Cowboys II

Obwohl The Kid und ich – The Man In Black – nicht mehr in München wohnen, haben wir uns per Geschäftsreise einen Flieger organisiert und sind pünktlich zum Biedersteiner Studentenfasching zurück in die ehemalige Heimat geflogen. Als wir am Samstag Mittag zu Karstadt gehen, um uns mit neuen Hüten und Revolvern auszustatten, ist der Himmel gelb und die Temperatur zu mild für Februar. Ein Sandsturm in Marokko hat den Luftraum halb Europas mit winzigen Sandkörnern durchsetzt und erst im Lauf des Abends wird sich dieser Schleier wieder aus der Münchner Stadtgebiet verzogen haben.

Nach dem Einkauf holt uns Doc Vulture im Alfa Romeo ab und wir stehen uns drei Stunden lang die Beine in den Bauch, um Eintrittskarten für den Faschingsball zu kaufen. Am Abend stößt endlich Buffalo Pete zu uns, er trägt eine Skijacke, einen Sepplhut und erneut keine Knarre. Wir sind entrüstet. Wie im Vorjahr müssen wir die Colts abgeben und fühlen uns gravierend in unserer Männlichkeit beschnitten.

Knarren- und lustlos stehen wir in dem Kellergewölbe rum und können die ganzen Sheriff-Wannabees nicht tanzen lassen ohne unsere Puffen. Deshalb und auch so trinken wir Wodka Red Bull. Sabine aus dem Vorjahr ist nicht da. Dafür ein 18jähriges Playboybunny aus Augsburg, das aussieht wie Sophie Schütt in jungen Jahren. Dummerweise habe ich am Vorabend im Atomic eine ehemalige Moderatorin einer unsäglichen Chartshow des dubiosen Untermietersenders SUN TV kennengelernt. Ich weiß, dass dieses Mädchen heute im Keller in Kunstpark Ost arbeitet und lasse von dem Bunny ab, um die Cowboys zu überzeugen, in den Keller zu reiten. Buffalo Pete gibt Fersengeld, aber der Rest ist dabei.

Als wir als einzige maskiert und wild durch die Gegend ballernd im Keller einlaufen, ist das Mädchen von SUN TV ganz schön konsterniert. Zudem stellt sie fest, dass der volltrunkene Doc Vulture ihr ehemaliger Chef ist. Noch mehr verstört sie, dass ein lallender, selbsternannter Man In Black ihr fünfmal mitteilen muss, wie sympathisch er sie findet. Das hat allerdings bald ein Ende, weil der Man in Black nach draußen geht und sich erstmal auf den Parkplatz legt, um sich ein wenig auszuruhen. Nach einer halben Stunde Prärie-Schlaf, übergibt er sich dann ausgiebig auf irgendwelchen Schienen, wundert sich, woher die Schienen kommen und wohin sie gehen, wischt sich den Mund ab und holt sich im direkten Anschluss eine doppelte Currywurst, bevor er zurück in den Keller geht und seine Jungs zum Gehen auffordert, weil er zurück ins Studentheim zur jungen Sophie Schütt will. The Kid schlägt sich noch mit einem Britney-Spears-Klon herum und der Doc verliebt sich gerade in eine Britpopprinzessin, aber es gibt keine Gnade: Wir müssen zurück zum Biedersteiner.

Eine Taxikutsche bringt uns verhältnismäßig wohlbehalten dorthin und sofort begegnet mir wieder das Augsburger Bunny, das aber in der Zwischenzeit sein Handy und sein Portemonnaie verloren hat und sich nur ungern mit profanen Anliegen wie „Wie heißt du gleich nochmal?“ beschäftigt. Gottseidank treffen wir unseren alten Freund Robbie Müller, der sich die Hose aufknöpft und für die Leute ein bisschen Schwanzgitarre spielt. Wieder ein neues Wort gelernt. Das ist eine willkommene Gelegenheit, um sich nochmals ein paar Wodka Orange ins Hirn zu blasen, zu verlieren haben wir nach der Schwanzgitarre vom Müller eh nichts mehr.

18 comments / Add your comment below

  1. Das ist ja auch schon eine Weile her. Und JA, um genau zu sein war’s natürlich das Optimol Gelände. Aber Kunstpark klang besser. Ich hab’s nicht so mit Fakten. Eher mit Nackten. Hahaha!

  2. Tolle und Kotelleten, ein Muss! Oder halt anders. Geht auch .-)

    Ich sag jetzt nicht, wie alt ich werden musste, um das erste Mal in meinem Leben von Schwanzgitarre zu hören – aber es hat sich eindeutig gelohnt… so alt zu werden, mein ich.

  3. Wir waren an besagtem Tag im gelb gefärbten Tiefschnee unterwegs und dank dir weiss ich nun endlich, dass ich in Tschikagoh damals aber auch so gar nix verpasst habe.

    Die Schwanzgitarre wird schliesslich früher oder später ganz unweigerlich auch hier auftauchen…

  4. BSC: Wir machen das nicht. Das war der Müller Robbie. Ob er es heute – Jahre später – als Vater eines kleinen Mädchens immer noch macht, I don’t think so.

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