Kalifornien

The sea was red and the sky was grey
I wondered how tomorrow could ever follow today
The mountains and the canyons
Started to tremble and shake
As the children of the sun began to awake.
(Led Zeppelin – Going To California)

Ich warte noch bis ich aus San Francisco raus bin. Und dann noch ein bisschen länger, bis ich meinen Navigationsfehler berichtigt habe. Als ich dann endlich auf dem Highway One einfädle und das erste Mal die Küste sehe, setze ich meine Aviator auf und mach das Radio laut. Ich glaube, es ist George Clinton. Aus dem Staunen kommst du ja nicht mehr heraus in diesem Staat. Wär ich Küsten-DJ, ich würde Südfrankreich spielen, dann ein bisschen Amalfi, einen Hit aus Kreta und natürlich die irische Westküste. Dann würde mir jemand die kalifornische Küste leihen, ich würde sie auflegen und sie klänge wie eine Greatest Hits aus allen Küstenstrichen die ich kenne. Wahnwitz, ist das ein Idyll. Zu Tausenden winden wir uns an Adriaküsten oder auf Mallorca und hier ist alle 2 km ein nahezu gottverlassener Strand mit der vierfachen Kapazität und dem rauen Charme, den wir an öffentlichen Badestränden immer vermissen. Dass da keiner ist, liegt auch am arschkalten Pazifik, aber wer muss schon ins Wasser, wenn er in den Himmeln baden kann?

In Santa Cruz stoppen wir und gehen ins Kino. Eins aus den dreissiger Jahren. Sieht aus wie im alten Ägypten und das sollte nicht die letzte Ägypten-Reminiszenz in diesem Urlaub sein. Aber am nächsten Tag dann wieder weiter, die Küste entlang, ab jetzt statt Motown Vinyl Rock Classics im Satelliten-Radio. Allman Brothers, Alice Cooper, Hendrix, Jethro Tull, vor allem Led Zeppelin (Going To California), ein einziges niemals endendes Gitarrensolo. Dazwischen Steve Miller Greatest Hits 74-78, allein der Name war den Kauf wert. Zudem ein Album aus den Salattagen meiner musikalischen Prägung. Wir halten in Carmel By The Sea, wo keine Neonreklame angebracht darf und der Strand wohl in etwa noch so aussieht wie bei der Erstbesiedlung. Wo Clint Eastwood Bürgermeister war und Ernest Hemingway und Jack London die Seelen durchhängen ließen. Wo ich die besten Donuts meines gesamten Lebens in der Bäckerei gekauft habe.

Der Abschied von der Küste kommt bald, denn im Landesinneren gibt’s ja auch das ein oder andere zu sehen. Den Abschluss unserer Küstentour bildet die Big Sur Region und fuck, das ist mir fast zu pittoresk. Meine alteuropäischen Sinne funktionieren nicht in solchen Größenordnungen. So wie ich New York als Stadt kaum begreife, erfasse ich auch diese Natur in ihrer vollständigen Schönheit nicht.

Auf der Fahrt ins Landesinnere streifen wir noch ein wenig Wine Country, das man spätestens seit Sideways nicht nur vom Hörensagen kennt und legen uns an den Pool in Fresno, bevor Yosemite am Morgen des nächsten Tages in seiner surrealen Pracht wie aus einem kitschig gemalten Hollywood-Backdrop erstrahlen darf. Und wenns vorher Best Of Küste war, dann sind wir jetzt bei Best Of Berge. Wir mit unseren Alpen und Pyränen. Und wenn New York aussieht wie von einem Könner bei Sim City, dann waren auch hier höhere Strippenzieher am Werk und mir ist schon klar, warum der Kalifornier gerne von God’s own Country spricht, auch wenn ich persönlich keine spirituellen Chefs neben Kid37 und Elvis akzeptieren möchte.

Ach, Eastern Sierra, ach Lake Isabella, ach Death Valley. Ach überhaupt. Und dann die ältliche deutsche Aussteigerin am Lake Isabella, die sich vor den vielen blitzenden Lichtern der Ballungsgebiete ängstigt und der die Tatsache stinkt, dass ein paar verblendete Jungspunde wie wir tatächlich nach Vegas wollen. Wollen wir aber und dafür fahren wir mit 6 Gallonen Wasser bewaffnet auch durchs Death Valley, wo man sich tatsächlich einen Storch braten könnte, setzte man ihn auf die Motorhaube eines schwarzen Dodge ohne Klimaanlage.

Das sind Landschaften, über die ich nicht berichten kann. Wüsten. Das Beste. Mehr fällt mir nicht ein, ausser dass das Cover der ersten Sealevel auch aus Death Valley kommt. Mein Gott (huch jetzt fang ich auch schon an), ist das ein Land. Aber bevor wir mit Palm Springs und L.A. einen würdigen Kalifornien-Abschluss zustande bringen, müssen wir einen Umweg über Nevada machen. Denn da liegt Vegas. Und auf dem Weg dahin werden wir noch ein bisschen Auto fahren. Mit meiner Aviator, dem Vinylsender und einem weiteren, der nur 90er Jahre Grunge spielt. Immer schön easy riden.

6 comments / Add your comment below

  1. Wow, ich hoffe ich schaff’s nächstes Jahr auch endlich nach Amerika. „On The Road“ hab ich ja vor kurzem erst wieder gelesen, den zweiten Teil gibt’s jetzt wohl grad von Burnster himself und Teil 3 will ich dann selbst erleben :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.