Das Beste aus meinem 2008er Leben (2)

Bewegtbild des Jahres/Kino

Ich werde hier keinen Originalitätspreis gewinnen, aber The Dark Knight hat mir genau den Batman gezeigt, den ich schon als Kind immer im Kino hatte sehen wollen. Hart, realistisch und mit einem eindeutige Crime-Hintergrund. Nicht umsonst steht DC für Detective Comics und ein ebensolcher war Batman in den Alben meiner Jugend. Überhaupt ist mir das als Superhelden-Fan das Wichtigste an den Verfilmungen. Dass die Mythologie intakt, aber dennoch halbwegs plausibel bleibt. Christopher Nolan hat es schlau gemacht und sich inkl. dem Bankangestellten am Anfang des Films Einiges bei Michal Manns „Heat“ abgeschaut. Und so haben wir mit „The Dark Knight“ einen ganz aufrichtigen modernen Film Noir, in dem am Rande ein sogenannter Superheld mitmischt. Ach ja, und ein entfesselter Heath Ledger.

Es tat auch sehr gut, einen weiteren ewigen Helden meiner Jugend wiederzusehen. Der Plot war nicht das Gelbe vom Alien-Ei und LaBeof besaß die Fallhöhe eines Bettvorlegers, aber Harrison Ford in Indiana Jones And The Kindom Of The Crystal Skull gab mir ein bisschen heroische Geborgenheit zurück. Dafür benannte ich auch in der Folge meinen Ford Escort Kombi nach ihm. Und selbst ein dermaßen durchwachsener Film schlug noch alle „Nicholas Cage und das Geheimnis des geheimen Presidenten-WCs“ um Längen.

The Darjeeling Limited war genau der Wes Anderson Film, den ich mir immer gewünscht hatte. Man verstehe mich nicht falsch, ich mag seine anderen auch, aber die Charaktere plausibler und die Gags ein bisschen reaktionsschneller zu machen, haben Großes bei diesem Film bewirkt. Ebenso wie das Timing von guter Musik an der richtigen Stelle. Ich erinnere nur an Adrien Brodys Jagd nach dem verpassten Zug und den wundervollen Kinks. Liebenswert vom ersten bis zum letzten Waggon lautet mein Prädikat.

Liebenswert traf auf No Country For Old Men nicht unbedingt zu, auch wenn man Javier Bardems Frisur schon den ein oder anderen putzigen Moment abgewinnen konnte. So richtig umgehauen hat mich das staubtrockene Kill-Dich-Ein nicht, aber für die cineastischen Glanzlichter des eine ereignislosen Jahres reicht es mit links.

Gemeuchelt wurde auch ganz gewissenhaft beim Midnight Meat Train, einem Beitrag zum Fantasy Filmfest, der eine U-Bahn zum Schauplatz diverser Metzgereien umgestaltet, dabei das Rad nicht neu erfindet, aber eine Atmosphäre schafft, die es mir beim folgenden New York Urlaub etwas schwerer machte, nach 12 in die U-Bahn zu steigen. Vinnie Jones sei Dank.

Ein bisschen enttäuscht hat mich Jennifer Lynchs Unter Kontrolle (Surveillance). Trotz eines grandios abgehalfterten, kettendampfenden Bill Pullmans konnte mich die Handlung nicht richtig in ihren Bann ziehen. Außerdem hatte ich kurz danach mal wieder „Mulholland Drive“ vom Papa Lynch gesehen und war zudem auch in L.A. auf dem Drive selbst gewesen. Da konnte Jennifers Film ja nur abstinken.

Und so leid es mir tut, ich muss auch eine Lanze für I Am Legend brechen. Ich fand ihn erschreckend, atmosphärisch und spannend genug, um mich nicht an Will Smith als Protagonist zu reiben. Und das heisst was, seit Big Willie auf meiner Scientologen-Abschussliste steht. Wer übrigend die Charlton Heston Version („Der Omega-Mann“) nicht kennt, sollte sie mal nachholen. Skurril bis zum Abwinken, selbst für die 70er Jahre.

Der beschissenste Film 08 war wohl die Stephen King Verfilmung „Der Nebel“ und der beschissenste, den ich auf DVD gesehen habe, definitv „Free Rainer“. Wer sich wundert, warum ich „There Will Be Blood“ nicht unter den Faves hatte, dem sei geantwortet: Zuviel Daniel Day-Lewis, zu wenig Handlung. Auch wenn mir bei ein paar Einstellungen fast die Spucke vor Bewunderung weggeblieben ist. Aber das ist eben nicht alles. Eine Ehrenerwähnung gilt noch Argento Mother Of Tears. Hier kann man lesen warum.

