten gefällt. Das geht leichter als du denkst.

Aber im Prinzip ist das Schnee von gestern. Was mir im aktuellen Opus von Ikea auffällt und was ich nicht nur als neu, sondern als geradzu innovativ klassifizieren würde, ist der spontane Einsatz von onomatopoetischen Phrasierungen wie sie mein Freund Fons Tensfelder nicht besser im seinem Seminar unterrichten könnte.

    Ta-daah! Endlich haben wir auch unsere Sofas kleingekriegt.

Bemerkenswert hier natürlich auch der autobiographische Seitenhieb in „klein(ge)krieg(t)“, ganz klar eine giftige Anspielung auf die Razzia in einer Filiale im hessischen Wallau, die den Autor zu schärferen Allegorien zwingt als jemals zuvor. Zudem sorgt eine „antike Beizung“ des gängigen Ikea-Vokabulars für einen härteren Duktus, der die Handlung unbarmherzig bis zum großen Finale antreibt. Die Grandezza des neuen Ikeas liegt aber letztendlich im ambigen Einerlei aus massiver Kiefer und leichtherzigen Polyesterfasern. Das geht auch zum Wohl von Pathos-Allergikern, soviel sei verraten.

Durch seine durchkomponierte Rhetorik und dem wiederkehrenden Einsatz von „Ink Terms“ (z.B. „lasiertes Eschenscharnier“, „arretierbarer Wippmechanismus“) lässt der neue Ikea allerdings einiges an Fallhöhe vermissen. Die Geschicke von Klippan sorgten zumindest in der Vergangenheit für mehr Empathie. Aber ich will nicht zuviel verraten.

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  1. Liegt bei mir immer im Gästeklo aus, der IKEA-Katalog (CI, Burns!). Ich als Heimscheisser kann den Alten jetzt fast auswendig, wurde Zeit, dass der Neue kütt (wie der Schwabe sagen würde).

  2. fabulöses geburtstagsposting und -bild!

    den katalog habe ich heute meinem nachbarn geklaut, ist schlecht für mein karma, chakra, aura – aber egal („ich will keine werbung“ steht auf meinem kasten – seit wann ist der ikea-katalog werbung…)!

  3. Dankesehr! Das Problem mit dem „Keine Werbung“ und dann kein Ikea-Katalog hab ich heut schon mal gehört. Da funktionert’s dann plötzlich, was? Beim nächsten Prospekt von Mama’s Mobilem Pizzadienst wird das Papperl wieder ignoriert.

  4. ja, komisch, du hast recht, beim ikea katalog funktioniert das schildchen. bei uns hat der offizielle briefträger ausgeteilt. vielleicht wurden darum die schilder streng beachtet. morgen gibst wieder fürchterlich gestaltete dönerbudenflyer.

  5. @MC: als gebürtiger Schwabe in Baden (bitte nicht weitersagen!) muss ich hier heftig Einspruch erheben: die Präsens-form „kütt“ von „Kommen“ kommt nicht aus dem Schwäbischen! Dat iss kölsch! :-)
    Schwäbisch wäre (regionale Unterschiede…) kummt/kimmt bzw. im Ur-Schwäbisch mit Hilfsverb-Unterstützung „können“, „Kommen“, „haben“, „sein“ …..

  6. 1. Alles Gute nachträglich zum Geburtstag
    2. Du hast Recht – es gibt nicht wirklich viel Neues in dem IKEA Katalog von diesem Jahr! Sieht aus als hätten die nen Praktikanten designen lassen – letztes Jahr fand ich sie wesentlich innovativer …

  7. Ähem, ehrlich gesagt hab ich mir den Katalog noch kein einziges mal angeschaut. Genausowenig wie die der letzten Jahre. Ich hab lediglich wahllos aufgeschlagen, um die Zitate zu entnehmen. Bin auch ansonsten vollkommen desinteressiert an Ikea, ausser ich brauch was Bestimmtes, wie zum Beispiel orangefarbene Hupfbälle.

  8. „wir sind ja hier um was zu lernen“.
    heute gelernt: unter dem „keine werbung“-schild am briefkasten handschridftlich vermerken: „außer ikea“.
    wann bringt ikea dieses schildchen selbst heraus???
    ist in berlin vielleicht schon ausgeliefert????
    gibt es außer mir noch malm-anhänger????????

  9. Es gibt doch von Ikea den „Ich will“ Aufkleber für den Briefkasten! Klebste den druff, kriegste den Ikea-Katalog… Ich als bekennender Ikea-Fan kenn mich da natürlich bestens aus.

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