Vicewurscht

Mein Freund, das Vice Magazin und ich, wir haben heut wieder ein paar nette Minuten zusammen verbracht. Als erstes entdecke in der Leserbrief Sektion folgende Korrespondenz:

Leser: Ich finde, dass es im Vice Magazin außer unterhaltsamen Nonsens immer auch richtig dicke Geschichten gibt.
Vice: Was?! Es gibt noch Inhalte in unserem Magazin? Chefredaktion mit sofortiger Wirkung gefeuert!

Hahaha. Selten so gelacht. Hört mal, Freunde. Wenn hier jemand die Witze macht, dann ich. Und welche Redaktion soll denn da eigentlich einen Chef haben, ha? Dieses Spaßkonglomerat aus gescheiterten Gagschreibern für Sieben Tage Sieben Köpfe könnt ihr nicht meinen, oder?

Gut, weiter im Text. Die nächsten Seiten verstehe ich nicht, weil sie auf Englisch sind. Dann auf Deutsch ein Artikel über den Selbstmord zweier 14jähriger Mädchen, der resümiert:

„Die Realität ist nicht immer so einfach und verständlich wie Reporter sie gerne hätten.“

Leider ist mir die Quintessenz des Artikels genauso unverständlich wie einem der angesprochenen Reporter die Realität.

Dann endlich die erste Tittenstrecke. Natürlich junge Mädchen, schmale Brüste und irgendwas mit Mexiko. Geht in Ordnung.

Weiter geht’s mit den internationalen Schnauzbart Meisterschaften, was ein schöner Beitrag ist und ich beschließe, nächstes Jahr selbst daran teilzunehmen, vielleicht im Tag Team mit dem MC.

Kurz geblättert und schon kommt „Stalking für Anfänger“, was ich auch gleich überblättere, schließlich bin ich als Blogger ganz andere Expertisen zum Thema Stelzböcke gewohnt.

In der Folge wird es kurz politisch, oder besser parapolitisch, mit dem todseriösen Reisser „Zerschlagt die IRA“. Ich bin ohnehin terroristikverdrossen und überdies schon etwas fahrig, deshalb springe ich direkt zu „Down And Out“ in Berlin einem Walraff-ähnlichem Manifest über ein Undercover Pennerdasein in der Hauptstadt. Wenn ich mir allerdings in der Rubrik „Employees Of The Month“ ein Bild des Verfassers des Artikels ansehe, wage ich zu behaupten, dass Autor Humpton B. Dumpton da etwas durcheinander gebracht hat. In Wirklichkeit ist er nämlich ein Penner, der sich undercover als Schreiberling eingeschlichen hat. Und nur in der verdröhnten Vice Redaktion ist so etwas nicht aufgefallen.

„Wie kaufe ich eine Knarre“ erklärt uns auf den nächsten Seiten ein gewisser Francesco Scarpelli. Zehn Stunden braucht der Typ gemäß seiner Chronologie dafür und entsprechend langatmig ist sein Beitrag ausgefallen. Wenn der im Drive-By Shooting auch mit dieser Agilität glänzt, dann ist er seinen Homies sicher keine große Hilfe. Ciao Ciao, Francesco.

Jetzt werd ich dann langsam sauer. Eine Reportage über afghanische Hochzeitssänger und eine über evakuierte Hurricane-Opfer verderben mir den abendlichen Appetit auf meine Lachsmayonaise und bei der folgenden Fotostrecke sehe ich auch noch den Fatzke, der im Magnet Mitte immer derart humorlos kickert, dass ich mich schon gefragt habe, ob er im Endstadion (yes!) an der sogenannten Andreas-Möller-Krankheit leidet. Soso, aus Quedlinburg kommt er also. Fachwerkprovinz und jetzt einen auf Aids-Test-Model in Berlin machen. Ich kenn euch Pack. Ihr würdet doch auf den Strich gehen, um einmal in der Zitty zu stehen. Dummerweise komm ich einfach nicht an sein Kickerniveau heran.

Es geht weiter mit Fotos und Bildunterschriften. Seitenlang. Ich kapiere nicht viel, schau mir die Titten, die Transen und die jungen Tanten an und kapiere am Ende überhaupt nichts mehr. Immer diese Modesprache Englisch.

Dann kommt der Schutzpatron aller vielphotographierten Verlierer: Pete „The Drugfleet“ Doherty. Den sehe ich gerne. Immer ein Garant für appetitlichen, inhaltsorientierten Musikjournalismus.

Die weiteren Artikel überspringe ich, weil ich etwas überdosiert von der geheuchelten Authentizität dieses Käseblatts bin. Der Typ mit Schrotflinte und Penis sieht noch ganz interessant aus, aber bei den Plattentests überkommt mich schon wieder ein heiliger Grant. Keine The Sealevel Review. Arschlöcher.

