Wie Mario Basler mir einmal einen Gefallen tat

Da gab es diesen Typen namens Christoph (Name von der Redaktion geringfügig geändert) und er begann seine Gastrokarriere als nassforscher Rock-Hippie hinter der Theke der Banane. Die Banane war – das musst du wissen – eines dieser Lokale, in die man erst nach zwölf ging, weil vorher die Kids zum Bananenweizensaufen da waren. Also bist du nach zwölf hin, weil du die selben alten Muckerdeppen wie vor fünf Jahren treffen wolltest, weil du eine Geheimverabredung mit deiner liierten Geliebten hattest oder weil du dabei zusehen wolltest wie dein Mitbewohner als Türsteher mit einem Stahlrohr rechtes Gesindel von der Tür zurück auf die Straße trieb. Oder du wolltest einfach beim Kickern gegen die Obercracks verlieren. Und man hört ja eines schon raus: Die feine Gastronomie Regensburgs fand woanders statt. Dort wo ich arbeitete, wurde zwar auch nicht gerade mit weichen Bandagen gekämpft, aber wir Barkeeper aus der Wunderbar waren bekannt für unseren fingerfertigen Umgang mit Cocktails und Kleingeld, für unsere lockeren Sprüche und unsere sauberen weißen Hemden mit Krawatte. Und als Spätkneipe – du musst wissen, das bedeutete damals bis drei Uhr geöffnet – waren wir zugleich Auffangbecken für allerhand Gastrotreibgut, das um eins ihre Spelunken zusperrte und sich bei uns endgültig absaufen ließ. Und natürlich kennt man seine Pappenheimer und argwöhnt, wenn plötzlich vorlaute Jungspunde ankommen und dumme Sprüche reissen.

So einer war der Christoph. Jetzt musst du wissen, dass ich zu jener Zeit selbst erst 22 zarte Jahre alt war, aber der Saukerl war erst 19, arbeitete in der darniedergekommenen Banane und hing schon jetzt mit den Bargrößen der Stadt herum. Zu allem Überfluss trug er ein Fischerhemd, eine Röhrenjeans von Edwin, billigen Ethnoschmuck auf seiner spärlich behaarten Brust und redete in einer Tour blöd daher. Kurz und gut: Ich hatte ihn gefressen. Doch seine Gastrokarriere vernahm eine unerwartete und unangenehm steile Bergfahrt. Er schnitt sich die Hippielocken ab, färbte sich die Haare blond, abonnierte sich in das Solarium an der Friedensstraße und stieg zum Barkeeper in irgendeiner Szenekneipe auf, wodurch er gleichzeitig Stammgast im Skala wurde und somit Zugriff auf Bedienungsgranaten hatte, denen ich maximal ein müdes Lächeln beim Gin & Tonic-Bestellen abringen konnte. Ein widerlicher Emporkömmling. Meine damalige Freundin stimmte mir zu und wir nannten ihn fortan nur noch das „Fischerhemd“, auch wenn er das schon längst nicht mehr trug. Aber es sollte uns und ihn an seine niedere Herkunft erinnern.

Zur gleichen Zeit begab es sich, dass wieder mal etliche Fußballstars in der Stadt waren. Du musst wissen, dass das für Regensburg nie etwas Besonderes darstellte. Das Rehazentrum von Allstardoc Klaus Eder befand sich unweit der Stadt im malerischen Donaustauf, aber da gab es weder was zu trinken, noch zu sehen und so verschlug es die Bundesligahelden des Abends nach Regensburg. Von Icke Hässler bis Karl-Heinz Pflipsen, wir hatten sie alle zu Gast. In der Sommer- oder in der Winterpause der Liga herrschte eine hohe Fluktuation an Spielern, besonders der vom FC Bayern. Jetzt wäre es mir als ewigem Bayernfan nur recht und billig gewesen, mal einen von den Stars zu treffen, doch es war wie verhext: Jedes Mal, wenn die Kicker auftauchten, war ich gerade abgetaucht. Ich trieb überall in der Stadt mein Unwesen, nur nicht dort, wo der VIP-Ball rollte. In den jüngsten Wochen hatte sich besonders Mario Basler mit Anekdoten und mehr oder minder peinlichen Auftritten in unserer kleinen Donaumetropole hervorgetan. Natürlich auch in meiner Kneipe, aber an jenem Abend muss wohl einer der drei Abende im Monat gewesen sein, die ich mit meiner Freundin vor dem Fernseher verbrachte. Oder ich war mal wieder auf der Suche nach Mavie Hörbiger. Aber das gehört hier nicht her.

