Wo der Hammel hängt

Ich bin ein Neidhammel. Immerhin ein selektiver. Ich gönne den Idioten nix und den netten Menschen alles, neidisch auf anderer Leute Erfolg bin ich trotzdem bei beiden Fraktionen. Allerdings ist das eine ein wohlgemeinter und das andere ein destruktiver Neid. Beispiel: wenn jetzt zum Beispiel der Rationalstürmer eine eigene Kolumne bei Spiegel Online bekäme, wär ich zwar neidisch, weil ich die freilich auch gern hätte, aber der Neid tut nicht weh, weil der Mann ja ein Könner ist und ich ihn in meiner simplizistischen Weltsicht als einen von den Guten klassifiziere. Käme jetzt aber beispielsweise der bloggende Antichrist und Volldepp ….. (Name von der Redaktion durch Pünktchen ersetzt), wär ich zutiefst verletzt. Dann ginge mein Neid einher mit einer direkten Demütigung meiner Person und ich wär durchaus im im Stande, ausfallend bis widerlich zu werden.

Ich will mich da nicht rausreden. Neid bleibt eine hässliche Eigenschaft und ich schäme mich ja schon zutiefst, wenn ich meiner Frau den letzten Kinder Maxi King aus dem Kühlschrank neide, den sie sich ohne zu fragen geholt hat, als ich morgens noch das Reich der Träume hütete. Man sieht schon, wie man es auch dreht, wendet und formuliert, die Vokabel Neid hatte schlechte Chancen auf das Kuschelwort des Jahres. Deshalb ist wichtig, dass man den Neid zumindest nach aussen ein bisschen unter Kontrolle hat. Es gibt ja Leute, denen der Neid förmlich ins Gesicht geschrieben steht. Die aussehen, als hätten sie ein halbes Hendl verschluckt, wenn man ihnen mal was Positives aus seinem Leben erzählt. Dann gibt’s auch solche, die einem von vorn sehr souverän ins Gesicht beglückwünschen, aber hintenrum sofort Verdauungsschwierigkeiten bekommen. Ist beides okay.

Wirklich schlimm sind aber die, die jedem alles gönnen. Nicht nur, weil wir Neidhammeln uns dann fühlen wie der letzte Dreck der Menscheit, sondern auch, weil das eine ganz gemeine nihilistische Einstellung ist, die Gönnerhaftigkeit. Eine ganz fiese Indifferenz ist das nämlich in Wirklichkeit. Denn neidet man wirklich niemanden gar nichts, dann ist man ja so mit sich im Reinen, dass man eigentlich ganz gehen kann. Da braucht man dann zu niemanden mehr sagen: „Ich freu mich ja so für dich.“ Also, wär ich mal völlig mit mir im Reinen, ich würd mich direkt vom Acker machen. Also natürlich in Absprache mit meiner Frau. Nicht, dass die noch neidisch wird, wenn ich den ganzen Tag auf meinem tibetanischen Gebetsteppich in der Toskana rumhänge und nix arbeiten muss.

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  1. Interessant! Mir fiel so beim lesen auf, dass ich unter einem ganz anderen Neidproblem leide. Ganz egal wer oder warum jemand das Gefühl in mir erzeugt, ich brauche einfach unwahrscheinlich lange bis ich merke, dass der kleine, eklige Wurm in meiner Magengegend eigentlich der Neidhammel in mir ist. Bis dahin ist die Situation aber sowas von vorbei in der man’s dem anderen noch reinwürgen könnte, dass ich damit letztlich immer alleine bleibe. So zum „dann doch noch nachtreten“ reicht’s meistens nicht. Manchmal ist das richtig schad :-)

  2. Bin auch nicht frei: Den Menschen, die ich mag, gönne ich alles Gute dieser Welt, selbst wenn ich denke, es mehr verdient zu haben; und den zahllosen Arschlöchern halte ich eine positive Schilderung sofort als Selbstbeweihräucherung zu Schlechte, versteinere meine Gesichtszüge und überlege schon, wie ich ihnen das Positive vermasseln oder zumindest entwerten kann.

  3. Das wird jetzt diffizil. Weil eigentlich bin ich ja ganz gerührt, wie nett du „Stuermi“ sagst. Mit sowas derwischt man mich im Moment a bisserl sehr in der Zirbeldrüse.

    Uneigentlich bin ich hingegen sauneidig darauf, wie noch viel netter du „meine Frau“ sagst, weil mit sowas derwischt man mich im Moment noch viel mehr, und nicht nur in der Zirbeldrüse. Was halt nicht so einfach ist, wenn man auf einmal feststellt, dass man neben dem großen Nachtretmuskel auch noch ein Herz hat.

    So ein Scheissdreck aber auch.

  4. Lieber Stürmi (hatte neulich keine umlaute auf dem arbeitsmac),
    Dass du ein Herz hast wie ein Berwerk, das wissen wir doch schon seit deinem beherzten Madsen-Bashing anno 04. Oder wars 05? Noch auf deinem alten greislichen Blogger Account. Damals dachte ich mir schon: wer so laut in den Wald hineinbrüllt, der sehnt sich nach dem großen Widerhall.
    Dein Bürnsi

  5. Neid ist die größte Form der Anerkennung und führt bisweilen zu chronischer Gastritis und um die beneide ich keine(n).

  6. 05, glaub ich. Und jetzt kann ichs ja zugeben, dass ich seinerzeit neben denen ihrer Scheißmusik und Scheißposerei vor allem neidig war, weil ich um drei Ecken eine gekannt hab, die ich ganz ansprechend fand und die aber leider auf einen von den Arschlöchern gesponnen hat, diese Mistamsel, diese verreckte.

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