27 comments / Add your comment below

  1. Wesentlich lieber, lieber Herr Glam,

    wäre es mir wenn Sie die meisterliche Boshaftigkeit meiner Medienanalyse zu schätzen wüssten, statt gänzlich und alleine wieder an ihr eigenes Wohlergehen zu denken. Sie täten ohnehin gut daran, sich von solch schändlichen Inhalten abzuwenden und stattdessen dem Beispiel des asketischen Meisters zu folgen, der sich in beißendem Spott demjenigen Zeitgeist entzieht, der dieser Tage sein bärtiges Haupt gen passionierter Hauptstadt Burleske erhebt.

    Ihr Chef.

    PS: Zudem lässt Ihre Kommentiergeschwindigkeit nur auf eine oberflächliche Rezeption meines Artikels schließen. Sollte ich mich irren, alle Achtung!

  2. neulich flatterte falsch adressiert ein solches heft in unser buero. wir haben alle kurz drin rumgeblaettert und wegen akuten unverstaendnisses wieder beiseite gelegt. da liegt es glaub ich heute noch.

    ihre medienkritik in allen ehren – meine synapsen erfreuten sich am meisten bei der fussball-methapher. bin auch so ein leichtes opfer meiner niederen instinkte.

    kick it!

  3. Dann wärs wahrscheinlich auch besser, ich verbeiß mir gleich mal die Frage, ob du nicht vielleicht die Titten… (rein ethnologisches Interesse, wg. Mexiko > Titten > und Spanisch).

    P.S. Ich hab erst einmal gelesen, dann nochmal. Dann die Fremdwörter nachgeschlagen und bei Stanzel (Theorie des Erzählens, 5. Aufl., Göttingen 1991) vorsichtshalber auch nochmal das Kapitel 4 (Die Opposition „Person“: Identität- Nichtidentität der Seinsbereiche des Erzählers und der Charaktere) gelesen – man kann ja nie wissen. Dann hab ich noch meine Mama angerufen (hatte den Text vorher ausgedruckt und ihr gefaxt). Sie meint, du hättest wahrscheinlich nicht alle Tassen im Schrank, scheinst aber ansonsten ein ganz netter Kerl zu sein. Hoffe, das ist als Vorbereitung für einen Kommentar okay gewesen. Hausarbeit (25 Seiten) geb ich dann nach den Weihnachtsferien ab, wenns recht ist.

  4. die freundin der freundin einer guten freundin hatte aus geschäftlichen gründen vor einigen wochen den netten herren von vice in new york einen besuch abgstattet, in der hand eine coole modecollection, mit der absicht die schicken teile im vice-shop unterzubringen.
    die jungs, allesamt nett und ziemlich verstrahlt luden sie freundlich ein und waren vom mitgebrachten angebot geradezu begeistert.
    doch gäbe es keinen laden mehr, in dem sie die guten stücke ausstellen könnten, der sei nämlich pleite oder sowas.
    warum, frag ich, da lacht sie nur, schau dir die zeitschrift an, die sind genauso, witzig und chaotisch, vor allem aber komplett drüber, verstrahlt und leider dabei sich die restlichen gehirnzellen weg zu blasen…
    sie sehen, burnster, die gerüchteküche lässt kein gutes haar.

  5. Meine fußballerischen Rhetorikkniffe, lieber Herr Sabbeljan,

    entbehren ja auch nicht der nötigen Finesse um quicklebendige Geister wie Sie an diese Publikation zu binden.

    Sie hingegen, Herr Investigativstürmer, brauchen nicht zu glauben, dass Sie durch Ihren vorgetäuschten Übereifer nochmal einen Aufschub bis März bekommen. Und die Gliederung will ich morgen auf meinem Schreibtisch haben. Und wenn ich nicht da bin, faxen Sie’s dem Tensfelder.

    Fraufrank, tragen Sie nur Eulen nach Athen. Kann nicht schaden, die meisten gehen sowieso an dem Smog vor die Hunde.

  6. Und ich kenn sowas gar nicht… Dein Text ist trotzdem super! :) Der Schnurri-Contest wird zumindest ohne mich laufen. In Bezug auf mein eigenes Gesicht hab ich ne Schnurriphobie.

  7. Mut zur Verstümmelung durch Zusatzbehaarung. Ein Oxymoron. Wie hübsch. In deinem Alter war ich mir auch noch zu schade für Rotzbremsen, Ole. Über der fatalen Dreissig jedoch kenn ich schon lange keine Schamlimits mehr!

  8. Igitt, Burnster!

    Ole, lass dich von seiner Linguistenblenderei nicht einlullen. Auch jenseits der Dreissig kann man sich eleganter zum absoluten Trottel machen. Glaub mir einfach, ich kenn mich mit sowas aus.

  9. Nachdem ich das alles auch gemacht hab mit der Analyse und so und mit den fremden Wörtern und so und zwischendurch Brotzeit und so und Nackerde und so sag ich jetzt mal was dazu:
    Ein hellblau steht Ihnen ausgezeichnet.

