Wolf

Schon einige Dekaden hege ich ein Faible für Horrorfilme, je klassischer desto besser. Das Genre Spezifikum Werwolf bereitet mir allerdings seit vielen Jahren nicht nur bei Vollmond Kopfzerbrechen. Die Slasher slashen in bester Laune weiter durch die Filmgeschichte, die Vampire beißen sich rüstig durch die Jahrzehnte, die Zombies fingen jüngst sogar an zu laufen und sind auch ansonsten recht gut zu Fuß, nur der Werwolf, der schwächelt und schwächelt.

Gerade hat Wes Cravens „Cursed“ meinen DVD Player verlassen und wie so oft wirkt der gemeine Werwolf in diesem Film maximal so furchterregend wie der böse Wolf in einer Rotkäppchen Illustration für Waldorf Schüler. Selbst Michael J. Fox als „Teenwolf“ hat mir ein paar Nackenhaare mehr aufgestellt. Ähnlich frustrierend läppischen Werwolf Inkarnationen musste man in den letzten bereits in „An American Werewolf in Paris“, in „Underworld“ und selbst beim an sich sehr stimmungsvollen „Le Pacte des Loups“ (Pakt der Wölfe) beiwohnen. Es ist wie ein Fluch. Da mag die Tricktechnik einigermaßen glaubwürdig Riesengorillas auf dem Empire State platzieren, bei den Werwölfen raucht sie regelmäßig ab.

Klar gibt es auch lobenswerte Ausnahmen wie den grandiosen „An American Werewolf in London“ von 1981, der nicht nur wegen seines gehässigen Humors sondern tatsächlich auch wegen seiner Werwolf-Darstellung ein Highlight des Genres bildet. Im Besonderen wegen der besten Verwolfungsszene aller Zeiten. Ebenso schockend und zudem ästhetisch wertvoll: „The Company Of Wolves“ von Neil Jordan, zu deutsch: „Zeit der Wölfe“, womit wir zwar wieder bei Rotkäppchen und dem bösen Wolf wären, aber einem mit Hand und Fuß.

Entweder widmet man den Wolfsmenschen in der Filmgeschichte schon seit jeher zu wenig Budget, oder es handelt sich im Grundsatz um eine nahezu ummöglich als furchterregend visualisierbare Gestalt. Oft fällt ein gut ausgehandelter Spannungsbogen gerade dann in sich zusammen, wenn die Wolfsgestalt in vollen Umfang auf der Leinwand zu sehen ist. In Mike Nichols „Wolf“ mit Jack Nicholson ist dann auch das Nichtauftauchen eines finalen Werwolfs die geschmackvollste Zutat des Thrillbarbecues.

Leider ging der erste Werwolf Flicken „The Werewolf“ von 1913 verloren. Es handelte sich um die achtzehnminütige Verfilmung einer indianischen Legende und bereits hier wird eine Transformationssequenz eingesetzt, die ich nur zu gerne gesehen hätte. 1935 sieht die Wolfsgestalt in „Werewolf in London“ bereits aus wie der Wookie Chewbacca aus „Star Wars“.

Wölfisches liegt ja auch ganz bestimmt in eurem geschätzten Hausherrn. Vielleicht sollte ich mich mal nach dem Konsum einer Flasche Ouzo in einer Vollmondnacht abfilmen. Vielleicht finden wir so den glaubwürdigen Werwolf, nach dem hier gesucht wird.

30 comments / Add your comment below

  1. Vollmond war gestern. Wikipedia ist heute. Nachgeschlagen: Werwolf kommt vom Germanischen wer: Mann. Der Werwolf ist also ein Mannwolf. Woraus sich die ein oder andere Theorie klöppeln lässt.
    Wohlwollend: Der Mann an sich ist einfach nicht gruselig.
    Gehässig: Männer taugen nicht mal zum Ungeheuer.

  2. Vampires suck too:

    Wundervolle Zusammenfassung eines m.E. nach absolut wichtigen Themas. Nachdem ich mir vor ein paar Tagen tatsächlich Wes Cravens „Dracula“ angesehen habe, hätte ich beinahe Ähnliches über Vampire geschrieben. Was in dieser Richtung vollführt wird, suckt.

    Interessant bei Wes Craven war nur diese Judas-Vlad Tepes-Verbindung… ansonsten absolutes Gegähne. Bei Vampiren wünsche ich mir inzwischen, dass man endlich von diesem Drakula loskommt und sich mal Vorlagen wie „Carmilla“ widmen sollte (aber bitte nicht so wie 1999).

    Für eine ordentliche Einschätzung von Werwölfen fehlt mir allerdings ein wenig der Hintergrund… ich vertraue daher mal auf Deine Einschätzung.

  3. und das Wergeld, dass man als oller Germane der Familie desjenigen zu zahlen hatte, den man umgebracht hat, das hieße dann also Manngeld? Toll! Waren die Germanen nicht die Männer mit dem Speer [Ger]? Was wäre denn dann ein Wermane? *hrhr*

    In Sachen Leinwandpräsenz von Lykanthropen muss ich dem Bunrster beipflichten. Traurig! Sehr traurig… nur ich wüsste nicht, wie mans besser machen sollte [und den Affen am Hochhaus find ich auch ziemlich arm – selbst den neuen]. Wolf mit Jack Nicholson fand ich noch am besten, weil die Verwandlung relativ marginal gehalten wurde. Weniger ist mehr in dem Fall. Hätte man bei Underworld besser auch so gemacht [die Werwolfdarsteller hatten nämlich allesamt irgendwie was Hündisches im Aussehen. Super Auswahl]

  4. mein liebster lykantropie-film ist „der fluch des sienestro“ von den hammer studios. ein tipp soll auch der neuere „dog soldiers“ sein, hab den aber selbst nicht gesehen. „cursed“ soll dagegen aber sehr sehr abstinken.

