Seen und siegen

Uns gehört nur die Stunde.
Und eine Stunde, wenn sie glücklich ist, ist viel.
(Theodor Fontäne)

Einem glücklichen Umstand verdanke ich die Tatsache, dass ich innerhalb von nur drei aufeinander folgenden Tagen den Gardasee unmittelbar mit dem Wannsee vergleichen konnte mit einem Tag Münchner Isarauen dazwischen. Und ich bin wirklich beseelt von jeder dieser drei Badeokkasionen.

Der Gardasee im Mai entbehrt scheinbar jeglicher touristischer Grundlage, zumindest in Torri Del Benaco, Malcesine und Garda. Man ist nahezu um jedes sich anschweigende Ehepaar aus dem Spessart froh, um nicht allein im Restaurant mit Seeblick zu sitzen. Dazu ein von Badetourismus vollkommen unverbrauchter Blick auf den See, wie er seelenruhiger nicht sein könnte. Lediglich das obskure Gardaland, ein Vergnügungspark ohne Markenrechte, quoll über vor vergnügungssüchtigen Italienern und Österreichern.

gardasee.jpg

Was die Badekultur angeht, war dann aber tatsächlich Seegrabesstille angesagt. Ich habe in einer Woche genau einen Menschen im Wasser gesehen. Das hat mich dann auch dazu bewegt, lieber den Hotel-Pool rückenschwimmend zu durchqueren statt dem geplanten Kraul rüber nach Maderno. Menschenmangel im Badewasser kann man dem Wannsee wiederum nun nicht gerade vorwerfen. Ich finde nicht, dass ich eine ganz üble Strandfigur mein Eigen nenne, aber gegen die vorgebräunten Vorstadt-Proleten mit McFit-Lifetime-Abo kam ich mir vor wie Dirk Bach als Hospitant beim chinesichen Bodenturner-Konvent. Dennoch war die Stimmung gut. Wie ein junger Hund schmiss ich mich ins flache Nass, prellte mir den traumatisierten Rücken, aber nach 25 km Anreise per Fahrrad wird man auch in seinen Erfrischungsansprüchen eher flach als als tiefgreifend. Aber – ich wiederhole mich da gerne – die Stimmung war super, da kam der Gardasee mit seiner altehrwürdigen Kulisse nicht hinterher.

wannsee.jpg

Die Münchner Isarauen rund um die Wittelsbacherbrücke werden ja grade auch in Sachen Badekultur beschaufelt und bearbeitet und ich hab der Isar ja bademäßig noch nie über den Wasserweg getraut (seid ich mal mit Würmern in der Unterhose aus dem Nordteil des Englischen Gartens vom Baden zurückkam), aber ich denke da ist Spielraum nach oben bzw. nach unten und ich war ja schon immer großer Fan des bayerischen Badeduktus: „Hauptsach noß samma gworn.“ Insofern gilt trotz Smog am Flaucher und Grillverbot an der Reichenbachbrücke immer noch mein Argument: Wenn man im Sommer die Isar entlang läuft kommt man zwar zufällig durch München, merkt es aber eigentlich gar nicht. Green Hell serves well.

Als Bonustrack sei mir eine eher ungewöhnliche Badeempfehlung gestattet. Direkt vorm Kanzleramt kommen so komische Fontänen aus dem Asphalt. Bombig belebend. Nur mit dem Fahrrad sollte man nicht durchfahren, außer ein Slide ohne Hinterrad ist intendiert. Sieht freilich auch super aus.

fontane.jpg

11 Gedanken zu „Seen und siegen

  1. Schön schön, lieber Urlaubsmarathoni!
    Das norddeutsche Pendent zu “Hauptsach noß samma gworn? besteht übrigens nur aus einem Wort: „Flachköpper!“.

  2. Klasse Fotos und dazu noch ein Zitat vom Theo (unserem brandenburgisch-preußischen Vorzeige-Dichter) – sehr schön!

    Denk dran mir die Bilder zu schicken! Ich muss doch angeben vor der Rakete, wie schön es war.

  3. MC: merk ich mir, gefällt mir.

    Rabauke: Langsam Junior, du bekommst deine Nacktfotos schon noch früh genug.

  4. Gscheits Programm… in welchem Zeitrahmen hast du die Seentour absolviert?
    Ich persönlich liebe ja den Gardasee, allerdings muss ich auch dazusagen, ich habe Freunde da unten, die in einem entzückenden, verschlafenen Nest am Berg leben, da ist allein der Kaffee auf der Terasse in der Früh mit Seeblick schon ein eigenes Lebensgefühl!

  5. du ganz bestimmt, burnster, du ganz bestimmt ;-)
    und wie siehts mit weiterem neid aus, wenn ich dir erzähle, dass ich im Juli 5 Tage nach Holland zu einer Freundin jette?
    Und einen Hotelgutschein für 2 Nächte Prag habe, den ich gedenke, im August einzulösen? Hm? Was sagst jetz?
    (Ich weiss, ich bin einfach ein Glückskind, seit 8 Jahren auf der Butterseite des Lebens, und über die 30 Jahre davor red ich nicht mehr….)

  6. Übrigens, Lu, ich war neulich in Oberhausen und hatte schon mit einem konspirativen Treffen geliebäugelt, aber der vorgesehene Zeitpunkt dafür war von einem Brutalkater überschattet. Und ich meine kein Fellchen.

  7. brenner, ich poche lauthals auf das nächste mal.
    gegen ausgewachsene kater habe ich fachfeste rezepte, glaub mir.

Kommentare sind geschlossen.