Don’t Look Back in Anger (12)

Der offizielle St. Burnster Jahresrückblick 2006
Heute: Barcelona

(Linkfreies Territorium, jetzt mit zusätzlichem [n’t] in der Überschrift)

Statt einer Zusammenfassung des Dezembers, der ohnehin nur aus Zusammenfassungen anderer Monate bestand, soll heute hier beim letzten Teil meines Jahresrückblicks nochmal meine Zeit in Barcelona bedacht werden. Wie die meisten mittlerweile ja sicher mitbekommen haben, hat es mich ja mittlerweile schnell und unerwartet wieder ins winterliche Berlin verschlagen, deshalb gebührt der Platz hier der Stadt, die mich viel zu kurz aber dafür wie in einem willkommenen Fieberstaum eingenommen hat.

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Wie in einem Fiebertraum – da wiederhole ich mich gerne – kommt es mir vor. Ich weiß noch, als ich ankam und du mich am Flughafen abgeholt hast, da waren die Palmen und da war diese Wärme. Genauso wie es immer war, wenn ich ankam. Wir stiegen in den Bus und als wir am Placa Espana vorbeifuhren und der Palau Nacional durch die Scheiben des Busses zu uns hereinthronte, war ich unwahrscheinlich stolz auf dich, dass du das hier dein Zuhause nennen durftest und ich wünschte, ich würde auch bald soweit sein. Doch der Anfang gestaltete sich nicht so kommod, wie ich das geplant hatte. Beamtliche Hürdenläufe, unfreundliche Katalanen, Internetprobleme, widrige Wohnverhältnisse und ein Schwung Heimweh verpatzten mir die ersten vier Tage so gründlich, dass ich eigentlich fast in die Bahn nach Madrid gestiegen wäre, um dort weiterzumachen.

Nach vier Tagen wachte ich morgens auf und die Angst war vorbei. Ich ging hinaus und abgesehen von den Sprachmitschülern wuchs mir alles noch näher ans Herz, was ich bisher nur aus dem Urlaub kannte. Ich fing an zu wohnen und mich zu gewöhnen und das in rasender Geschwindigkeit. Die Wege durchs Barrio Gotico bis hinunter zum Meer waren zu der Zeit fast schon abgenutzt und so fing ich an, die mächtige und weitläufige Neustadt, das Eixample zu bewundern und zu wollen. Ich liess mich durch die Quadraturen des Straßennetzes treiben und die Zeit verging zusammen mit mir, als wären wir die besten Freunde und würden jeden Tag exklusiv etwas zusammen unternehmen. Ich schrieb Musik, ich lernte Spanisch, ich ging Essen, ich trank, ich rauchte und war einfach da. Es gab nicht viel Arbeit zu der Zeit, aber das war mir nur recht. Ich verlor mich völlig im Rhythmus der Stadt, auch wenn er mir eigentlich zu fuerte, zu treibend war. Es war, als hätte ich Drogen genommen und sie würden ihre Wirkung für Wochen nicht verlieren. Die Sonne war so warm und schmeichelhaft und es gab keine Anzeichen von Winter weit und breit. Die Stadt war eingezäunt von Meer und ihren beiden zauberhaften Bergen und doch schien sie kein Ende zu nehmen. Ich empfing Besuch aus der Heimat, ich besuchte selbst viele hier und immer und jeden Tag warst du da, wie du seit vielen Jahren nicht mehr da warst.

Und irgendwann wurde mir klar, dass das nicht hauptsächlich die Stadt war, die mich so einlullte. Das warst du. Die beste Freundin, die ich hatte. Der Rückhalt den ich erfuhr, dadurch dass ich nur fünf Minuten die Aribau hochlaufen musste bis zu eurer Wohnung war immens. Ich war standsicher in der halbfremden Stadt mit dem Wissen, dass du da bist. Und als ich erfuhr, dass ich zurück musste, obwohl der Anlass ein erfreulicher war, hätte ich erst einmal alles kurz und klein schlagen können oder einfach nur flennen. Aber es kommt wie es kommt und wir entscheiden ohnehin mit dem Herzen, so falsch kann es dann gar nicht sein. Und insofern sage ich jetzt nochmals hochoffiziell: Adios Barcelona, te quiero mucho, guapa!

Und jetzt Schluss mit den leidigen Sentimentalitäten. Auf geht’s pack ma’s nochmal! Euch einen guten Rutsch, liebe Leut!

5 Gedanken zu „Don’t Look Back in Anger (12)

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