Berlin Mitte Kettensägen Massaker

Ich höre tote Menschen. Hirntote zumindest. Sie sitzen hinter mir, verstehen für keinen Cent etwas von Fußball und nölen mir die Ohren voll mit ihren „Aahs“ und „Ooohs“ und ihrem „Schön“ und „Foul“ und „Abseits“ Gesabber. Doch das Zombietum hinter mir ist offensichtlich nicht genug des Unheils. Denn vorne nässt ein Ghoul namens Deppmann in die Leitung und diese ganzen Energievampire sind es, die mich so müde machen bei dieser WM, nicht das Bier und das niemals enden wollende Barbecue. Wenn dann noch sirenende Unterwasserleichen ihren Schmand dazu abgeben, um ihre untoten Boyfriends zu beeindrucken, dann ist das Horrorkabinett perfekt und ich bete, dass es keine Verlängerung oder gar Elfermeterschiessen gibt, weil ich sonst die Kettensäge oder wahlweise den Rasenmäher für die ganzen Braindeads hier auspacken muss. Andernfalls halt ich das keine halbe Stunde mehr durch. Und Gottseidank schießt Frankreich die entscheidenden zwei Tore, sonst wäre das noch ein blutiger Abend geworden.

19 comments / Add your comment below

  1. Bruder im Geiste…

    Irgendwie freue ich mich ja darüber das es solch eine gute Stimmung in unserem Ländchen gibt, aber bei der Synchronschaltung des gemeinsamen Fussball-Hirnes kann ich den dabei entstehenden Niveauverlust einfach nicht hinnehmen…

    Genau die sind es, warum ich dagegen bin… This Island Earth…

  2. Oh, kenn ich! So ging es mir, als wir auf dem Hurricane zum 1000. Mal „Luuuukas Podolwski!!“ im Canon hören mussten!
    Und das am ersten Tag.

  3. Ich habe mich schon lange nicht mehr so sehr auf die kommende Bundesliga-Saison gefreut wie in dieser Sommerpause. Besser als im Berlin Mitte Kettensägen Massaker hätte man die Gründe nicht formulieren können.

  4. Versteht mich nicht falsch, Leute, ich liebe Fußball. Spielen wie gucken. Und auch, dass wir zu jedem Turnier zu einem Volk von Fußballexperten heranwachsen, kann ich noch verkraften. Dass dann die Mädels nach dem 9. Julei nicht mal mehr drei Bundesliga Vereine aufzählen können, wundert mich nicht.

    Aber bitte erspart mir dieses hohle Geschwätz. Ich geh ja auch nicht auf einen Kongress für Mikrosystemtechnik und falle den Dozenten lauthals mit technischem Nullwissen ins Wort.

  5. das foto macht mir etwas angst. ist das farbe oder licht auf ihrem gesicht? oder doch – blut?
    schön ist es auch, wenn zwei tv-gucker das letzte wochenende durchsabbeln statt konzentriert das spiel zu gucken. da geht einem das messer in der tasche auf.

  6. Oh ja Emma, das Messer in der Tasche auf. Deshalb muss ich jede Woche meine Jeans zum Flicken bringen.

    Natürlich ist das echtes Blut. Auf einem „Parental Warning“ Blog wie meinem wird geblutet statt gekleckert. Und nur weil ich mich gestern abend zurückhalten konnte, heisst das ja nicht, dass ich auch in der Vergangenheit die Contenance gewahrt habe.

  7. Stöpsel vom iPod oder wat-auch-immer in die Ohren (möglichst nicht für andere sichtbar), Radioempfang an, Fußballspiel sehen, Kommentar hören, früher als alle anderen ‚Tor‘ schreien (das klappt ja locker bei ’ner Beamerübertragung), spätestens nach dem zweiten Tor glauben alle Monster an einen Fußballgott, wenn sie Dich ansehen. Mit den Untoten, die Dir zu Füssen liegen, ’ne Partei gründen, dank ihrer zurückgelegten Beerdigungsersparnisse reich werden, Chelsea kaufen.

    Und bis zur Bundesliga kann man ja das Ritual der Opfergabe im Parteiprogramm aufnehmen. Ist ja auch schöner, wenn wieder eine Unterwasserleiche mehr aus dem Blickfeld entschwindet. So hübsch sind ’se ja nicht anzuschauen.

    Außerdem gehen Unterwasserleichen für lau mit Dir ins Bett, wenn Du Dein ‚Ich bin Poldis Cousin‘-Shirt anziehst. Stimmt, an der Variante ist ein unübersehbarer Haken.

  8. Ein profunder Plan, Herr Creezy. Auch der von Ihnen aufgefundene Haken ist kein echter. Schließlich zwingt mich ja keiner, mit Parteigenossinnen zu pennen. Spielerfrauen sind sicher auch ziemlich interessiert an den zukünftigen Ergebnissen ihrer Stecher und Ehegatten.

    Mlle Händel: nein, raus mit denen aus Mitte. Ich gebe zu, das könnte aufwendig werden.

  9. Dafür dass Fussball einfach zu kapieren ist, dafür sorgt bei uns schon der Kaiser…

    Nachdem für mich Fussball ja immer irgendwie eher nur ne Legitimation für Körperverletzung war, habe ich zu WM Zeiten allerdings einen riesen Spass, indem ich inmitten von Fussballregelnrückwärtsaufsagern während laufendem Spiel für noch ahnungslosere Damen (und die sind wirklich schwer zu finden!) in voller Lautstärke Wikipedia Einträge zum Fussballreglement rezitiere.

  10. ach burner … musste halt mit mir fussball gucken. ich halte die klappe, hasse störungen und mag kaltes bier dabei. bei toren schrei ich kurz, danach geb ich ruhe bis zur EM.

  11. Liz, jetzt weisst du, dass das wirklich ein ernstgemeintes Kompliment war.

    Und zum Tattoo: Glückwunsch. Wenns dir irgendwann nicht mehr gefällt, kannst du ja Justin Timberlake draus machen.

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