Fraktale IV: Tod


Der Tod selbst hat keine Definition, wir haben kein Wissen von ihm, er hat weder Raum, noch Zeit. Das gesellschaftliche Wesen Mensch wird im Augenblick des Todes zum Einzelnen. Der Tod provoziert den intimsten Moment des Selbst. (aus Fraktale-Berlin.de)

Die Fraktale IV ist eine im Palast der Republik untergebrachte Ausstellung die das Thema Tod im weiteren und engen Sinne zugleich zum Thema hat. Bisweilen driftet die Auslegung des Motivs ins angenehm Surreale, zuweilen auch ins unangebracht Absurde ab. Der beste Beitrag gehört allerdings gar nicht zur eigentlichen Ausstellung: Der Balkon, welcher der Lounge der Ausstellung als Außenbestuhlung dient.

Ein laues Lüftchen an einem viel zu warmen Oktoberabend, ein herrschaftliches Panorama, die glitzernden Lichtern von Unter-den-Linden im Zentrum des Blicks, lässt einen thronen und mental machthaben und ist ein exzellenter Denkzettel an die Vergänglichkeit der Dinge. Der herrschaftliche Blick mag derselbe wie einst aus der Fensterfront des Palastes sein, das Gebäude im Rücken ist jedoch ein verwestes Gerippe, das kurz vor der eigenen Beerdigung steht. Wie ironisch, wie passend, wie schön.

23 comments / Add your comment below

  1. Das machthaben im Palazzo Prozzo war
    mitr direkt nach der Befreiung gegönnt.

    Fidel´s feinsten auf Eis für ein paar Pfennige,
    und auf 70er Brauncordsesseln hockend,
    die sonst den Honnis dieser Welt vorbehalten waren……….

    ..die Nebenschauplätze – un-eingerichtet,
    sind doch halt die schönsten Orte,
    ihnen fehlt Geltungsdrang.

    – Grussregierung.

  2. Wäre denn dieser Balkon ein geeignetes Örtchen zur spontanen Selbstentleibung durch einen beherzten Sprung? Die dba bietet hier grad Flüge nach Berlin für 54 Euro an, und ich hab doch in der neuen Wohnung leider keinen Balkon.

  3. Antwortregierung: Mir auch. Fünf Mark für fünf Gänge und fünf Schnapps für eine Mark.

    Ratzefatze: Also hoch trabt er nicht, falls du das meinst. Komm mich doch einfach besuchen, dann springen wir gemeinsam vom Kreuzberg.

  4. …oder trinken ein „Neu-Köllsch“?

    ( meinten sie mit „satireblog“ eigentlich mich? oder das was ich verlinkt hatte….,
    ….Satire…..ts….ts…es stimmt mich seltsam – als Satire betrachtet zu werden….
    ….Zynik gern – aber Satire….nun vielleicht ist das eh erstrebenswerter…)

    – GrussausHHregierung.

  5. Nein, nein, damit meinte ich das Pfahltanzblog. Stahlnippel inc. oder so ähnlich. Pornoblogs empfinde ich in der Regel als Ärgernis aber bei dem hab ich laut gelacht. Vielleicht hab ich auch einen seltsamen Sinn für Humor, vielleicht auch das P-Blog.

  6. Pornoblogs sind langweilig. Wie oft will man noch schreiben, wie man sich wo von wem hat vögeln lassen. Maaaan, dieses ganze Gef*cke ist viel zu überbewertet. Da geh´ ich doch lieber in eine Peep-Show.

  7. Haben sie den pain-dingens-drehbuch artikle denn gelesen,
    den ich verlinkt hab?

    …echt nice, somehow!

    ( Sex hält eh selten was Onanie verspricht :-) )

    – Grussregierung.

  8. Auch das Schöne muss sterben, das Menschen und Götter bezwinget. Ich schlurfe unter goldherbstlichen Laubbäumen umher, wundere mich über meine müdikeitsbedingte Verpeiltheit und erinnere mich an die Ausstellung „Auch Tote essen gern Nutella“, die es vor Jahren mal im Münsteraner Stadtmuseum gab über Todesfantasien von Kindern. Doch eigentlich ist der Tag heute zu schön, um sich über das Vergehende Gedanken zu machen.