  10. Oh, die Zeitung ist großartige Rauchbeilage, wenn ich im Raucherzimmer (das mit den drei Wänden) mich fünf Minuten lang langweile, gibt die Zeitung immer etwas her, über das es sich zu lachen lohnt. Und wenn es der schülerzeitrige Schreibstil der Redaktion ist, der bei weitem alles untertrifft, das ich bisher sogar in zweitklassigen Blogs lesen durfte!

    Wobei ich schon sagen muss, dass der kurze Artikel in der vorletzten (?) Ausgabe: „10 things to do with a dead rat“ mich lange lachen ließ.

    Ja, ich bin so böse.

  11. Fachwerkprovinz und jetzt einen auf Aids-Test-Model in Berlin machen
    uih, uih…

    hab ich natürlich nur zufällig rausgegriffen – denn eigentlich sind meine Augen über den Text geflogen, bis sie endlich den Kommentier-Button ausgemacht hatten .-)

    und Schnurrbi-Contest… ihr wisst schon, wer mal mit so einem Ding nach Lüneburg gefahren ist und dort haufenweise fremden Leuten vorgestellt wurde, oder? *hrhr*
    das soll mal einer nachmachen…

  12. Weil ich grad am Platzl bacha bin – es macht auch schlanker so ein helles Blau und a bissl jünger möcht ich meinen, so an Tick frischer. Meint man gar nicht was so eine hellblaue Farb mit einem macht, ned? Wär was für Weihnachten – des hellblaue.

  13. chapeau, fünf punkte für die großartige, bayerische tradition mit prenzelberg’scher schnöseligkeit verbindende, überschrift. ich weine um jeden baum, der für dieses machwerk gefällt werden muss.

  14. hab’s mir noch nicht angesehen. ihre beschreibung passt abersehr gut zu kommentaren, die mir bekannte nach der „launch-party“ des magazins übermittelten:
    „weißt du, wer da als gaststar auftreten soll?“
    „nein, wer denn?“
    „die babyshambles“

    haben wir gelacht.

  15. Weinen und Lachen liegt nah beinand wie ich da so lese, ich mein ich versteh ja gar nix von Musik und Bäumen.Schön ist halt der Himmel heut, genau, so hellblau. Da lach ich jetzt wida zum Beispiel, net. Jeder so wie er kann. Das mit dem Weinen ist höchstens das, dass ich nicht daheim bin, in Bayern. Das ist nicht lustig. Und da wärn wir wida bei weiß und hellblau. Fahnenmassig.

  16. dieses blättchen wird in hh unbeabsichtigt gratis verteilt, was man getrost unter umwelt- und grauezellenbelästigung verbuchen kann. wirklich schade, dass man geld und resourcen für soviel „attitude“-mist vertrödelt.

    hinreissend runtergemacht, burnie. danke.

  17. Also auf mich kannst Du zählen, aber das ist ja eh klar.
    Wenn ein TAG´ler was anleiert, hängt der Andere automatisch mit drin.

    Ach ja, btw: Gibst Du Deinen Lappen dann bitte demnächst mal für 2 Wochen ab? :)

    Vice les´ ich nicht.
    Die Juice dann und wann.
    Und das, obwohl da gar keine Titten zu sehen sind.
    Aber ich habe ja auch Internet, nä.

    Last but not least: Hellblau steht Dir echt gut, da hat la gitana recht!

  18. Ich kann mich für das Hellblau-Getue auch nicht recht erwärmen. Überhaupt vertrag ich grad gar nix, was mit Hitze zu tun hat. Bewundernswert aus der bavaresken Folklore-Operette gezogen, Herr Burns. Weil, Gitana, auch wenn das noch so schön weißblau sein mag, sehen doch kaum Fahnen scheißer aus als die unsrige. A so ein Fetzn. Versteh ich nur zu gut, dass dir da das Wasser in die Augen schießt, wennsd dran denkst.

    PS: Dem Tensfelder schick ich morgen ein Attest von Frau Dr. Brand. Ausgeschlossen, dass ich da vor Weihnachten noch was fertig krieg.

  19. MC schrob:
    Die Juice dann und wann.
    Und das, obwohl da gar keine Titten zu sehen sind.

    Torch rappte:
    Klar, mag ich Subway-Art
    Doch den Playboy les ich lieber

    Schroeder:
    hmm… lang, lang keine Juice mehr in der Hand gehabt *hrhr*

  20. klingt alles sehr einmalig langweilig was hier geschrieben wird. ist das tatsächlich eine ernst gemeinte diskussion über ein thema über welches man sich eigentlich nur amüsieren kann und sollte. Mir gefällts weil es nicht so ewig deutsch und kopflastig ist und gleichzeitig eine sehr intiligente interpretation von pop kulturellen themen anbietet die ich in allen anderen deutschen mags vermisse.

    warum versteckst Du Dein Gesicht? Wegen den Kotletten.

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