emotional stuntmen

Manchmal ist der Reiz so groß, das Verlangen so lasziv, dem Chaos seinen Lauf zu lassen. Sich einfach überlaufen zu lassen, sich auf die hässlichen Straßen hinausschwemmen zu lassen. Sich dem puren Verlauf hinzugeben. Weil du weißt, dass das nie wieder so passieren wird. Weil du sicher bist. Weil du dir sicher bist, dass ein weiterer Kontrollverlust vielleicht der letzte sein könnte. Dass er nur am Anfang, wenn das Ausmaß des Grauens noch ein Jahr in der Ferne liegt, seinen Reiz behielte. Und vielleicht ist es genau das, was Erwachsenwerden bedeutet. Der Sprung hinter die sichere Deckung. Das ist die furchtbare und furchtbar beruhigende Wahrheit über das Ende der Jugend. Dass du dich nicht mehr treiben lässt. Hinaustreiben aus deinen Plänen und Vorstellungen von Kommodität und diesen No-Risk-No-Fun Gedanken bis in eine haarsträubend gefährliche emotionale Stuntman-Tätigkeit ausufern lassen. Bis aus dem Leben ein Überleben wird.

Aber das kannst du dir nur leisten, wenn du ganz alleine bist und sein magst, denn wenn du andere da mit hineinziehst, bist du ein ganz egoistisches Arschloch. Und das wolltest du doch ab 30 nicht mehr sein. Also ziehst du den Kopf ein, wenn Gefahr droht, beschützt dich und diejenigen, die sich gerne mitbeschützen lassen. Aber wenn es so regnet wie heute, dann möchtest du manchmal die Pfähle, die diese Stadt über Wasser halten einfach umnieten und zusehen wie alles untergeht, den Bach hinuntergeht. Und an einem anderen Tag an einem völlig anderen Ort aufwachen. Von der Strömung, vom Chaos einfach wo anders an Land gespült. Von einem unendlichen Heimweh geplagt, das dich am Leben erhält.

7 comments / Add your comment below

  1. Das schlimme wie tolle dabei, die Stunts hängen doch ärgstens von l(i)ebenden Wesen ab. Auch wenn es diese was anderes sagen („mach Dein Ding!“). Meine pre-adulten Wagnise waren meist mit Hand an der ungezogenen Handbremse, die vielen jüngeren Brüder & Schwestern im hinteren Kopf, als ein Vorbild und Aufpasser, da kannst kaum Crashes erzwingen. Trotztem drehst mit den Wilden die Runden und pokerst mittel-hoch und gewinnst genug. Und siehe, nur so gings, aus Vorsicht&Mut gemacht. Knapp vor 30 waren die kleinsten Erwachsen und neue Schutzobjekte noch fern, man schaltet weil möglich voll ewiger Vorfreude in Angst&Übermut um…driftet, schleudert, verschätzt sich…pausiert, wartet, verschläft…scheitert an Erdnüssen die diese Ur-Städter mit 18 voll drauf haben. Die Pfähle konnt ich dann sorglos köpfen, glaub Du mir, da kam keine rettende Flut Richtung Heimat, da kam ein Rinserl, eins das verdunstet im Warmen oder in der Kälte gefriert. Dann stehst da ohne (Gegen)Wind.

  2. vita: das ist ja auch koketterie mit dem alles in geregelten bahnen haben. kopf und kragen riskiert man – wenn mans richtig macht – immer noch an anderer stelle. beruf, ampel, einkaufszentrum.

    und weil heut eh tag der tollen wörter ist: neben „ungezogene handbremse“, merk ich mir auch „akrat“ (weil ich hätts anders geschrieben) und das verb „zigeinan“.

    ihr machts mir spaß.

  3. hauptsache irgendwohin wo’s kein mando diao gibt, fällt mir grade ein, wo ich im hotel sitz und dieser falsche britpop für indie-sitzenbleiber im fernsehen läuft.

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