Latest Craze: Gräbertausch

Und wenn wir dann tot sind, tauschen wir einfach unsere Gräber. Weisst du, wir beauftragen jemand, der die Leichen austauscht und dann ist das so als hätten wir den Wohnungsschlüssel des anderen. Natürlich wird das von den lieben Angehörigen, den öästig Hinterbliebenen und den falschen Freunden niemand bemerken, aber es geht ja um unsere persönliche Häme, wenn beispielsweise die Marlies, die alte Kuh, bei mir am Grab rumflennt und in Wirklichkeit liegt ihre älteste und schärfste Nebenbuhlerin drin. Oder der Robert kniet sich, theatralisch wie er nun mal ist, vor deine Grabplatte, während ich ihm drinnen den skelettierten Mittelfinger entegen recke.

Ehrlich, was für ein Spaß. Nach einer gewissen Zeit können wir dann auch wieder zurücktauschen. Obwohl…, kommt auf die Gräber an. Wenn du natürlich so ein schickes Mausoleum bewohnst, kann es sein, dass ich da nicht mehr freiwillig ausziehe.

12 comments / Add your comment below

  1. Auch eine schöne Möglichkeit zur Verwirrung der Nachwelt generell und der Hinterbliebenen speziell: Das Scheingrab. Respektive mehrere davon. Und ab und zu umziehen.

  2. Mit mir kann keiner tauschen, ich hinterlasse keine Spuren, jedenfalls keine solchen. Lachen wird auch niemand, wenn die meine Hinterlassenschaft durchwühlen, wird sich echte Traurigkeit ausbreiten, soviel ist sicher. Aber ich werde mich über eure Spielchen diebisch freuen, ihr pietätloses junges Gemüse! :-D

  3. Neulich las ich etwas über die explodierenden Kosten für Grabstätten und Beerdigungen. Vielleicht wäre ein Time-sharing Modell sowieso die Zukunft. Jedes Jahr ist man für 6 Wochen offiziell beerdigt und den Rest der Zeit hängt man in der Asservatenkammer rum….oder so.

  4. Uh-oh.
    Wenn man jemals in einer WG gewohnt hat, möchte man aber ganz sicher nicht Gräber tauschen… Ich meine – nö, da pfeif ich lieber auf die Enge eines Eichenholzsarges und flieg lustig durch die Gegend und treibe meinen Schabernack…

  5. So kennen wir die Julia. Selbst im Tod noch quicklebendig.

    Es lebe der Zentralfriedhof

    von Wolfgang Ambros

    Es lebe der Zentralfriedhof
    und alle seine Tot’n,
    da Eintritt is für Lebende
    heut ausnahmslos verbot’n.
    Weu da Tod a Fest heut gibt
    Die ganze lange Nacht,
    und von die Gäst ka anziger
    a Eintrittskarten braucht.

    Wann’s Nacht wird über Simmering,
    kummt Leb’n in die Tot’n
    und drüb’n beim Krematorium
    tan’s Knochenmark abbrat’n.
    Durt hint’n bei der Mamorgruft,
    durt stehngan zwa Skelette,
    die stess’n mit zwa Urnen an,
    und saufen um die Wette

    Am Zentralfriedhof ist Stimmung
    wia’s sein Lebtag no net war,
    weu alle Tot’n feiern heute
    seine ersten hundert Jahr.

    Es lebe der Zentralfriedhof
    und seine Jubilare.
    Sie lieg’n und verfäul’n scho durt
    Seit über hundert Jahren.
    Draußt is kalt und drunt is warm
    nur manchmal a bissl feucht;
    wenn ma so drunt liegt, freut ma sich
    wenns Grablaternderl leucht.

    Es lebe der Zentralfriedhof,
    die Szene wirkt makaber,
    de Pfarrer tanz’n mit de Hurn
    und Judn mit Araber.
    Heut san alle wieder lustig,
    heut lebt alles auf.
    Im Mausoleum spielt a Band
    die hat an Wahnsinns-Hammer drauf

    Am Zentralfriedhof ist Stimmung …

    Es lebe der Zentralfriedhof,
    auf amoi macht’s an Schnoizer,
    da Moser singt’s Fiakerliad,
    de Schrammeln spiel’n an Walzer.
    Auf amoi is die Musi still
    Und alle Aug’n glänzen,
    weu dort drüb’n steht der Knochenmann
    und winkt mit seiner Sens’n.

    Am Zentralfriedhof ist Stimmung …

  6. Muttern (meine) hatte jahrelang die Angewohnheit, dieses gar lustig‘ Liedchen zu Allerheiligen zu spielen. Schön, daß dem Burns dieses Kleinod einfällt! ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.