  5. 30.12., 14h ab Leer. Mitfahrgelegenheit gefunden und gebucht. Sollte ein paar Stunden später in Berlin eintrudeln. Einiges muss noch geklärt werden, der Grundstein ist gelegt. Ich freu mich. :) Alles weitere per Mail. Vielleicht auch per Telefon (mail mir doch mal Deine Festnetznummer, das würd‘ die Absprachen enormst vereinfachen ;)).

  6. vor langer zeit, ich wohnte noch zuhause, sahen birgit und ich fern – wie immer vor unserem disco-besuch am samstag abend. es lief ein film, der „wolfen“ hieß oder so. wir aßen flips und tranken cola-rum. der film war gut, wir bekamen sehr schnell angst. als die stelle kam, in der die orangefarbenen teufelsaugen in der klapprigen holzhütte aufblitzen, klammerten wir uns mit einem kreischen aneinander. der weg zur disco war noch nie so lang. es war sehr still auf den straßen. nur der wind war laut. wir haben den film nie vergessen.

  7. Nicht unerwähnt lassen wollte ich, dass die Eva ihren Adolf Wolf nannte, bisweilen auch Wölfi (?) oder Wölfchen. GRÖWAZ. Am Ende hat er dann doch geschwächelt.

  8. Die Braun Eva verbrachte ja die meiste Zeit auf dem Obersalzberg. War die überhaupt in der Wolfsschanze? Dass sie ihn so genannt hat stand im SPIEGEL, im Zusammenhang mit der Gründung und Namensgebung von Wolfsburg.

  9. oooh, ouzo. ich hatte gestern vorzüglichen vor, bei und nach dem essen, und heute morgen ( (göttin sei dank) keinen verheerenden haarwuchs zu verzeichnen. fühlte mich aber sehr wölfisch auf dem weg nach hause, per pedes.

  10. Hell Yeah Lunalu! You got that spirit, so please stick with it!

    Herr Fish, das sollte auch keineswegs unerwähnt bleiben. „Wolfsburg“ war meine alternative Überschrift für diesen Artikel.

    Und Sie, Frau Fox, machen mir auch Angst und erinnern mich zeitgleich an einen Werwolf Klassiker, den ich zu Unrecht vergessen habe. Albert Finney und Eddie Olmos spielen tiefer als die Produktionsfirma es wollte.

  11. Ich wollte mein ganzes Leben lang ein einsamer Werwolf sein. Aber alles, was mich jeden Morgen aus dem Spiegel angeekelt anstarrt, ist ein verkaterter Wolpertinger.

  12. An dieser Stelle (Musik und Film ist nahe beieinander – also bin ich nicht ganz falsch) eine großes Kompliment an Sealevel! Ich werde mir die Platte kaufen müssen.
    Hut ab & Respekt.

  13. Bazi, ein einsamer Werwolf ist kein cooler Hund, sondern eine arme Sau. Das wissen wir doch beide, alt wie wir sind.

    Manu, so etwas erfreut mich ganz außerordentlich. Danke!

  14. Ich kann mich hier nur Eigenart anschliessen, eine gute Zusammenfassung eines wichtigen und völlig vernachläßigten Themas. Der M. schwört ja auf den Paul Naschy Werwolf, ich vermisse aber ebenfalls den richtig guten Werwolfhammer. OK. American Werwolf hat ja auch FX-Geschichte geschrieben, aber das ist ja auch schon wieder mehr als 20 Jahre her.

  15. Also ich finde, „Pakt der Wölfe“ war tatsächlich einer der spannendsten Werwolffilme (wenn auch ohne echten Werwolf), was vor allem daran lag, dass man selbigen zu Anfang kaum zu sehen bekam. Auch gut finde ich „Ginger Snaps“ der gekonnt das Genre mit dem des Jugenddramas verknüpft. Erinnert mich immer sehr an ein Mädel, dass ich mit 16 immer in meiner Stamm-Rockdisko sah. Bei der dachte ich sie wär ein (jetzt die Lateiner ran!) Was-Wolf(?). Wie heißt denn ein weiblicher Lykaner?

  16. die tourneur-fassung von cat people war gelungen. das remake leider nichts so, trotz nasty kinski und bowies „cat people“-song (allerdings nur in der moroder-fassung).
    vielleicht hätte coppola sich des werwolf-themas mal annehmen sollen. vampire haben mir immer schon mehr angst gemacht. aber ein lese-tipp fällt mir ein: troll, eine liebesgeschichte. spielt sehr geschickt mit dem werwolf-thema, nur dass es in diesem fall ein troll ist.

    anyway – danke für das abraten von „cursed“. bin ich ja froh, dass ich mir gestern stattdessen (u.a.) „house of wax“ gegeben habe. was soll übrigens bloß aus christina ricci werden? das geht ja offenbat steil bergab.

    slasherdick

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