Wer Sturm sät

Es ging ihr nicht gut und es ging ihr um Kontrolle. Es war nicht nur einmal vorgekommen, dass jemand gegangen war. Nicht nur einmal, was schlimm genug gewesen wäre. Es war mehrmals vorgekommen. Und dem Vorgekommenen musste man in Zukunft einfach nur zuvorkommen, damit es nicht mehr vorkommen konnte, dass man der Letzte war. Dass man der war, der dablieb. Ab jetzt würde eine neue Zeitrechnung beginnen, in der mit dem Schlimmsten gerechnet wurde und die Reissleine vor dem Ausreissen des Anderen gezogen wurde. Nicht mit ihr. Nicht mehr.

Es ging ihm ganz gut und er war auf dem Weg nach Hause. Eigentlich wollte er sich dabei nicht mehr von Fremden ansprechen lassen. Es war schon öfter vorgekommen, dass ihn jemand vom Weg abgebracht hatte. Mit klerikaler Sorgfalt nahm man ihn manches Mal ins Gebet und kniete vor ihm nieder, bis er wieder in einem Anflug von aufflammendem Glauben und kurz stehenblieb. Das würde nicht wieder vorkommen. Er würde den Weg zuende gehen und er würde heute nacht damit anfangen. Die Leuchtfeuer unterwegs lenkten ihn nicht mehr von der Dunkelheit der Straße ab, an deren Ende ein Morgen in einem Haus und einer großen Tasse Kaffee stehen würde.

Die gesamte Vorderfront des Hauses war mit einer Plane verkleidet und der Wind fuhr beleidigt darunter und wühlte sie auf. Den ganzen Nachmittag bis weit hinein in die Nacht schlug die Plane gegen das Gerüst und die Fenster hinter ihr. Der Wind ließ nicht ab und erst spät, in einer viel zu warmen Oktobernacht, gab er Ruhe. Die Plane hing matt und zur Hälfte abgelöst an der Fassade. Jemand würde sie an den entsprechenden Stellen wieder befestigen müssen.

wind.jpg
(Foto von Lisa Rank)

15 comments / Add your comment below

  1. Ich darf Ihnen empfehle den einschlägigen Fachhandel empfehlen:
    Da gibt es sogar ALLZWECK-PLÄNE
    für den multifunktionellen Einsatz mit Ösen bis 120 m²…

  2. Ich darf Ihnen den einschlägigen Fachhandel empfehlen:
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    (Herr Burncent, ich erlaube mir , eine Korrekturfunktion anzumahnen…
    Ich brauch die!)

  3. Ach wo, Herr Schein. Sie erhöhen halt einfach die Anzahl der Kommentare, das stört doch niemanden:)

    Danke, Herr Sinß, ich starte gleich mal einen Gegenbesuch.

  4. Eigentlich ist das ja schon klar, dass die einzig richtige Fortsetzung von der Überschrift „… wird Rationalstürmer ernten“ heißen müsst.

    In dem Fall seh ich aber ein, dass wir es hier mit einer Kunst zu tun haben, und da haben persönliche Eitelkeiten und Vor-Liebchen nunmal das Nachsehen zu haben, auch wenns vielleicht wehtut.

    Zumal das mit der Zeitrechnung ja schon dem Goethe nicht geholfen hat, als er sich da – bestimmt aus sicherer Entfernung, der gschissene Hosenbisla – seinerzeit angeschaut hat, wie´s nüber- und rübergschossen ham, die Franzosen bei eahnara Revolution. Nicht zu vergessen die vielen Anderen, die nur einen Moment lang nicht aufgemerkt haben, aber halt leider grad einen Moment zu viel.

    Will sagen: So ein Wind tut allerhöchstens so, als gäbe er Ruhe. In echt ist man vor solchen Gesellen nie sicher. Erst recht nicht, wenn man sich sicher fühlt. Das alte Lied, das immer keiner hören will. Aber hernach recht umanandreahn.

  5. Ich glaube, das werden sie auch kaum schaffen, liebe Erkältung.

    Opa, emotional absolut korrekt gefolgert.

    Ratze: Am Ende kommt dann doch einfach irgendjemand hereingeschneit und dann basst de Bruin. Auch wenn man voher lang wegen den Prinzipien rumgeschissen hat. Aber wer will schon irgendjemand? Ich glaub, die meisten.

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