Fick das System, junger Burnster!

Die Kommandokette sieht ihn wieder einmal ganz unten vor, als es darum geht, den scheinheiligen Abend im großväterlichen Haushalt auszugestalten. Er, ganz der junge, zornige Mann, der Tritt ans Schienbein der niederbayerischen Gesellschaft, gerade er soll das Weihnachtsevangelium verlesen. Als ob es nicht reicht, dass er sich jedes Jahr der vorwürflichen Interrogation aussetzen muss, wieso er als angeblicher Gitarrenspieler nicht einmal „Es wird scho glei dumpa“auf der Spanischen zupfen kann.

Aber nicht mit mir, denkt er quer. Und er spürt ein subversives Zerren an sich, aber es ist nur der Herr Papa, der ihn zu sich herholt und ihm das billige Pergamentimitat mit dem Weihnachtsevangelium in die Hand, in die Faust drückt. Alle Augen ruhen auf ihm und er weiß, dass man Kalamitäten am Heilig Abend eigentlich besser aus dem Weg geht, will man ihnen nicht das ganze nächste Jahr über bei jeder unpassenden Gelegenheit über denselben laufen.

Und dann hört er sich ganz laut sagen: „Niemand kann mich dazu zwingen, das zu lesen. Niemand!“ und schon ist das Gezeter groß, der Großvater schimpft, der Herr Papa macht sich lustig und der zornige junge Mann stürmt mit Tränen der Wut aus dem Haus, setzt sich in seinen Wagen und fährt hinaus aufs freie, verschneite Feld, wo er erst einmal solitär und rauchend seine Runden dreht und die bestehende Gesellschaftsordnung so dermaßen gründlich hinterfragt, dass er am Ende keine Ahnung mehr hat, weshalb er jetzt nochmal von den Weihnachtsfestivitäten verschwunden ist.

Natürlich fühlt er sich immer noch überwiegend im Recht als er nach Hause kommt und sich demütig ins Christbaumzimmer schleicht um zu sehen, ob jemand nicht aus Versehen eines seiner Geschenke liegen gelassen hat.

14 comments / Add your comment below

  1. Scheinstille Nacht, scheinheilige Nacht… so manchem hat die Pergamentimitatintimität der auf Knopfdruck heiligen Stimmung und friedfreudeierkuchigen Glückseligkeit mindestens befremdetes Bauchblubbern verursacht.

  2. Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Grossvater Augustus ausging, dass alle Familienmitglieder das Heilige Evangelium schätzen sollten. Und dieses Gebot war das allererste und geschah zu der Zeit, da Helmut Kohl Landpfleger in Syrien war.

    Und jedermann las, dass er zu schätzen wusste, ein jeglicher las in seiner Stadt.

    Da sollte auch lesen der junge Burnster aus Niederbayern, aus der Stadt Nazarethorf iim bayrischen Land, zur Stadt Davidoff, die da heißt Betteln, darum dass er von dem Hause und Geschlecht Burnster war, auf daß er lesen sollte mit Burns, seinem zornigen Geiste, der ging schwanger.

    Und als er daselbst gewzungen wurde zu lesen, kam die Zeit, dass Burns gebären sollte. Und der Geist gebar den wütenden Burnster und lies ihn in sein auto steigen und davon brausen, denn er hatten keinen freien Raum in der Herberge.

    Und es waren freie Geister in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Gedanken.

    Und siehe: der burnster fuhr zu ihnen, und die Klarheit seines Geistes leuchtete um ihn. und viele fürchteten sich sehr.

    Und Burnster sprach zu ihnen:

    Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Burnster geboren, welcher ist freier, wütender Geist in der Stadt Davidoff.

    Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden bier und zigaretten in tuecher gewickelt, und an einer Klippe liegen.

    Und alsobald war da bei dem Burnster die Menge der irdischen Heerscharen, die lobten ihn und sprachen: Ehre sei Burnster in der Hölle, und Peace auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen!

    Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die freien Geister untereinander: Lasst uns nun gehen gen Betteln und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Burnster kund getan hat.

    Und sie kamen eilend und fanden beides, Bier und Zichten an der Klippe liegen.

    Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Burnster gesagt war.

    Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die freien Geister gesagt hatten.

    Der freie Geist aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in Burnsters Herzen.

    Und die freien Geister kehrten wieder um, priesen und Burnster Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

  3. Ein Küstennebel auf Buzzco.
    Ein Küstennebel auf Sabbeljan.

    Und je 10 Küstennebel für die älteren Herrschaften.
    Auf das die Spanische im Kofferraum liegen bleiben kann.

  4. in niederbayern the average evangeliumsreader was… na na na NINETEEN!

    erwähnte ich schonmal, dass ich Heiligabend immer frei habe? *hrhr*…
    aber der Sabbel, der alte Streber, ist ja nicht zu toppen heut .-)

  5. heisst ja nicht umsonst st. burnster hier. und ich treibe mich jetzt auch noch 2 tage arbeitstechnisch im bayrischen rum bei einem kirchlichen kunden. bisschen viel das alles. amen.

  6. Ich, Herr Burnston, bekanntlich nicht einmal christlichen oder überhaupt irgendeines Glaubens, beherrsche ja den Text des Weihnachtsevangeliums auf Deutsch und Latein auswendig, zu welcher heute kaum mehr vorstellbaren Gedächtnisleistung mich mein alter Lateinlehrer gezwungen hat. Angewandt habe ich dieses Wissen indes nie.

  7. Beste Frau Modeste: Seien Sie so lieb und wenden Sie besagtes Wissen in meiner Gegenwart auch weiterhin nicht an. Es gibt so viele schöne Gedichte, die ich mir statt dessen gerne von Ihnen aufsagen ließe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.