Auf deiner Beerdigung

Auf deiner Beerdigung werde ich mir das Megafon schnappen und hineinbrüllen:

„Da liegt sie! Die ewige Jungfrau, die Unschuld vom Lande aus dem reichen Mittelstande. Ihr habt sie zu dem gemacht was heute Nachmittag tot vor uns liegt. Ich hab versucht sie zu retten. Doch sie war verloren, lange bevor sie geboren wurde. Und geboren wurde sie, um mir das Herz zu brechen. Eine Verbrecherin war sie und ihr Verbrechen war ihre zielgerichtete Blindheit gegenüber den Sternen, die sie gar nicht leiteten so wie man ihr einst versprochen hatte. Sie, die selbstbezeichnete Sternschnuppe, die man nicht zu fassen bekommt. Die man nur vorbeizischen spürt. Was für ein Schwachsinn.

Doch ihr Poesialbumcharme gepaart mit ihrem artifiziell angezüchteten Zynismus haben mir die Kehle durchgeschnitten. Niemand sonst hätte bemerkt, was für ein Juwel sie darstellt. Niemand außer mir. Was für ein unglaublich berauschend schöner Goldschatz da durch die Straßen dieser eitlen Stadt schleicht. Ihr habt sie erzogen, um mir zu dienen und sie hat sich widersetzt und mich vernichtet, mich als Leiche auf ihrem Weg aber als Liebhaber gehalten.

Ihr seid ihre Peiniger und ihr habt euch dennoch von ihr übertölpeln lassen. Ihre dunkle Seele hat sich euch nicht offenbart, weil ihr eure negativen Partikel in eurem eigenen Kinde nicht wiedererkennen wolltet. Ihr habt sie umgebracht. Ich habe sie umgebracht. Wir haben sie getötet und sie hat es uns schon zu Lebzeiten heimgezahlt.“

Das werde ich den Leuten auf deiner Beerdigung erzählen. Nicht böse sein, du bist ja noch nicht tot.

16 comments / Add your comment below

  1. Aber Burnster: Sie hat Dir doch nur 20Cent zuwenig Wechselgeld zurück gegeben? Du bist ein Dämon!

    :)

    Sag mir Bescheid, wenn sie zu Boden gelassen wird. Ich muss das filmen.

    Dir trotz allem ein schönes Wochenende, Bizzle.

  2. Ratze: Ich glaub, ich schau einfach zu viel Six Feet Under. Irgendwann rächt sich der Gevatter vermutlich für meine ständige Frotzelei mit dem Topus Dei. Hoffentlich sitz ich da nicht gerade aufm Klo. Wär mir zu Moll, ein Abschied aufm Scheißhaus.

    Bateman: Gerne.

    MC WIinkel: Nächstes Mal überlegt sie, ob sie die Leute bescheißt.

  3. Glaub ich ja jetzt nicht, dass Freund Hein an sowas Anstoß nimmt und dir des Hackl ins Kreiz haut, wennst grad aufm Locus Dei hockst. Der lacht sich höchstens ins Fäusterl, das knochige und denkt sich: Zu dir kimm i scho a no, Burnston. Dann kannst die Schrammeln zum Fiakerlied auf der Stromgitarre begleiten.

    PS (das Gschichterl betreffend): Eine böse Absicht tät ich etz net einmal einer Frau von vornherein unterstellen wollen.

    PPS (Berlin): 2111bis 0112, und ich hab schon einen Mordsdurscht.

  4. Ich finde diese Posts ja auch geil, aber ein bisschen mehr Eros (gegenwärtiger) würde einem Rocker auch gut zu Gesicht stehen. Burnster, ich wäre heute Abend gern dabei, aber auf allen Hochzeiten kann man nunmal nicht tanzen. Rock die Barkasse kaputt!

  5. Und dann bog sich ihr erblichener Körper nach oben, griff nach einem heimlichen Messer und ritzte Dir ein Zorro-Z in die Fratze.

    Beerdigungen sind so selten spaßig, imaginäre Beerdigungen habe ich meist gemieden, diese hier aber sehr genossen. Big uo, Burnie!

  6. Sie hat
    …sich der schmutzigweißen Schwanenflügel auf ihrem Rücken besonnen und die modrige Erde umgegraben. Sich langsam das Goscherl abgewischt und die Schritte einzeln gesetzt. Mit ungeheuerlicher Sicherheit. Und dem Willen zu fallen.
    Das ist alles sehr wahr.
    Sich die Jahreszeiten servieren lassen, leise mitsingen im Frühling, Glas werden im Winter, ausgetrocknete Lippen im Sommer und im Herbst die Mäuse scheuchen.
    Tief unten.
    Das ist vielleicht wahr.

