Dritter Nachruf: Der Unheilige

von Barbara Blender

Als letzte Frau, die offiziell mit Herrn Burnster das Bett teilen durfte, obliegt mir nun in diesen schweren Stunden wohl das Recht und die Pflicht, für alle Frauen zu sprechen, die ihm hinterher trauern, trauerten oder trauern würden, wenn er nur länger im Diesseits verweilt hätte. War er doch unser Abziehbild des wütenden, jungen Mannes, dem wir mit Freude unser Herz hinwarfen, damit er es mit dem Absatz seines Cowboy Stiefels in tausend Stücke zertrat. Mit wem sollen wir nun die wilden Tage unseres Lebens verbringen? Wer wird uns in den gestohlenen Nächten, zu all den Dingen abseits unseres durchgeplanten Lebensweges verführen? Woher soll der süße Schmerz nun kommen, hervorgerufen durch das Versagen den Unbezähmbaren nicht bändigen zu können, der uns uns, in dem grauen Einerlei der vorüberziehenden Jahre, lebendig fühlen lässt? Keine Narben, keine Sprünge, kein Schmutz mehr in der polierten Oberfläche des Alltäglichen. Hast du daran gedacht in welchem Wahnsinn der Langeweile du uns zurücklässt? Von wem sollen wir nun gebrochen werden, damit wir uns in die sicheren Arme eines Anderen werfen können? Ist es das was du uns vermachst? Deine Einsamkeit? Zumindest sind es Fragen. Fragen die immer bleiben, wenn jemand ohne Abschied geht. Fragen, die das Weiterleben zur Qual machen. Fragen, die auf immer ohne Antwort sind und vorwurfsvoll in den dunklen Ecken unserer Zimmer darauf warten, uns in einem unbeobachteten Moment zu packen und zur Strecke zu bringen. Und da liegen wir nun in unserer ganzen Trauer. Nur hoffend, dass du einen Nachfolger benannt hast, der dein Erbe weiter trägt. Denn diese Lücke muss gefüllt werden. Und sei es nicht für uns, dann für die Mädchen, die noch kommen werden. Voll unschuldiger Neugierde von dem seelenlosen Schein der Großstadtlichter angezogen, müssen sie die Möglichkeit bekommen ihren Tribut zu zahlen an den Herrscher der Unterwelt, den unheiligen Burnster.

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8 comments

  1. Liebe Barbara, liebe Frauen,

    wer wäre ich, der anzumaßen sich erdreistete, das so wunderbar bittersüß verkommene L(i)ebenswerk unseres Unheiligen auch nur im Ansatze in solch tausendfach herzeberstender Gewalt fortführen zu können. Es gab nur ihn, und wenn von diesem Verlust etwas bis zum Tage des Jüngsten Gerichts bleiben wird, dann doch die verhornte Narbe der Lücke, die er hinterlässt, und unter der eitrig die Pestbeulen der Sehnsucht nach ihm schwären.

    So können ergo meine Worte nur als die eines Jüngers verstanden werden, eines Täufers, der treueste Bereitschaft erklärt, das Vermächtnis des Gegangenen anzutreten und seine Botschaft hinauszutragen in die Welt der Weiberleiber und – seelen. Hier stehe ich, ich kann und will nicht anders! Nehmt mich an seiner Stell´ und lasset mich euch nehmen.

  2. Ich habe darauf gewartet. Sehnsüchtig. Ein Nachruf aus weiblichem Munde für den eine weit klaffende leere Lücke Hinterlassenden. Ich habe es immer gewusst, dass es so kommen muss. Das also ist die Sichtweise der hinterbliebenen Damen. Ach Burnster, könntest Du das doch noch lesen, vieles würde Dir nun klar werden. Wieviele Stunden hätten wir uns sparen können an unendlich scheinenden Diskussionen über die Angebeteten, über das scheinbar nicht zu Ergründende? Zu viel Romantik, zu viel Tiefgang, all das wäre nicht nötig gewesen. Mädchen können so logisch sein. Nicht für Dich und uns.
    „No no no, don’t take them off…“
    So long, Legend Killer.

  3. Und nicht zu vergessen, die Frauen, die es nicht geschafft haben noch vor seinem Ableben offiziell das Bett mit ihm zu teilen, die sind nun endgültig dem Wahnsinn nahe … verloren für immer, vertrocknete Blüten den Weg seines Sarges auf seinem letzten Weg begleitend, sich nach dem Unheiligen verzehrend, schluchzend.

    Ein Trauerspiel, das Ganze.

  4. Liebe traurige Sülzgemeinde,

    euch überleb ich doch sowieso alle. Was soll überhaupt das ganze Gequatsche? Die wichtigste Frage hat bisher noch keiner gestellt, die an den Notar nämlich:

    Wann ist denn nun endlich die Testamentseröffnung?

  5. die soullegende james brown wurde aufgebahrt in einer weißen kutsche durch die bronx gekarrt… wann rollt der burnster durch berlin?? okay, soul scheint nun nicht unbedingt das ding der stunde gewesen zu sein, aber legendär könnte nach den vielen nachrufen schon eher hinkommen. *grübel*

  6. Guter Gedanke, Pat Bateman, guter Einwurf. Wat mut, dat mut. Wo genau sind denn jetzt die gammelnden Reste vom Unsterblichen?

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