Das Beste aus meinem 2008er Leben (1)

Ich weiß, ich bin spät dran, aber ein paar Kulturlobhudeleien will ich noch loswerden, bevor alles wieder von vorn losgeht.

Musik des Jahres:
Vampire Weekend. Weil die mich wirklich durch eine scheiß Zeit navigiert haben. Und mehr muss Musik nicht können. Da ist dann auch auf die Einflüsse, Referenzen und die Glaubwürdigkeit der Musikanten geschissen. Wenn die sowas können. Einen durchbringen.

Dann waren da noch ein paar wirklich gute Songs vom zweiten Gaslight Anthem Album, vor allem „The 59 Sound“ selbst. Da denk ich an den Tod, mir läuft es kalt den Rücken hinunter und dann muss ich lächeln, weil’s ja in der Regel immer so viel Leben und so wenig Tod im Leben gibt. Und ich das beruhigend finde.

Am lautesten auf meinem 70er-Jahre Kenwood Receiver habe ich die Ting Tings-Singles gemacht und im Auto habe ich festgestellt, dass das hervorragende Santogold-Album eigentlich eine Hardrock-Platte ist. So rein vom Wums her.

Die Killers haben mit „Day And Age“ kurz vor knapp noch ein recht kitschiges Pet Shop Boys Tribute veröffentlicht. Auf dem haben mich nicht alle, aber dafür ein paar Songs ziemlich beeindruckt, ob ihres naiven Optimismus, 2008 als gefeierter Alternative-Act eiskalt Schmalzpopsongs zu schreiben. Und hat mich Brandon Flowers 2006 noch zum verwilderten Schnurri inspiriert, so hat er mich jetzt zur Glattrasur überredet.

Ziemlich gut, wenn auch nicht durchgehend, fand ich auch „Only By The Night“, die letzte Kings Of Leon, als sie rauskam. Das schweißschießende „Sex On Fire“ und „Use Somebody“ werden ein paar Sommer überdauern. Schon allein, weil ich „Sex..“ mehrmals auf den kalifornischen Highways im Radio gehört habe.

Death Cab For Cutie buhlten mit dem angenehm verschrobenen „Narrow Stairs“ nicht um ihr OC California Publikum und Hot Water Music haben sich immerhin wieder so lieb, dass sie auf Tour gehen konnten und eine grandiose B-Seiten Kompilation veröffentlichten. Apropos Kompilation, es gab ein Leatherface Tribute mit einigen interessanten Covers, das mich zu meinem Eigenen motivierte.

Die aktuellen Platten von Alkaline Trio und Saves The Day waren meine jährliche Ration Düsteremo, aber da die Inszenierung meines Berliner Solitärwolfdaseins 2008 gottseidank nicht stattfand, war mein Bedarf an musizierter Todessehnsucht nicht so groß.

Ich komme nicht umhin, die notorischen Fleet Foxes zu erwähnen. Ich fand das Album nicht so großartig wie viele meiner Zeitgenossen, aber für „Mykonos“ auf der EP sollte die Band einen Preis erhalten. Und zwar für den einzig legitimen Thronfolger für „New Slang“ von den Shins. Und in meinem Buch ist das einer der wichtigsten Musikpreise. Ich bin übrigens nicht der Bon Iver-Melancholie verfallen und Hercules & Love Affair gingen mir am Arsch vorbei. Für die Besinnung war bei mir die aktuelle Sun Kil Moon („April“) zuständig.

Ansonsten war 08 ein musikalisches Retrojahr für mich. Ich habe wieder viel Thin Lizzy ausgegraben und nachgekauft, mir acht Bruce Springsteen-Alben und Steve Miller Greatest Hits 74-78 zugelegt, Anthrax-Songs auf der Gitarre nachgespielt und Slayer Texte im Booklet mitgelesen. Zudem war mir irgendwie nach Aufschrei und amerikanischem Hardcore und so nenne ich nun neben „Start Today“ von den Gorilla Bicuits auch ein paar Sick Of It All Cds mein Eigen. Ach, du wilde Studentenzeit.

Ein bisschen angekäst haben mich die neuen Alben von Bloc Party und The Constantines. Nicht übel, aber die können das besser. Das AC/DC Comeback war auch eher mediokrer Natur, da haben Airbourne den besseren Job gemacht. Metallica hätten gleich ganz zuhause bleiben sollen und die rote Weezer war solide, aber keine Erleuchtung im Sinne von „Pinkerton“. Gleiches gilt fürs vierte und gerne auch letzte The Verve-Album.

Es folgen die Kategorien zu Film, Serien und Games an den kommenden Tagen. Gerne mehr noch nicht erwähnte kulturelle Glanzlichter in die Kommentare, bitte!

11 Gedanken zu „Das Beste aus meinem 2008er Leben (1)

  1. Gute Zusammenstellung lieber Chef!

    Auf meiner 2008er-Liste wären noch Port O’Brien mit „All We Could Do Was Sing“ und Okkervil River mit „The Stand Ins“ – dementgegen flögen Killers und DeathCab raus.

  2. Au weia. Hab‘ mich selten so hinterm Mond gefühlt. Naja, eigentlich erst letzte Woche, als mir eine sympathische Mittvierzigerin geduldig die aktuell angesagten Popacts aufzählte.
    Aber sogar ich hab‘ letztes Jahr Alben gekauft! Zum Beispiel ClickClickDecker und Jupiter Jones. Und natürlich die neue The Streets. Vielleicht ist noch nicht alles verloren…

  3. Schuld is ja eigentlich der Herr Kid: Miss Li. Musikalisch jetzt nicht so eine Offenbarung, aber eine Rubrik namens Weiber 2009 bietest ja leider nicht an … obwohl deine Auswahl ansonsten ja recht korrekt ist, auch wenn wie das Stilhäschen ja nix mehr mitkrieg von was man grad so hört.

    Jedenfalls ist die halt so schön drall. Und dann die Szene im Clip, wo ihr das Kleid so naufrutscht. Jessasmariaundjosefnaaaaa!

  4. Juri: Port O’Brien ist auch so eine Sache wie Fleet Foxes. 2, 3 super Songs, aber das wars dann auch schon. OR hatte ich nur mal kurz durchgehört. Da erlaub ich mir lieber keine Meinung. Killers 08 sind grenzwertig, das räume ich gerne ein

    Stil: CCD und JJ kenn ich jetzt nur vom Hörensagen. Die 08er war die erste Streetsplatte, die ich nicht mehr gekauft oder gehört habe. Recht hitlos das Ding, oder?

    Rationalstürmer: Hättest ruhig verlinken können, du Stinkstiefel.

  5. Gutes Album, keine Frage. Erschien als Mp3 aber schon 2007. „Set Yourself On Fire“ kann es nicht toppen meiner Meinung nach. Das war ein Jahrhundertalbum. Und es war bereits das dritte, falls Sie das meinten, Frau Modeste. Sorry für den Klugschiss:)

  6. Na, Herr Burnster, dass Sie mich musikwissenstechnisch toppen, da besteht doch keinerlei Zweifel. Tatsächlich war ich auch etwas am Überlegen, ob wirklich 2008 – oder nicht doch 2007 …. Man wird vergesslich. Falls ich das jemals gewusst habe.

  7. “ “Set Yourself On Fire? kann es nicht toppen meiner Meinung nach. “

    Ich bin derselben Meinung!

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