Das Beste aus meinem 2008er Leben (3)

Games des Jahres

Die große Herzensangelegenheit war natürlich GTA IV. Rückblickend erscheint es mir gar nicht mehr, als hätte ich auf der PS3 gespielt, sondern eher eine Serie geschaut. Eine, die mich nächtelang nicht losließ. Und auch heutzutage fahre ich noch gelegentlich auf einen Drink, einen Fick oder auf einen Besuch im russischen Kabarett nach Liberty City. Oder ich steh einfach am Pier und schau der Sonne beim Untergehen zu.

Es gab eine Menge Ballerspiele (so hieß das früher, liebe „Egoshooter“), die sich Mühe mit Handlung und/oder Atmosphäre gaben. Siehe Bioshock (PS3), Far Cry 2, Resistance 2, Dead Space oder Call Of Duty. Bei Far Cry stimulierte mich die gelungene Open World, bei Bioshock die Art-Deco-Endzeit aber eben auch nicht auf Dauer. So richtig warm geworden bin ich nicht mit den Shootern. Dazu kommt, dass die sogenannte 1st-Person Ansicht mir nicht mehr so zusagt wie zu seligen Doom-Zeiten. Zudem wird mir schwindlig vom dauernden Rundumschauen. So blieb ich neben GTA IV auch auf der PS3 meinen PS2-Angewohnheiten treu und spielte FIFA, PES und Smackdown Vs. Raw bis kalter Rauch aus der Konsole aufstieg.

Little Big Planet faszinierte mich und meine Gemahlin gleichermaßen, während sie alleine dem süßlichen Rollenspiel Fable 2 verfiel und ich mich beim neuen Silent Hill gespenstisch langweilte. Gerade als ich dachte, Autorennen gehörten für mich zum Alteisen, holte mich Midnight Club LA zurück ans Steuer und wenn nicht ein Defekt in meiner Speichdatei neben meinen Spielfortschritten meine komplette Motivation ausgelöscht hätte, würde ich wohl jetzt noch jede Nacht durch L.A. rasen wie ein Kranker. Ein großer Spaß, besonders, wenn man selbst erst dagewesen ist.

Zu guter Letzt soll „The Force Unleashed“ nicht unerwähnt bleiben, das im Gegensatz zur sonstigen Star Wars Produktpalette im letzten Jahr mal wieder echte Jedigaudi aufkommen ließ. Wenn man von der Frechheit eines Bossfights absieht, bei dem man den Sternenzerstörer vom Himmel holen soll.

Bücher, die mir 08 in die Hände fielen

Diese Multimediadröhnung beraubt mich tatsächlich der Zeit und Aufmerksamkeit, die ich einst handfester Lektüre einräumte. Wie vermutlich jeder virtuelle Katastrophen-Tourist habe ich The World Without Us gelesen, mich aber gelangweilt, weil zu viel Wissenschaft, zu wenig Mystery. Aufgeregt hat mich Legacy Of Ashes, die CIA-Monografie von Tim Weinert, weil wenn Dilettanten einen auf Wildwest machen, hat man schnell mal eine Welt an den Abgrund maneuvriert. Auch absurd zu lesen, wie die Russen dem Westen traditionell circa 18 Spionnasenlängen voraus waren.

Desweiteren hab ich meine Sammlung an Haffner-Büchern vervollständigt und mich mit David Peaces 1974 am Krimi-Genre versucht. Schmutziges, merkwürdiges Ding von Roman. Ähnlich kriminalös, wenn auch politischer ging es auch in Thomas Harris Ghost zu, den ich nur jedem angehenden Ghostwriter empfehlen kann. Scheint ein einträglicher und spannender Job zu sein.

Richard Dawkins The God Delusion war die reinste Tautologie für mich, im Gegensatz zur Bruno Taut-Biografie, zu der ich leider noch nicht gekommen bin. Mein spätes Highlight war der enzyklopädie-artige Bildband Horror Cinema von Jonathan Penner und Steven Jay Schneider. Alle wichtigen Filme mit großartigen Stills von Anfang des 20. Jh. bis jetzt. Eine Ehrenerwähnung bekommt noch Teja Fiedlers Gebrauchsanweisung für Niederbayern, jedoch nicht wegen der Qualität, sondern wegen dem Stück Lokalkolorit im Berliner Alltag. Wie man allerdings mit dem Vorname Teja autorisiert ist, über Niederbayern zu schreiben, ist mit schleierhaft.

Und damit ist dieses groteske 2008 endgültig zu den Akten gelegt.

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