Wir treiben durch die Kanäle

Wissen ist Macht. Wissen ist Gift. Rauschgift. In tiefer Nacht schleicht sich der Süchtige zu seinem local Google dealer und der setzt die Spritze da an, wo es so schön weh tut. Der Google-Dealer hat das beste Zeug dazu eingekauft. Die Diplomarbeit der Exgefährtin, ein Photo von dem Ort wo ihr euch das letzte Mal gesehen habt, ein Schnappschuss von ihr aus einer durchtanzten Clubnacht. Eine Stellenanzeige auf die sie geantwortet hat. Den neuen Beruf deines ewigen Nebenbuhlers. Ein Dating-Portal, in dem sie insieriert, die Schule an der sie jetzt unterrichtet, einen alten Gästebucheintrag von ihr, die Band ihres jetzigen Freundes. Bilder von ihm. Texte über den Sommer, die sie einst verfasste. Natürlich könntest du auf härtere Drogen umsteigen. Es gibt Leute die öffnen den Giftschrank für einen. Natürlich könntest du dich auch in den Zug oder ins Flugzeug setzen und dir das Zeug direkt von ihr besorgen. Natürlich könntest du, aber dann würdest du offenkundig straffällig und auf den illegalen Handel mit verbotenem Wissen steht nun mal die Todesstrafe.

Wird sie, fragst du dich, je ein Weblog eröffnen, liest sie deines und kriecht sie auch in schöner Regelmäßigkeit zum Google-Dealer?

33 comments / Add your comment below

  1. Die mittlere Deiner abschliessenden Fragen ist leicht selbstverletzend und sollte getauscht werden in: „Würde ich ihr Weblog lesen, wenn Sie eins häite?“ Schwer genug…

  2. Wenn es noch eine konkrete „sie“ gäbe und sie mich die Bloglunte riechen lassen würde, ich würde es nicht lesen. Das wäre ja glatter Selbstmord. So bin ich froh, dass es keine „sie“ mehr gibt. Heilfroh sozusagen.

  3. es ist seltsam, wie *weg eine person sein kann, die man aus der täglichen linkliste ins löschnirvana schicht.
    gift googeln in schwarzen nächten, uuuhja…

  4. wenn ich mich selber google, erscheint als einziger eintrag eine teilnehmerliste eines schwimmwettkampfes von 1985, wo ich erwähnt werde. das schöne: wegen krankheit war ich gar nicht da.

    äh. nur so. ich bin dann mal wieder. tschüss!

  5. Nuttin´ 2 hide, biatch! :)
    Sollen Sie doch gucken kommen; voyeuristisches Pack.

    Denke ich. Zuerst.

    Dann überlege ich, ob es für die betreffenden Personen nicht doch schockierend sein könnte. Gerade weil es mich nicht tangiert. However – Bier her!

  6. Ja Leute, wir stecken mitten im Orwell. Und nur weil’s ein scheinbar demokratischer Orwell ist, beobachtet er dich trotzdem rund um die Uhr. Huibuh!

  7. Ach was fürn Zeuch aber auch, Bürnster! 1984 quer gesummt is 22. Da is nix mit rund um die Uhr. Zwei Stunden Schlaf und da Vinci auf ewig Hohn gekündet und einfach mal weggeschaut, die Augen freigeräumt. The drugs don´t work, they just make you worse. Und wer Pasch sagt, hat´s genau gewusst.

  8. Ihr seid alle irre. Ich hingegen trinke statt zu googlen und zu konspirieren. Ich bin irre besoffen, wenn ich nicht irre. The Verve machen mich melo, die Blaubeersuppe find ich zu dramatisch, Miss La. Ich geh ab und dann besser schlafen. Love.

  9. Grausam ist das, dass der andere nie ganz verschwindet. Du kannst die Photos zerfetzt, die Briefe verbrannt und die Erinnerung mit dicken, schwarzen Strichen versehen haben: Einen Klick entfernt spürst du seinen Atem wieder im Nacken, er lebt weiter, er hat eine Adresse, ein langsam alterndes Gesicht, und die Meeresoberfläche wird viel zu durchsichtig, die Wracks viel zu sichtbar, um ruhig darauf zu fahren.

  10. Genau das ist Leben und ich find das wunderbar. Botoxieren, Skapelieren – damit können Sie Ihrem Herz nichts anhaben.
    Ein Teil von Ihnen liegt da unten.

  11. Und glaub ich noch ans Meer, so hoffe ich auf Land. Bin ich’s, so ist’s ein jeder, der ist soviel wie ich. Ich will nichts mehr für mich. Ich will zugrunde gehn. Soweit die alte Bachmann. Das Ganze, beste Frau Modeste, ist aber doch in Wirklichkeit nicht ganz so dramatisch – oder zumindest wollen wir das mal hoffen. Mag er auch eine Adresse haben oder ein langsam alterndes Gesicht, Frau Vita hat das schon ganz treffend angemerkt. Unters Messer damit! Botox in die Epidermis! Und das Adressbuch überarbeiten.

