Winter

Die Stadt geht langsam aber sicher vor die Hunde. Dass man die Kadaver der Silvesterraketen immer noch nicht entfernt hat, ist nur ein erstes Indiz. Die Kälte will sich nicht mehr von den Dächern der Stadt erheben. Sie hat es sich so bequem gemacht, da hilft kein Schamane mehr, da muss ein Exorzist her. Die Gegend um den Nordstrand hat jeglichen Glanz verloren. Neulich hörte ich jemand sagen: „Ganz schön abgefuckt hier… sogar die Gegend.“

Ich ächze durch endlose Tage aus Schnee und Schmutz. Während die anderen sich im Süden verlieben und sich versprechen, zusammen in den Sommer zu gehen, gehe ich hier langsam aus dem Leim. Und auf den Leim bin ich dieser Stadt schon im Oktober gegangen, als sie mir ein sicheres Zuhause und einen geruhsamen Winterschlaf versprach durch einen ihrer seelenlosen Fürsprecher, der nur den schnellen Profit im Sinn hatte. Von wegen „Die Winter sind gar nicht so schlimm wie man sagt“. Ein Scheißdreck sind sie. Ein Hetzen von Alpha zu Omega ohne erkennbaren Sinn und ohne Resultat. Mein Immunsystem ist desertiert. Und als Nachtritt bekomme ich noch diese tollen Nachrichten: „Ich habe jemand kennengelernt.“ Hättest mich mal richtig kennenlernen sollen. Na warte, Berlin, du lernst mich schon noch kennen. Und dann ziehen wir andere Saiten auf. Neue, unverstimmte.