  7. Tief unten ist nie nur vielleicht wahr. Tief unten ist immer die allerletzte und einzige Wahrheit. Sonnenfernes und schattenloses Nicht-mehr-Sein, großporige kalkweiße Knochenreste und Ewigkeit um Ewigkeit klagende Seelen, die trockene Tränen um verlorene Leben weinen – das ist alles immer wahr. Tief unten vermählt sich vor den stummen Mündern ungebetener Gäste das, was nie war, mit dem, was nie sein wird. Braut und Brautgemahl als ebenso untote wie unerfüllte Träume der Lebenden, während hoch droben, über alpdrückenden Kubikmetern käfer- und larvenvoller Leichenerde die abgelaufenen Hacken einer selbst am Grab noch heuchelnden Trauergesellschaft unwirsch scharren. Unwillig zu vergessen, unwillig zu vergeben und unwillig, die eitlen Fratzen wenigstens in diesem allerletzten Moment abzuwenden. Und wir? Wir sehen zu.

  8. lieber ganz lieber herr burnster,
    ich war nicht da. bin quasi nicht da, wo sie jetzt gerade musizieren, weil ich jetzt hier bin. wenn sie meine bescheidene pagina studieren, bekommen sie den ersten eindruck warum. nicht den zweiten, denn was sich da mit dem mammut abspielte war erst der anfang. danach kamen ungefragt menschen in meine wohnung. sie brachten getränke und ließen haare. dabei war grad frisch geputzt.
    ich wollte echt auf das boot, zumal mir die zigaretten ausgingen und ich jetzt gerade meinen notfall-tabak rauche. selbstdrehen ist selten glamourös. aber nu isses so. also – es ist nicht persönlch zu nehmen bitte. zur strafe könnte ich ihnen angebotsweise irgendwann mal das lied von kate bush´s waschmaschine singen. und ich kann nicht singen, also wäre es eher auch ihre strafe. hm. ich überlege mir eine andere abbitte. ich könnte auf das posting verzichten, in dem ich robbie w. mit judy garland vergleiche. wär das ein angebot?

  9. An die Damen und Herren Vita & Rationalstürmer,

    So sehr sie auch zweitweilig beseelt sein mag, so sehr man sie ver- und zertreibt, sie behält diesen seelenlosen Killerinstinkt. Dieses kleine, delikate Rachegen, diese tödliche Kunst der Zurückhaltung, um im richtigen Moment den Stein anzustoßen, der ihre Verfolger überrollen wird. Die Jahreszeiten lässt sie sich schon zu Lebzeiten servieren. Sie ist schon immer etwas von Erde überdeckt, ihre unheilige Deckung und Tarnung und zugleich ihr ewiger Fluch, das lebendig begraben Sein.

    Was sie nicht weiß, und jetzt komm ich zu ihnen, Herr Rationalstürmer, ist, dass die Fahnenstange ein recht deutliches Ende hat, an dem zwar nicht ab-, aber dafür auch nicht aufgerechnet wird. Sowohl die Trauer wie auch die Arglist waren somit für die Katz. Was für ein episches Lausbubenstück. Da mühst du dich lebenslang ab zu gefallen und am Ende und vielleicht sogar ganz plötzlich wird der ganze Mummenschanz hinfällig, du rottest vor dich hin und denkst dir: „Na toll.“

  10. Ganz lieber Herr Glam,
    Ihre Entschuldigung kommt aufrichtig und anrührend. Auf eine Entschädigung würde ich vorerst tatsächlich verzichten, so wie Sie bitte auf das Robbie Garland Posting. The Sealevel bespielen bald wieder eine Örtlichkeit, in der es Zigarettenautomaten gibt. Versprochen.

  11. Danke
    für ein wunderbares Konzert in einem Schiffsbauch, für Wegseinkönnen, für euch anschaun, für laute Musik in einen, für laute Musik um einen, für surfen, schwimmen, rennen, hüpfen dürfen
    Mein Gott ihr macht Spaß, drescht drauf, balanciert, tippt an, lasst trudln
    Is a so, Saugrippe, es.

  12. Nachtrag: Lässt mich wieder nicht unbeeindruckt, aber dass sie über das Ende der Fahnenstange nicht Bescheid weiß, das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Da ist mir heute was von einer „Suche nach einem anderen Leben“ untergekommen; Lächerliche Mutmaßung meinerseits zwar und letztlich völlig unwichtig, aber ein heiter-pikareskes Element unter so viel Verwesungsgeruch, das Lust darauf macht, Anlauf zu nehmen und mit lautem Hurra in den Abgrund zu springen.

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