Island wie es singt und lacht

Keine Sorge, dem Chef geht es prächtig. Er war nur von den vielen Kunstaktionen in Berlin beeinflusst und dass eine schwarze Seele hin und wieder nach aussen tropft, das ist kein Anlass zur Sorge. Weiter geht es mit einer kurzen Beschreibung eines Performers gestern im Rio. Da war nämlich isländischer Musikantenstadl:

Der Künstler sagt sich zunächst fünfzehn Minuten selbst an. Mit monotoner Stimme und Blick auf den Boden erzählt er vom großartigsten unbekannten Musiker Islands, eben sich selbst. Dann geht er von der Bühne und taucht zwei Minuten später ohne Hemd und mit zerzaustem Haar wieder auf. Eine Dudelsackhymne ertönt und der Isländer schraubt solange an seinem minimalen Eurorack Mischpult bis aus dem Gedudel ein schier unerträglicher Lärm wird. Zu diesem Lärm gesellen sich ein Gitarrist und ein Bassist in Kapuzenmänteln, ein Schlagzeuger und ein pomadiger Zotenelvis in blond, der sich sofort sein Hemd aufknöpft während er anfängt in das Mikro zu bellen. Auf der Leinwand hinter der Bühne laufen Bilder von einer großpixeligen Büffelherde, die sich apathisch hin und her bewegt. Müßig zu erwähnen, dass etwaige Songstrukturen nicht im Sinne des Erfinders sind und der Lärm sich ins Infernalische steigert bevor der Auftritt damit endet, dass der Bassist den Kollegen am Mischpult von der Bühne schubst.

In einem anderen Film an einem anderen Tag, spannt Magnus, der pausbäckige Performance Künstler aus Island, Netze in einem Bombenschutzkeller und legt Federn hinein, während er als isländischer Fischer verkleidet tote Vögel ausweidet.

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  1. Das klingt nach Bombenunterhaltung! Ich werde mir fest vornehmen, noch in diesem Leben an einer isländischen Performance-Kunst-Aktion teilzunehmen. Wobei mir was ohne tote Fische lieber ist, glaub ich.

  2. Erinnert mich an das „Ein-Mann-Thrash-Metal-Midi-Projekt“, das ich mir mal anschauen durfte. Statt Büffeln gab es da geschlachtete Hühner und vorne ein spannerlanger Hansel, der sich die Seele aus dem Leib schrie. Neben den Veranstaltern waren ein Kumpel von mir und ich das einzige Publikum. Damit wir alles besser sehen konnten, haben wir erstmal ein Sofa direkt vor die Bühne geschleppt und uns breit grinsend berieseln lassen.

  3. HA! Ich weiß doch schon längst selbst wie man Datenbanken exportiert und editiert! Nur der Import macht mir noch Sorgen. Was machste am Wochenende, Juri?

  4. das alles liegt daran, dass in island bewiesenermaßen jeder von jedem abstammt
    und reykjavik nicht mehr als ein verregneter lieferanteneingang ist.

  5. Burnster stehen hauptsächlich auf Saufen. Da sind sie den Isländern wahlverwandt. Was gibt’s denn am Donnerstag im Acud? Auf der Website steht Mannigfaltiges.

  6. Eigentlich tritt da „nur“ so ’ne Liveband gratis auf. Peacekeepers heissen die. Spielen auch „nur“ Coversongs. Aber das auf so eine mitreissende Art und Weise im Funk-, Soul- und manchmal auch Raggastil, dass das Publikum schwer begeistert mittanzt. Die sind da jeden Donnerstag, ich war bisher 2mal dabei…lange Nächte gewesen, glaub mir!

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