  9. Gerade an den schönen Tagen drängt doch das Vergehen an die Oberfläche. Und für mich persönlich wird dann der Tag gleich noch schöner, weil ich ihn so zu schätzen weiß. Ich steh auf Vergänglichkeit. Ich mach sie mir zu Nutzen und übertrumpfe so die Rückwärtsgewandten mit links.

  10. Da verweise ich auf den beinah immer klassen Tatort in Münster. In der Pathologie steht, gar nicht so weit weg vom Mahler-Plakat (also Gustav, ne) wunderhübsch das Folgende auf die Fliesen geschrieben: Media vita in morte sumus.. Da wird einem der Kollege Schnitter doch gleich nochmal so sympathisch. Da werden aus ganz Brandenburg die Leitl neitappen in die Ausstellung, a bisserl des Sterben besichtigen.

    Und dann frag ich mich grad selber, wies denn zammgeht, dass der Tod grad so heute is, Erdung hingegen sowas von gestern. Any idea?

    PS, Burnse, Tandemsprung oder wie?

  11. Ja, ich weiß auch net genau woran des liegt. Ich als Opinion Leader wundere mich ja oft selbst über die Trends die ich lostrete. Die Trennung von Tod und Beerdigung (=Erdung) bedeutet letztlich doch nichts anderes als die Entschärfung des tickenden Topos Tod. Rauf in den Himmel oder in die unendliche Sommerluft wollen wir doch, nicht runter ins feuchte Grab. Wenn wir also auf die Erdung verzichten, sterben wir halt einfach so als hätten wir einen Saurausch, der halt mal vorkommt, wenn man trinkt. Passiert halt, ist meistens unerfreulich, aber immerhin was Besonderes. Und das wollen wir doch alle im Leben. Was Besonderes.

    PS: Logisch Tandem, vielleicht auch Tamtam

  12. Herrschaft, des passt ja so gar net zu meiner Health-Management-Gschicht, über der ich grad eigentlich fleissigst hocken sollt. Aber der tickende Topos Tod, alle Achtung, aufrecht alliterierende Agenda-Setterr! Und ich war ja immer der Meinung, mit solche Topoi könnt ich nix anfangen, persönliche Lost Domains sozusagen. Aber mei, wenn er mit einem Seiterl Bier daherkommt, dann such ich halt das Verlorene, wird schon zu was gut sein. Wir wollen ja nicht nur gar zu gern das Besondere im Leben, wir geben halt auch nie auf. Ums Verrecken nicht, sozusagen.

  13. Sind die weißen Elefanten eine jenseitige Allegorie? Ich persönlich hab nämlich keine Lust, nach meinem Tod die ganze Zeit auf rauhen Elefantenrücken durch die Weltgschicht zu reiten. Ich stelle mir das Leben nach dem Ableben eher entspannt und hängemattig vor. Also auf Deutsch gesagt: gar nichts stell ich mir vor und wünsch ich mir auch. Endlich meine Ruhe haben, Zefünferl.

  14. ich brauche hilfe: Media vita in morte sumus. vita und in morte verstehe ich noch, was bedeutet sumus?

    ich bin nicht auf der höhe der zeit was den palast der rep. angeht: was passiert mit ihm? abriss? entkernung? fake- schloss-drumherumgebaue?

  15. Für’s Schloss gibts keine Investoren und vermutlich auch keine Befürworter mehr. Abriss angeblich Frühjahr 2006. Danach plant man mit Brachland. Vielleicht kommt der Kristo aus dem Centralpark herangeeilt und rettet ihn last minute, den Palazzo. Entkernt wurde das Ding schon vor geraumer Zeit und steht jetzt als Skelett in der Gegend herum.

    „Sumus“ bedeutet „wir sind“ und im Kontext:“Wir sind inmitten des Lebens vom Tod umgeben.“
    Vanitas Gedankengut, woasst scho, Bitts.

  16. Chocolita, da ham wir ja schon wieder was gemeinsam. Wenngleich du jetzt auch nicht wissen wirst, was das nun wieder heißen soll, und es liegt denn auch eher in der Polysemie mancher Lexemketten begründet, aber grinsen muss ich trotzdem. Hihi.

    Und stimmt, Vanitas Gedankengut. Glei noamoi gegrinst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.