Der Tod, das Meer und das Gymnasium

Ständig schleicht sich der Tod an in meinen Träumen. Meistens nicht in voller Montur, aber irgendwo hat er sich immer verkrochen. Zum Beispiel in einer Form, dass man im Traum über einen alten Freund spricht, der gestorben ist, oder dass man sich in einem Haus aufhält, wo jemand nicht mehr lebt. Manchmal kommt es auch zu einer Lebensbedrohung in den Träumen. Nie erwischt es mich oder bin ich es, der bedroht ist, immer ist es eine andere Person, aber immer habe ich ein schlechtes Gewissen. Was genauso häufig vorkommt wie der Tod, ist der Urlaub. Oder der Urlaubsort. Verrückterweise scheint der sogar eine eigene Geographie zu besitzen. Es ist immer der gleiche Ort zwischen Meer, Lagune und Flüssen. Die dritte Komponente ist mein altes Gymnasium, ich bin dann wieder in der Schule und auch da herrscht so eine Art Todesbedrohung, aber sie manifestiert sich in einer erschütternden Erschreckung. Ich stelle mit Grausen fest, dass ich noch nicht erwachsen bin und Prüfungen ablegen muss, auf die ich in keinster Weise vorbereitet bin. Das versetzt mich derart in Panik, dass ich mir wünsche, ich träumte nur und versuche durch puren Willen aufzuwachen. Ich denke, das funktioniert, aber vielleicht ist das auch der Moment, wo meine Frau ins Bad geht und ich eh wach geworden wäre.

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  1. das kenne ich: Prüfungen und Leben – auf nix vorbereitet und immer dasselbe. Und am Ende: eine leises Servus.

  2. Ja, klar, schwer zu interpretieren sind die Träume nicht. Ein ewiges unvorbereitet Ausgefragt werden ist das Leben. Und am Ende hilft selbst die beste Note nix. Ich werd alt und leider nur binsenweise.

  3. aber interessant finde ich doch, dass es Sie nie erwischt. Zu früh erwacht? Das bittere Ende,äh, verschlafen kann man da wohl nicht sagen… Sie können Hoffnung hegen unendlich zu leben – solange Sie nur aufwachen. Ach so in Plauderlaune fällt mir ein schottisches Sprichwort ein (natürlich auf Deutsch, denn schottisch…naja): Man würde ewig leben, wüsste man wie viel Scotch man trinken müsste. Prost.

  4. Ich bin tatsächlich noch nie im Traum abgetreten. Aber das ewige Leben, das stell ich mir anstrengend vor. Der Stress muss ja irgendwann mal aufhören. Das Sprichwort bezieht sich auf die ethymologische Herleitung von Whiskey als „aqua vitae“ nehme ich an?

  5. Einer aus meiner Klasse hat mal an der Tafel einen Schwächeanfall simuliert, in Mathe. Die Lehrerin war entsetzt. Und natürlich ist er ums Ausgefragtwerden rumgekommen, der Schlawiner.

    Das ist das Blöde am Leben: Es kennt den Trick mit dem Schwächeanfall.

  6. hola. du wirst nie erleben, pardon, erträumen, dass du stirbst. ist so – kosmisches gesezt. genaueres dauert hier viel zu lange. viel mehr würde ich sagen, dass du dich noch auf vieles freuen kannst (deine prüfungen). dont worry, der tod hat eigentlich immer etwas mit neuanfang zu tun. da du immer wieder davon träumst könnte es sein, dass du dich noch von einer (vorstellung, idee, sache) verabschieden solltest – dein unterbewusstein weiss es schon längst aber du scheinst dich in der realen welt dagegen zu stemmen (das schlechte gewissen). auch wichtig wäre hier zu bedenken, was die verstorbenen menschen von denen du träumst (der alte freund in dessen haus du warst) für dich dar gestellt haben. wichtig ist auch das wasser (meer, lagune und fluss)… ist es trüb, klar, wild, ruhig, macht es dich nervös oder beruhigt es dich? und so weiter…. glaub mir, ich bin komplett „esoterisch“ aufgewachsen – das erste, was wir zum frühstück besprochen haben, waren unsere träume – eine harte schule, I can tell. also, lass dich drauf ein.
    im grunde halte ich als leserin eher still, aber irgendwie dachte ich, jetzt sag ich mal (wieder) was. esokram, eben.
    venga, cuídate mucho!