Eines anderen Abends besuchten Mario Basler und Bayern Vize-Torwart Sven Scheuer eine Pizzeria in 30m Luftlinie von meiner Wohnung. Und welch Wunder: Christoph war auch da. Jetzt musst du wissen, dass der Italiener von dem ich spreche schon einer von den bisschen besseren war. Aber nicht so gut, als dass man sich drinnen nicht ein bisschen den Proll hätte raus hängen lassen können. Genau das richtige also für Weißbierfreunde wie Mario und Christoph. Den genauen Hergang jenes Abends konnte oder wollte ja niemand so genau rekapitlieren, aber auf jeden Fall muss der Christoph dem Mario und dem Sven ziemlich blöd von der Seite gekommen sein. Saudumm soll er daher geredet haben, grad zum Fleiß. Er, der Flitzer im Fischerhemd. Kein Wunder, dass dem Mario und dem Sven nach ein paar Weizen der Kragen geplatzt ist und sie dem Christoph eine aufgestrichen haben. Und zwar eine Schallernde, wie man hörte. Leider kannte der Ottmar Hitzfeld den Christoph nicht, sonst hätte er den Mario und den Sven sicher nicht gleich so hart bestraft und vom Vereinswesen suspendiert.

Dabei wollte der Mario weinfach nur für Ordnung und Recht in unserer kleinen Stadt sorgen. Er hat sich einfach für seine Mitbürger verantwortlich gefühlt, als er diesen Gschaftlhuber an seiner Faust hat riechen lassen, auch wenn alle sagen, der Sven war’s. Und dass ihm unsere Stadt am Herzen lag hat er ja auch ein paar Jahre später als kettenrauchender Teamchef vom Jahn Regensburg bewiesen. Ich bin ihm auf jeden Fall auf ewig dankbar, auch wenn der Jahn schon bessere Zeiten als in der Ära Basler gesehen hat.

34 comments / Add your comment below

  1. Nee, Deine Twenjahre waren ganz schön lustig. Und das man nach Mavie Hörbiger sucht als Mann, kann ich nachvollziehen – aber war die damals nicht noch im Kindergarten?

    Ansonsten erhebe ich meinen Kaffeepot in Ehren auf Mario und den Sven!

  2. Mavie war damals in der Schauspielschule in München und hat sich mit ihrer Klasse den „Faust“ in Regensburg angesehen. Danach war sie in meiner Bar und ich hab ihr Drinks gemacht.

  3. Herrlich!
    Der Mario war mir sowieso immer überdurchschnittlich sympathisch. Soweit ich weiss, war er auch der einzige Harald-Schmidt-Gast, der im Studio rauchte. Und das er den Flitzer aus seinem Fischerhemd schlug macht ihn glatt zu einem TAG-Anwärter. Butze, was meinste? Zu dritt auf Tour?

  4. wenn einer schon scheuer heißt, dann fällt bestimmt der watschenbaum besonders schnell um.

    ich kann mich auch noch gut an den vorfall erinnern, zumal eine gute freundin gleich gegenüber von besagter pizzeria in der blauen-stern-gasse wohnt.

  5. Der Hacki, ein Kumpel von mir, hat das Rauchen ja erst erfunden! Das möchte ich an dieser Stelle nur mal erwähnen.(Ich wollte es zunächst auch nicht glauben, doch nach Offenlegung seiner Lunge, nun ja. Geritzt.)

  6. 500: Der Hacki war das also. Da hat einer aber echt mal eine gute Idee gehabt. Grüße unbekannterweise, falls er noch lebt.

    Lisi: Deine endet übrigens am 3. Oktober.

    Isarblogger: Schad, eigentlich.