Bewegtbild/Serien

2008 war das Jahr, in dem ich mehr Serien denn je zuvor gesehen habe. Deshalb erwähne ich nur ein paar und reiße kurz die Vorzüge an.

The Wire: alle Staffeln hintereinander absorbiert. Bestes und glaubwürdigstes Kriminal- und Sozialdrama aller Zeiten. Ein Ruck durch die Klassen, ein Ruck durch die Massen. So gut und präzise, dass der große Quotenerfolg ausbleiben musste. McNulty, my office. What the fuck did I do? Baltimore, ich werd dich nie bereisen, aber immer vermissen.

Dexter: spannend, witzig, absurd. Irrsinnig gut gecastet und frech wie Oskar in der Handlungsführung. Unstimmigkeiten im Plot? Geschenkt. Fantastisches Entertainment und Michael C. Hall noch verkorkster als in seiner David Fisher-Rolle.

Mad Men: Hab ich auf Blu Ray gesehen, das hat den Detailreichtum der Ausstattung vermutlich noch eindringlicher gestaltet. Hab ca. 5 Folgen gebraucht, um an der Handlung zu haften. Danach war ich Donald Draper-Fan in Mark und Bein. Diese Kampagne hat gefruchtet. Ausserdem funktioniert kaum ein Serientitel auf so vielen Ebenen: Mad Men (=Irre), Ad(vertisement) Men, Madison (Avenue) Men.

Rome: 2008 holte ich endlich die zweite Staffel nach. Der vielleicht teilweise unbeabsichtigte BBC-Humor ist etwas auf der Strecke geblieben, aber bei dem Ausmaß an Intrigen und Abschlachterei war die Luft auch recht dünn für Pointen. Großartig grenzwertig und trotzdem erstaunlich nah an der Historie.

Lost: Mei, was soll ich sagen. Es hat mich auch erwischt. Schuld ist meine ehemalige Abteilung, die ihrem Chef zum Abschied die erste Staffel geschenkt hat. Danach ging’s bergab mit meinem Sozialleben. Und bei allem Ärger über die infernale Geheimniskrämerei zähle ich trotzdem die Stunden bis zur 5. Staffel und tippe in der Zwischenzeit 4 8 15 16 23 42 in meinen alten VC20.

Californication
: Humoresk, scharf, gemein und endlich darf Moulder sich selbst in allen miesen Facetten spielen und am Ende doch alle Herzen einkassieren. Aber Eulen nach Athen und so.

The Mighty Boosh Season 3: Wer das nicht kennt, hat nichts verpasst ausser das Ende der Comedy-Welt, wie wir sie kennen. Noel Fielding und Julian Barratt schaffen eine komödiantische Anarchie, die Monty Python wie den Komödienstadel aussehen lässt. Und die Songs sind 10mal besser als die der überbewerteten Musikerkollegen von den Conchords. Und ein bisschen Vorliebe für Cockney sollte man mitbringen.

Genervt hat mich die zweite Heroes-Staffel, die dritte gibt wieder ein bisschen mehr Gas, und am meisten geschockt der Pilot zur Surfer-Mystery „John From Cincinnati“, weil ich so einen Halsbruch von einem Plot trotz Vorwarnung eines Empfehlers nicht erwartet hatte. Was keine negative Kritik ist.

Gerne übersehene Bewegtbild-Tipps in die Kommentare.

6 Gedanken zu „Das Beste aus meinem 2008er Leben (2)

  1. ey, wann hab‘ ich im zusammenhang mit jfc jemals von einem „plot“ gesprochen, hm? außerdem ist’s nicht „surfer-mystery“, glaube ich, bin mir aber selbst noch nicht ganz sicher, was es überhaupt ist. spätestens ab episode 6/7 ungefähr sitzt man nur noch vollkommen plattgestaunt vor der kiste.

    also ich jedenfalls. aber das weißt du ja.

  2. ach so, vergessen:
    besorg‘ dir mal „stella“ (eine staffel à 10 episoden, comedy central, dvd-box gern leihweise von mir). weirdo-comedy für menschen, die „standup“ für eine zivilisatorische krankheit halten und den guten, fiesen humor noch zu schätzen wissen.

  3. nein, eigentlich hast du mich adäquat vorbereitet. war trotzdem kaum zu glauben, als ich’s dann gesehen habe. surfer-mystery klingt aber besser als nix und plattgestaunt war ich schon nach dem piloten. ich forste mal nach stella. merci.

  4. Also The Darjeeling Limited teile ich mit dir, auch wenn mein Favorit The Royal Tenenbaums bleibt.

  5. vielleicht war ich damals, zu kinozeiten von tenenbaums, auch noch nicht bereit für das andersonsche schaffen.

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