Der Positivist

Wir alle kennen sie, die täglichen Splatterunfälle aus dem Haushalt. Gestern auf dem Weg in die Küche in den Metalldorn einer Gürtelschnalle getreten. Sofortiger Blutaustritt mit roter Schleifspur auf dem Laminat. Danach erstmal „Sin City“ geguckt und heute morgen ein bisschen ins Büro gehumpelt. Wetter in Berlin ist auch irgendwie total gut gerade. Jeden Morgen wird mir speiübel von dem Antibiotikum, das ich nehmen muss, die Haut geht mir ab vor lauter Kälte und wenn das so weiter geht, schreib ich dir noch eine Email, in der ich dir sage wie sehr du mir fehlst. Wenn du mir dann nicht zurückschreibst, bist du eh nur eine von vielen Korrespondenzdienstverweigerern derzeit. Vielleicht fahr ich aber auch bald in einen langen Urlaub oder einfach nur aus der Haut. Herrschaftszeiten.

Nachtrag: Die Schokocroissantlage in Berlin spitzt sich zu.

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  1. ich schneide mich in letzter zeit aus lauter winterdrögikeit morgens immer beim rasieren. und zwar exakt jedesmal die gleiche stelle. mögen sie eine aufmunternde email bekommen, herr brenner.

    wohlsein.

  2. Am 13.1. spielen The Sealevel auf einem kleinen Festival im Magnet. Das wär doch auch ein Anhaltspunkt für Sie, Herr Sabbeljan. Wenn Sie laut genug jubeln, schenke ich Ihnen und weiteren ausgewählten Fans ein Stück Haut von hinter meinem linken Ohr.

  3. in einen metalldorn eines gürtels bin ich heute morgen auch getreten, allerdings ohne blut.
    kein blut, keine post, so hat jeder sein säckle zu schleppen.
    immerhin: ich darf heute sehr sehr lange arbeiten, da geht also noch was.

  4. Freuden des Berliner Winters – die Lichtlosigkeit treibt einen ja zu sehr sonderaren Verhaltensweisen, über die ich hier gar nicht sprechen möchte. Erwähnen will ich hier nur diese kleine Schwester der Neurodermitis, die sich im Winter gern bei mir festsetzt und gegen die ich vergeblich seit Wochen ancreme.

  5. Bei mir wars die vergessene Scherbe einer Tasse, die ich in einem spontanen Akt der Zerstörung quer durch die Bude gefeuert hab. Um das Ding an sich war net schad (Diddl, ganz bös), war aber mal ein Geburtstagsgeschenk von meiner Schwester, deswegen tuts mir immer noch ein bisschen leid. Ich hab mich zuerst noch gewundert, wo das scheissviele Blut aufm Teppich herkommt, weil gespürt hab ich nicht den geringsten Schmerz, als sich der Splitter, diese verreckte Mistamsel, in meinen Zeh gebohrt hat. Selbst der Vanish-Oxy-Scheiss hat da nimmer geholfen, und die Vermieter haben ihre Kaution nachm Auszug einfach einbehalten.

    Nachtrag: Das mit der Schokocroissantlage in Berlin werd ich wohl überprüfen müssen.

  6. Lisa, die Illustration meiner Passion ist dir gar vortrefflich gelungen. Die Tatsache, dass ich beim Vorfall einen schwarzen Socken trug, konnte dir ja nicht geläufig sein. Aber vielen Dank: die Menge an Blut war plakativ genug, um meinen Lesern einen Eindruck davon zu vermitteln, wie sehr ihr lieber Chef leiden musste. Applaus für L9 Inc bzw. Ink.

    An die kampfcremende Modeste und den aufgebohrten Diddl-Destrukteur: Don’t stop believing. Man kann ja viel Glück im Leben verhindern, aber den Sommer den kriegt man nicht so schnell tot. Der wird zwar jedes Jahr lebendig begraben und kratzt sich die Finger blutig in seiner Tiefkühltruhe, aber wenn er dann wiederkommt, dann ist er da. Da kannst du dich auf den Kopf stellen, da kannst du ein Evasivist sein, oder auch nicht.

