Im Windkanal

Und – wie der nahen Stürme Vorgefühl –
Bisweil ein Windstoß jäh, der uns durchschauert;
Erschöpfung, Niedergang, doch überall
Das Lächeln sanft des Welkens und des Scheidens,
Das wir in des Verstandes Widerhall
Erkannt als die erhabne Scham des Leidens.

(Fjodor Tjutschew – Herbstabend)

Gestern abends mit dem Fahrrad von einem spontanen Sandsturm in der Kochstraße überrascht worden. Meine Sonnenbrille hat schicke dreissig Meter zurückgelegt und ich musste mich an die Hausmauer drücken, um nicht für immer zu erblinden. Nach zwei Minuten war der Spuk vorbei und ich frage mich, ob die Windkanäle in der Mitte der Stadt zur Entlüftung dienen und den ganzen Unrat aus der Stadt wehen sollen.

11 comments / Add your comment below

  1. Wenn es das nicht ist – es wäre absurd, aber gerade deswegen überzeugend – vielleicht sind das die ersten Anzeichen der drohenden Verwüstung durch Klimawandel? Ein Anzeichen, dass die Stadt desertiert? Eine sublime Annäherung an Afrika?

  2. Interessante und teils wüste Theorien:)

    Die Geographie der Neuen Mitte ist aber auch schlichtweg als einladend für streu(n)ende Winde zu bezeichnen. Vom Potsdamer Platz einmal bis nach Tempelhof durchwehen. Wann kann man das schon mal?

  3. Man soll alles positiv sehen:

    Deine windschnittige neue Frisur ist aerodynamisch hervorragend für Gegenwind geeignet.

    Mit etwas Sand zwischen den Zähnen läßt sich viel besser damit knirschen.

    Ecuador wird um 16:00 Uhr mit Sicherheit vom Winde verweht.

  4. In diesem Sinne mache ich mich jetzt dann auch auf ins Sony Center und hoffe, dass ich, wenn ich da bin, nicht so durch den Wind bin wie gestern.

  5. Tut er nicht. Er wurde durch Bodytec, einen ziemlich schawulen und gut gebauten Trekking Typen ersetzt. Das ist kein Fahrrad mehr, das ist ein Windhund.

  6. …dem ich eigentlich noch eine Klingel in Form einer Teekanne mitgebracht haben wollte. Aber Ole wird ja vergesslich. Siehe auch: Aphrodisiaka.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.