Halt’s Maul (Kurzkritik zu Babel)

So, jetzt kommst her, Kollege Iñárritu und holst dir deine nächste Pflichtwatsch’n ab. Was hast dir denn dabei gedacht, ha? Auf einen toten Gaul mit der Moralkeule einzudreschen bis ihm die Eingeweide rausplatzen, nennst du Kino? Ich wär ja so gern eingeschlafen, aber deine Holzhammermetaphorik in Zeitlupenthrill, gekittet mit einem unfassbar hanebüchenen Strukturleim, auf den ich dir nicht gegangen bin, hat mich so provoziert, dass ich mir ungefähr 120 Barthaare ausreissen musste bis der Film zuende war. Was denkst du denn eigentlich, wer du bist und vor allem wer ich bin? Seh ich aus wie ein Volldepp? Bin ich zwölf? Man muss mir nicht 2,5 quälende Stunden lang Einen sülzen von wegen Völkerverständigung und Toleranz, ich kapier’s auch so. Und ja, ich hab’s ja kapiert, wollte ich alle zwei Minuten laut aufschreien. Da mögen die Schauspieler noch so inbrünstig und die Bilder noch so blutrünstig sein, mir scheissegal, wenn ich mir belehrt und gelangweilt zugleich vorkomme. Und diese Kollegstufenmoral über Sprache und Sprachlosigkeit mit der plattesten Emblematik der Saison, einem taubstummen Mädchen, auf die Spitze zu treiben, empfinde ich als Beleidigung meines Intellekts. Wenn ich eine Predigt will, gehe ich in die Kirche und aus der bin ich nicht ohne Grund ausgetreten. Enough said.

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  1. Das trifft ja jetzt wohl nicht auf mich zu, Snoman. Ich bin in den Film gerannt, damit ich einen Verriss schreiben konnte. Und ich bin nicht enttäuscht worden.

  2. Aber Sachsana, für Burnsters Groll- und Zürnbeiträge lieben/lesen ihn die Leute doch! Er ist eben nicht so ein Schaumschläger, wie machn anderer der Blog-Zunft.
    Und ich fand Babel auch öde.

  3. Burnster! Das ist ja krass. Nora und ich waren gestern auch in diesem Schwachsinnswerk. Unser Hobby ist es seit Brokeback Mountain (hahaha), zu überlegen, welche Szene denn die vorher geplante Oscar-Szene war. In diesem Scheissfilm wimmelt es nur so davon. Übel: das verrückte Kindermädchen, das modern-dance-artig durch die Wüste springt. Ganz übel: die Pinkel-Szene. Und natürlich das Final-Bild, mit der nackten Taubstimmen im Arm ihres Vaters… meine Güte, wieder ein Irrer, der sich auf uns loslässt.

  4. ach, burnster, burnster… einmal hast du mich gefickt, jetzt bin ich an der reihe. du siehst es zu global und lässt dich dadurch von dem titel verwirren. das ist nur eine der viele facetten des films. im großen und ganzen geht doch um deine mitmenschen. du verstehst es, man versteht es, man weiss auch alles. aber die geschichten ganz einzeln zu sehen, alleine der kurze abschnitt, in dem die beiden jungen sich in den wind fallen lassen… burnster, scheisse nochmal! „das ist keine liberale wichsfantasie“ wie sich (der lieblingsblogger) uli dazu geäußert hat! wissen und verstehen ist hier nicht alles. darum geht es meiner meinung auch. fick verstehen. meiner meinung nach geht es hier um mitgefühl. alles einfacher sehen als man denkt. die hirnmasse im dreck ersaufen lassen.

  5. Auf diese Weise und von dir lass ich mich gerne ficken. Das ändert nichts an meinem Urteil über den Film, aber das emotional-individuelle Gegenargumenten ist das einzige, das ich im Ansatz zählen lasse. Und jetzt geh ich mal Uli lesen.

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