Die Gewalt und das Verlangen

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Ich bin ein giftiges Gemisch aus Gewalt und Verlangen an diesen Tagen. Ein Brodeln. Die Hitze treibt die Wut und das Wollen aus den Poren. Die Haut tropft und ist zum Zerreissen gespannt. Die Gewalt und das Verlangen, die Hitze und die Wut, es zerreisst den Tag, es zerreisst die Nächte. Es kühlt nicht ab. Und es soll nicht mehr.

Es droht Gefahr an jeder Ecke, ich hab ein Gespür, eine Nase für Gefahr. Nur das Gespür nicht verlieren. Du gehst auf Zehenspitzen durch Straßenschlachten, du trinkst einen Kaffee auf den Schauplätzen der Brutalität, du zettelst sie an und mogelst dich an ihren Auswüchsen vorbei, während ich inmitten der Tumulte stehe. Ich will etwas wollen, was andere geben, ich will nichts spendieren, ich will nur noch einholen. Das Arschloch, das die Faust in die verregnete Dämmerung schlägt, damit ihr euch wundern könnt, euch abwenden, weil ich inmitten des Gewitters, statt mitten unter den Unterstand suchenden stehe.

Ich bin ein giftiges Gemisch aus Gewalt und Verlangen an diesen Tagen. Ein Brodeln. Die Hitze treibt mich an wie einen Motor und sie treibt mich zum Wahnsinn. Niemand beruhigt mich, nicht einmal Sufjan Stevens. Nicht einmal ich beruhige mich. Ich zerreisse den Tag, ich zerreisse die Nächte und der Regen kommt zu spät, es kühlt nicht ab. Und es soll nicht mehr.

16 comments / Add your comment below

  1. Für durchwachte Nächte, in denen sich vielleicht höchstens noch ein famoser Roman eignet, die schlaflosen Stunden totzuschlagen, zumal auch er (am Rande) mit stickigem Schweißzerfließen in staubheißen Sommertagen und dem erlösenden Gewitter spielt, empfehle ich: Nach dem Regen von Jon McGregor.

  2. Ich bin nicht mehr ich und ich weiß nicht, wie ich mich jemals wieder finden soll. Wird alles immer schlimmer, immer schlimmer, immer schlimmer. Allen gehts schlecht und keiner ist mehr glücklich, und alle grinsen sie trotzdem himmelblöd dazu. Auf und auf bergab und keine Frostnacht in Sicht, in der man sich zum Sterben einfach in den Straßengraben legen kann. Angefangen, den Sommer zu hassen, diese beschissenen blauen Himmel jeden Tag, die elenden Sonnenstrahlen, vor denen man sich nirgendwo hinverkriechen kann. All die Scheißmenschen in ihren luftigen Klamotten und ihre zumkotzenen Sommerfressen.

    (War jetzt so nicht geplant. Gestern per Email raus.)

  3. Meine Güte, Buzzraw: was ist das für ein großartiges Nordstrand-Blizzzzpic? Mal ehrlich, den hast Du da doch reingeschnitten, oder?

    1nce again TAG approved!

  4. Und hier hat’s nach dem Schauer doch tatsächlich grad saumäßig abgekühlt. Es bleibt einem auch kein dummer Slapstick erstpart…

  5. Razzle: you leave me breathless
    Mizlow: nee, is echt. 252 Fotos musste ich vom Unwetter machen, bis ich einen Liveblitz erwischt habe.
    Sno*: es bleibt einem sowieso nie etwas erspart, wenn man so lebt wie ich.
    Mlle: Auf keinen Fall. Nicht wegrennen! Die Wollust und die Wut vor Ort rauslassen. Darum gehts doch.
    Creezy: Aha.

  6. Fast wünscht man sich, das die Hitze es nicht bleiben lässt, wenn du weiterhin solche Texte und Ideen von dir gibst. (Bin noch nicht durch mein Filmarchiv durch oder ist es schon vorbei?)
    Und ich geb dir recht, geh bloß nicht aufs Land. Wohlfühlen ist kontraproduktiv.

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