Tage der langen Messer

But it’s gone to the dogs in my mind.
I always hear them when the dead of night
comes calling to save me from this fight.
But they can never wrong this right.

(The Killers – Bones)

Es ist Samstagnachmittag, die Sonne bricht in diese Wohnung, ich presse Blutorangen aus und die Long Blondes laufen. Es ist 15:00 Uhr, ich bin gerade erst aufgestanden und der Zahn, aus dem mir die Plombe gebrochen ist, pocht und quält mich. Gestern nacht war ich so erschöpft, ich war der Ohnmacht nahe. Ich hatte kein gutes Blatt bis zu dem Flush am Ende. Die Schulden halten sich somit in Grenzen. Später hat sie mir erzählt, dass sie sich wiedererkannt hat in diesem Buch. Sie sei verrückt. Cholerisch und verrückt. Die Andere ist einen Kopf größer als ich und etwas derbe, aber sehr hübsch, auf eine erwachsen mädchenhafte Art. Die Dritte ist nachts alleine, sagt sie. Sie sitzt da oben und lügt auf mich herab und sagt, das ist ihr gutes Recht. Schließlich sind wir ja hier nun wirklich zuletzt der Wahrheit verpflichtet. Die SMS kommen rein und gehen wieder raus. „So toll von dir zu hören.“ und so weiter und so weit fort. Noch ein Gin Tonic, dann durch den Regen. Noch ein Gespräch, noch ein Augenaufschlag, dann zurücksteigen in die Matratzengruft. Heute abend spielen die Killers und es gibt Leute, die denken bei den Killers an mich und es gibt Leute, an die denke ich bei den Killers. Wir sind alle Killer, wir sind alles Serienkiller. Wir töten und töten und können nicht aufhören, bis uns selbst jemand die Gurgel durchschneidet. Wir sind den ganzen Tag im Blutrausch, wir töten, um zu überleben.

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Während ich die Blutorangen schneide und im Kopf die nächsten Opfer durchgehe, telefoniert in diesem Moment sicher jemand und schaufelt mir mein nächstes Grab. Kate Jackson singt: „What’s eating you is a mystery but go home with her one more time and you know you’ll be history.“, der NME mit der widerlichen Beth Ditto liegt auf dem Küchentisch und ich rauche eine Zigarette, fühle mich augenblicklich wieder kaputt und hilfsbedürftig. Da ist wieder dieses Verlangen, das einen so verwundbar macht. Einfach nur zu liegen und jemand zu berühren. Wenn du das willst und nicht mehr, bist du die Beute für den Wolf. Dann beisst er dir die Kehle durch und verspeist dich die restliche Nacht. Also lieber selbst der Killerwolf sein. Berlin, Berlin du bist mein Jagdgrund. Berlin, Berlin, du bist das beste Pflaster für den Straßenkampf. Die letzte Sonne des Tags bricht herein und wir wetzen langsam die Messer für die Samstagnacht.

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