  7. In Berlin sind es die Metalldornen, Gott weiß wo die herkommen. Im Süden unserer Republik geschehen aber auch sehr grauenvolle Dinge:
    Ich gehe durchs Schneegestöber, finde irgendwann meinen Kraftwagen wieder und bin erleichtert, das er auch noch anspringt. In froher Erwartung auf das behagliche Heim überhole ich mutig wie ich nun mal bin auf der Bundesstrasse eine dieser ängstlichen Krämerseelen. Genau auf gleicher Höhe, Wagen an Wagen, merke ich, wie mir was aus dem Kragen in den Pulli rutscht, den Wams hinabgleitet und irgendwo im Niemandsland hängen bleibt. Sekunden später ein Gefühl wie wenn mich der eisige Schneemann höchstpersönlich mit seinen Eisklauen an die Männlichkeit greift. Schockgefroren! Hochputerrot gelingt es mir den Überholvorgang zu beenden und rechts ranzufahren, während die Krämerseele schmunzelnd an mir vorüberrollt. Ich greife blitzschnell an die tiefgefrorenen Weichteile und finde einen kleinen Eisklotz, der mir dareingeutscht ist… Winter in Stuttgaer…

  8. Am Thema vorbei: Komme gerade von einer Lesung. Die war sehr gut. Und die war heute. Das war auch gut. Bei Ihnen am 8. sieht die Terminplanung nämlich schon wieder etwas komplizierter aus. Mal sehen!

  9. Du wirst es nicht glauben, Burns: Habe heute Nacht geträumt, einen Samstag mal eben zum Nordstrand zu kommen. 3h Fahrt hin. Der Strand vollkommen unaufgeräumt, viel dunkler als gewohnt, außerdem Dachterasse. Aber: Dachterasse mit Kühen, die alles vollgeschissen haben. Draußen. Drinnen sitzen überall Kiffer in den Ecken. Wir schmöken mit. Ich muss gegen Abend wieder los, kann mich aber nicht verabschieden, denn Burns hockt in seiner Badewanne und ruft: Tschö – kann gerade nicht. Duschvorhang fehlt. 3h Fahrt zurück. 6:55h, Wecker klingelt. Schade, hätte die Fahrt zurück gerne noch geträumt.

    Was lernen wir: Gürtelschnallen sind dann doch angenehmer als Kuhfladen. Und: WIR sind wie immer die Allergeilsten; Herrschaftszeiten!

    Die Schokocroissant-Lage in Kiel stagniert. Was auch nicht zwingend positiv ist.

  10. WIR sind wie immer die Allergeilsten

    Verdammt – warum haben wir (Malcolm, Pearl Jens, The Dennis, Der Typ der sich der Typ nennt und Moritz) kurz nach der Pubertät „Wir sind die Geilste!“ (ja, „Geilste“. Richtig gelesen.) gewählt, wo doch die „Allergeilsten“ das toppt. Da fühlt man sich doch ein wenig betrogen…

  11. Lieber Schroeder, du nennst das Problem beim Namen.

    Lieber Herr Uhlig, weil sie aber auch ihren Kragen nie voll genug kriegen können.

    Lieber Malcolm, gerade wollte ich fragen wie. Und der Betrug am Ehrentitel, der sei dir versüßt durch die Tatsache, dass du gegen die Besten verloren hast. Und schönen Gruß an den Typ, der sich der Typ nennt, von dem Typ, der den Typ, der sich der Typ nennt, eigentlich gar nicht kennt, obwohl er nach einem interessanten Typ klingt. Typisch für Typen wie ihn.

    Lieber Zizzko, die dummen Kühe haben mir alles verschissen, das ist wohl wahr. Deshalb habe ich sie auch sofort einweisen lassen, das traumatisierte Pack. Sollen sich die Seelenklempner mit deren scheiß Neurosen herumärgern. Die Kiffer hast du nicht erkannt? Das waren Malcolm, Pearl Jens, The Dennis, Der Typ der sich der Typ nennt und Moritz. Nette Leute, wenn auch nicht die Allergeilsten. Schade, dass du nicht länger geblieben bist. Duschvorhang bekomm ich vom Rationalstürmer. Dauert nicht mehr lange.

    Liebe Dolce Vita, nicht schwächeln, Fräulein.

  12. jetzt scheine ich das erst zu verstehen… entspitzt sich dann die Schokocroissantlage nicht eher? Zumindest in Hamburg… und überall sonst, wo die U-Bahnhof Franchise-Bäcker lauern

  13. Klar entspitzt sie sich figurativ. Aber die Phrase lautet nun mal „spitzt sich zu“. Du hast das Ganze durchleuchtet. Respekt. Zudem wird die Schokolade härter und bitterer. Analog zu den Zeiten.

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