Der Kreis des Vertrauens

Mit Lieblingsbands ist es wie mit hübschen Mädchen. Sie machen einen verrückt, aber man kann sich nicht zwangsweise auf sie verlassen. Und den wenigsten kann man vertrauen. Viele benehmen sich im Laufe der Zeit exaltiert, unternehmen seltsame Stil-Variationen, werden unattraktiv oder so populär, dass man sie nicht mehr für sich alleine hat.

Das Mädchen, äh, die Band des Vertrauens bleibt sich selbst und ihrem Fan treu. Die Musik bleibt konstant gut, manchmal auch konstant die gleich und im Jubelfall wird sie sogar besser. Bands des Vertrauens lösen sich rechtzeitig auf bevor es zum Casus der Leichenfledderei kommt oder bleiben selbst im höheren Alter ansehnlich. Bands des Vertrauens müssen nicht einmal supersympathisch sein, aber sie sind bodenständig und berechenbar. Übertriebene Scheinwerfergeilheit oder intellektuelle Spätreife sind ihnen fremd. Im Punkbereich habe ich stets Hot Water Music vertraut, die sich nun endlich aufgelöst haben, bevor sie anfingen schlechte Platten zu machen und so bleibt meine Tätowierung mit ihrem Logo eine gute Erinnerung an eine gute Zeit. Im Indiebereich vertraue ich beispielsweise American Analog Set und Teenage Fanclub. Wenn überhaupt noch (Amanset sind auf Eis gelegt), dann ist von diesen Bands kein schlechtes Material zu erwarten und die Stoizität mit der sie Songs nach meinem Gusto schreiben wird nur noch übertroffen von ihrer fast schon beängstigenden Bescheidenheit. Gut, das liegt freilich in der Natur des Genres. Ein wenig großmäuliger darf es da schon in der Kategorie Rock zugehen. AC/DC sind der Fels in der Brandung der angespülten Retrorotzlöffel und selbst Platten neueren Datums müssen einem nicht peinlich sein. Und ein AC/DC Konzert gehört immer noch zu den raren Glücksfällen im Leben und den Besuch eines solchen stufe ich höher ein als den des Empire State Buildings und des schiefen Turms von Pisa zusammen.

Warum ich das alles hier erzähle? Weil ich gestern eine weitere Band in den Kreis meines Vertrauens im Genre Rock aufgenommen habe. Zumindest auf Probezeit. Es handelt sich um JET aus Australien, die gestern im Magnet Club ein Konzert gegeben haben, von dem mir heute noch der Dreck der Gitarren in den Ohren klebt. „Über Musik schreiben ist wie zu Architektur.“ tanzen hat Bierernst August Marcus Wiebusch mal gesagt und da ich nicht zu Architektur tanze und so weiter und so fort. Aber was ich sagen wollte: Jet, ihr seid dabei. Jetzt benehmt euch gut die nächsten zwei Jahre und scheisst euren unglaublich unverblümten Rock’n’Roll auf die Leute, dann sieht es gut mit uns aus. Ich behalt euch im Auge.

15 comments / Add your comment below

  1. JET haben ihren Düsenjäger durchs Magnet geknallt, ein Irrsinnskonzert!!!Und dazu noch ein glänzend aufgelegter Burnster, der bei der anschließenden Karaocke „Back For Good“ mitgrölt …

  2. ich glaube für mich wird es hart wenn die band meines vertrauens sich auflösen sollte ;) die waren doch schon immer da. das geht doch nicht so einfach.

  3. Back for good ist definitv ein Song, den man mitsingen darf. Sage ich als tendenzieller Boybandfeind! May JET keep on rockin‘ the free world…

  4. Dein Verständnis erleichtert mich tatsächlich, Ole.

    Morticia: Get Born heisst die letzte Hitplatte. Eine Truhe voller Boogeymonster.

    Und HIER ist ein Vorgeschmack auf die neue Platte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.