  12. Ausser der Datenhighway. Haha. Aber im Ernst: es zwingt einen ja keiner, das Internet zu durchforsten. Diese Informationsrodung missfällt mir auch sehr und ich bin ja kein Privatsdetektiv, denen das Handwerk wohl recht erleichtert wurde. Das Handwerk legen wird mir auf jeden Fall kein Gugelhupfzombie.

  13. Ich hab das völlig anders gemeint.
    Es ist vergeblich alles zu löschen. Das bleibt, ist verwoben mit allem, liegt selbst mit am Grund des Meeres, ist Geschichte, eigene. Strampeln und Kapitel seiner Selbst löschen oder in der dritten Person Sacher mit Obers bestellen – Sie glauben doch nicht, dass sich Geschichte auch nur eine Sekunde abringen läßt. Sie wissen es.

  14. So hab ich das noch gar nicht gesehen. Da hat der Moccalover ja echt Recht.

    Und – verehrte Vita – wenn ich mir diese eine Bemerkung noch mit etwas schmunzeln erlauben darf: Sacher mit Obers würd meiner dritten Person auch nicht gönnen, die schnabulier ja doch lieber ich ich ich. (Heißt nicht, dass nicht Umstände eintreten könnten, unter denen ich natürlich teilen würde und jemand mit der Gabel füttern.)

  15. Vita mala: Ich ringe der Geschichte ab, was ich will, ich arroganter selbstgefälliger Chronikenfälscher;)

    Danke, Herr Mocca. Rise Of The Machines Szenarien überlass ich den Terminator 4 Dialogbuchautoren. Also, dem Dialogbuchprakti.

  16. Meine Auftraggeberin bringt mich um, wenn sie rauskriegt, dass ich hier in der Gegend herumseiere, anstatt brav auf der Galeere zu sitzen, aber gestern Abend hab ich zur Abwechslung mal Volksmusik auf Bayern 1 gehört und dort ein Lied, das muss ich jetzt einfach loswerden:

    Wea mia und meina Schwoazn wos duad,
    oba Bruada, Bruada, den gehts ned guad.
    Wea mia und meina Schwoazn wos duad,
    den gehts ned guad.

    Leider vergessen, von wem und wias hoasd, war aber ein sauberer Zwiefacher. Ähm, ja.

  17. Jawoi, alle anfälschen, an Kaschpal, die Prinzessin und as Grogodil am Schwanz ziagn. Hintnoch a geteerta und gefederta Bschiss füa di seiba. Bis di amoihui oana packt beim Kravatl und das kann so zart sein, dass du des gar ned meakst.
    Doch den Bschiss konnst ned midnehma….
    @Rational: Bis i mein Text beinanda hab san sie schon wida mit zwoi drin, gibt’s gar ned. Ich hoff, sie können das auch tanzen weil zum Rudern ist das echt – also Zwiefachnruadan ist gravottisch schwar.

  18. Herr Rational, arg gsund is das amoi was Komplimentäres höan und ich lern ihna den Zwiefachn und wenns da is, wo ma nix midnemma ko

  19. Sie, Frau Vita, sie ham ja wie meistens ganz recht. Ich möcht eh nix mitnehma, aber am Kravatl möcht ich schon nochmal gepackt werden. Nur nicht jetzt im Moment. Derf ma doch song, oder, Senorita Vita?

    Ratiomat: Ausnahmsweise versteh ich jetzad die Intention deines letzten Kommentars ned. Bin ich ebba schon ganz hirnweichgegugelt?

  20. Naja Börns, da mach da ma keen Kopp, ick vasteh ma selba ooch nich imma. Schließ ma aba trotzdem an von wejen die Verweijerung von die Mitnahmementalität. Füa mia is dit ooch nüscht. Jetze muss ick dit allet haben, jetze, weeste, vastehste?!

    Y ahora, Señora, no amoi zu uns: Woasi eh, dass zwiefach ruadan a große Kunst is und a recht a schware no dazua. Kenna duris oba fei scho, des derfan´S ma glam. Dafia deafatn´S ma den andern Zwiefachn scho leana. In vitam, wenns recht is, wia da blasierte Lateiner sogn dad. Und des vastengan´S etz wia´S meng.

  21. Klar vasteh ick. Ej Ratze, alter Jenickschütze, ich hab ooch ma n Zwiefachn jetextet. Erste Verse ging so, wa:

    Host mir dei Zung neigsteckt,
    Hod no nach Gyros gschmeckt
    Ja, i war fast verreckt
    Da sog i Respekt!

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