  7. Ratz: die schwänzer gwinnan, willst damit sagen? bzw. die schwätzer.

    diana: ich bin komplett unesoterisch aufgewachsen, aber von traumdeutung halte ich was. ich glaub auch nicht, dass meine nächtlichen gedankengewächse bedonders schwer zu deuten sind. an einer neuerfindung arbeite ich eh permanent und das prüfungsgedöns entspricht exakt meiner dauernden angst, auf situationen nicht vorbereitet zu sein, oder noch profaner: nicht die kontrolle zu haben.

    zwei dinge interessieren mich: die leute, die im traum schon verstorben sind, sind in echt noch pumperlgsund. und das meer ist immer nur kulisse. nicht aufbrausend, aber auch nicht ruhig. es ist einfach nur schön, weils da ist. interessanter ist, warum das meer in der chronologie immer erst hinter der lagune vorkommt. geographisch ist es ja logisch, aber ein traum folgt ja nicht zwangsweise der physik. interessant sind die flüsse: die befahr ich immer mit einem boot, alles geht schnell von dannen, das wasser perlt und erfrischt und eigentlich sind es keine bäche, sondern kanäle mit glasklarem wasser, die mich durch die küstenstädte spülen.

    danke fürs nicht stillhalten diesmal, diana.

  8. guten morgen. na, das freut mich, dass dein wasser stets klar ist und du das gefühl hast, dass es dich auf deinem boot (spielerisch) trägt. ein gutes zeichen von seelischer gesundheit, platt gesagt. letzten endes hast du den schlüssel um den code zu knacken. je länger man über träume nach denkt, desto einfacher wirds. was die geographie betrifft, da kannst du dir selber auf die schulter klopfen, hast dich selbst im traum noch im griff..
    ich könnt ja jetzt schreiben, dass dein kontrollspleen vermutlich auch einer der gründe für deine rückenprobleme sein könnte und du mal los lassen solltest…könnte ich, tu ich aber nicht. man solls ja nicht übertreiben, stimms? nimms mir nicht übel, ist vollmond. ;-)

  9. von übel nehmen keine spur, im gegenteil. das mit dem rücken ist sicher auch im geist verankert und ich bin hochinteressiert daran, es zu entankern, weil ich des scheiss kreizweh jeds moi in da friah nicht noch ein jahr ertrag;)

  10. Ich glaube, dass Träume von einem hart arbeitenden (auch über Monate hinweg) Unterbewusstsein gesteuert werden. Sie ergeben daher sehr wohl ihren Sinn. Ich begegne nachts gerne mal meinen Ängsten, die ich tagsüber gerne versuche in die Schublade zu packen, sind sind dann verkleidet und manches Mal benehmen sie sich ordentlich schlecht und daneben. Dann weiß ich wieder, mit wem ich mein Leben noch so teile … ,-)

  11. alice hive: hab ich mal vor ein paar jahren gemacht. stichwort luzides träumen. hat sogar kurz funktioniert, war aber ziemlich gruslig. muss ich mal aufschreiben. geblieben ist bis heute die fähigkeit, manche träume per willenskraft zu unterbrechen. zumindest bilde ich mir das ein

    creezy: na logo, der traum ist der anwalt des unterbewusstseins. und wenn man sich nicht mit dem fall beschäftigt, sieht man sich oft langwierigen und zermürbenden verfahren ausgesetzt. was bin ich wieder eloquent heute. sorry.

  12. hey, das kenne ich auch. Ich werde dann so ganz grimmig entschlossen im Traum und bilde mir ein auch Einfluss zu nehmen. Meist will ich gar nicht aufwachen, weil ich ja wissen will wie es ausgeht. Aber auch ich habe eine Frau neben mir im Bett die ab und wieder des nächtens stoffwechseln muss. Spielverderberin ;-(

  13. hallo!
    ich habe mal gehört, wenn man selbst im traum stirbt, dann ist man auch im wirklichen leben tot. keine ahnung, woher man das glaubt zu wissen, aber irgendwie finde ich, dass es logisch klingen könnte. ich bin mir da nicht ganz sicher, was ich dazu denken soll… zumindest habe ich noch nie von jemandem gehört, er oder sie sei im traum gestorben. also könnte doch was dran sein… oder? was denkt ihr?
    ach ja, und dass ich auf einmal wieder die schulbank drücken und arbeiten schreiben oder prüfungen ablegen muss, auf die ich ganz und gar unvorbereitet bin, träume ich auch richtig oft. das sind wahrscheinlich meine ängste oder die erleichterung, es nach 13 langen jahren endlich geschafft zu haben…
    liebe grüße, elisa

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