  7. Super Mario war auf jeden Fall ’ne coole Socke. Und Teerköche mag ich sowieso lieber als Puffkellner. Bis auf ganz wenige, den Heinz Reifenrath z.B.
    Der war aus der Landsberger Straßn in Minga und hatte son’n richtig nach oben gezwirbelten Bart, sein Lieblingswort war „bekömmlich.“

  8. Hm, den Christoph kenne ich, der haengt da immer noch rum (falls er das is, und ja, der war mir auch immer unsympathisch). Die Basler Aktion kannte ich nicht, macht ihn aber seeeehr sympathisch :)

  9. Bei der Wohlfahrt nicht, das wird schon stimmen. Aber ein Stahlbad isses sicherlich auch nicht grad, sonst tät dir die net so auf der Nasn umanandtanzen.

    Verflixt, dabei wollt ich mich doch a) zammreißn und b) was zu deinem Artikel sagen. Ich schließ mich in Sachen Basler zwar der Fußballmimose Andi Möller an, find aber, dass er neben Helmut Schmidt und Toni Mahoni einer der wunderbarsten Raucher ist, die man sich vorstellen kann.

  10. Dich möcht ich mal sehen, Ratze, wenn dir so ein fesches Mädel irgendwo drauf rumtanzt. Des möcht ich sehen, wie du dann durchgreifst. Ich glaub, ich möcht’s besser nicht sehen.

    Und du Lisl hörst jetzt bitte mal auf, mich hier wie ein Kuscheltier hinzustellen. Ich kann mich doch nirgends mehr blicken lassen. Selbst meine besten Freunde attestieren mir schon Rosarot als Lieblingsfarbe.

    DISZIPLIN!

  11. Ich glaub auch, dass du das besser nicht sehen möchtest, Kuscheltiger.

    Übrigens geht mir schon seit den ersten Tagen, in denen du deiner Praktikantin verfallen bist, ständig dieses schöne Mein privater Rockstar von den Lassie-Singers durch den Kopf. Ich weiß ja auch nicht, warum sich das so ohrwurmisiert hat bei mir. Hast du da vielleicht eine Erklärung?

  12. Er ist die Coolness in Person. Wenn man nicht aufpasst, friert man fest und selbst das ist kein Vergnügen. Stahlhart, knallhart, beinhart. Haltet euch die Tische vor die Bäuche, schnappt euch, was ihr greifen könnt. Ducken, sag ich. Denn hier kommt St.Burnster, Terminators Erbe.

  13. Aha, und wie lang hast Du, liebe Liz, an Deinem vorletzten Post geschrieben, alternativ: welche Drogen musstest Du nehmen, um unseren Rosapuschelburnster so darzustellen?

  14. „Ich trinke gern mal einen. Allerdings nach der Arbeit, er bei der Arbeit.“ – Felix Magath über Gemeinsamkeiten mit Mario Basler

  15. Nein, nein, überhaupt nicht gleiche Liga. Bei „lecker“ krieg ich gleich das Kotzen.
    „Bekömmlich“ , wenn und wie der Heinz das sagt, während er seinen Kini Ludwig Bart nach oben zwirbelt, ist sogar genau das Gegenteil. Da gehst du sofort an die Musikbox und holst dir n Bier raus.

  16. Schade, dass ich erst jetzt den Artikel gefunden hab.
    Wirklich sehr unterhaltsam!

    Ja, du hast recht. Schräg gegenüber war noch die Marina Bar.
    Damals war die Marina schon sehr krank und Achim war auch nicht mehr der Jüngste (aber immer noch pfeilschnell als ehemaliger Olympia-Ringer).
    Marina ist dann ca. 9 Monate später in Varna gestorben.
    Dies war dann gleichbedeutend mit dem Ende der Marina Bar, da sich die Hausbesitzerin von einem Blender einwickeln ließ und ich somit dieses wunderbare Kleinod nicht weiterführen konnte.
    Warum ich? Ich war die letzten fast 2 Jahre in der Marina Geschäftsführer und täglich vor Ort.

    Das Fischerhemd ist mir auch ein Begriff, wenn es hierfür eine Umschreibung gibt, dann: Dampfplauderer!
    Diese Leute schaffen es einen auf die Palme zu bringen.

    Nochmal vielen Dank für diesen wundervollen Artikel!

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