Mein seltsamer Beruf

Mein seltsamer Beruf bedingt,
dass i hoid auch a bissel seltsam bin.
Dem irgendetwas entgegenzusetzen,
hätte überhaupt kaan Sinn.
(Wolfgang Ambros)

Im Prinzip könnte man ja auf die eine oder andere berufliche Errungenschaft stolz sein. Hätte man mir mit 14 gesagt, was ich mit 34 schon alles im Mediengeschäft erlebt und geschafft haben würde, ich hätte mich glatt zu einer entspannten Pubertät hinreissen lassen. Aber in seiner Zeit fühlt sich das alles nach wenig bis nichts an.

Das liegt an den Vergleichswerten. Einmal in dieser verfluchten Kreativbranche angekommen, lernt man nämlich auch keine anderen Leute mehr kennen. Am Ende drehen dann nämlich alle einen Film, schreiben ein Buch, arbeiten bei einem Sender, sind Regisseure oder gefragte Cutter, Consultants oder Journalisten vom Fach. Und egal, was du auch machst, was du erreicht hast, im Gegenlicht der vermeintlichen Erfolge deines sozialen Umfelds wirkt dann doch alles nur ganz normal.

Klar, ginge ich auf ein Klassentreffen, könnte ich wohlmöglich in Versuchung geraten vom wilden Berliner Showleder zu ziehen. Doch da kennt dann keiner die Leute und die Projekte, von denen ich rede. Erzähle ich meinen Eltern was ich mache, verstehen sie mich nicht und meine Frau schockier ich eh nur noch mit dem Geständnis, dass ich ihr den Quark aus dem Kühlschrank weggegessen hab.

Aber das ist natürlich auch alles prima so. Denn solange ich das Gefühl habe, es interessiert sich niemand für meinen Beruf, solange werd ich nicht darüber schwafeln. Und solange ich das Gefühl habe, irgendwo in der Öffentlichkeit in einem Kontext mit einer Kamera oder einer Publikation zu stehen, ist ein bisschen peinlich, denke ich meinen seltsamen Beruf richtig auszuüben. Mit dem notwendigen Respekt vor dem Wissen, dass er eigentlich keiner ist.

11 Gedanken zu „Mein seltsamer Beruf

  1. Es ist doch das Schönste im Leben,wenn man in dem, was man tut, einen Sinn sieht, sagte mal irgendein furchtbar gscheiter Mensch im übertragenen Sinne. (Ich glaub er sagte sowas wie „wenn man seine Freude an dem hat, was man eigentlich tun sollte in dieser Welt – ich habs für mich a bissl umformuliert…) – Und solang es dir Spaß macht, und du nicht ständig dran denkst, dich aufhängen zu müssen, wenn du weitermachen musst, ist es doch durchaus positiv! Und es ist eines der positivsten Postings, die ich hier zu lesen bekam. Wenn das nix ist!

  2. „und was machst du so?“
    „ich bin ausgeflippt, bin zur Army, habe für den Staat gearbeitet, und bin jetzt selbstständig. Ich bin Profikiller!“
    „Ist man da krankenversichert?“

  3. Ich hörte neulich mal einen Rentner sagen, er würde Dieter Bohlen hassen, weil er die Art und Weise, wie er sein Geld verdient, verachtet. Ich weiß nicht, wie man auf sowas kommt. Natürlich sind das alles irgendwie Berufe. Jede Zeit bringt neue Sachen mit sich – kann doch nicht jeder in die Landwirtschaft gehen.

  4. dann doch lieber bohlen. (hat aber nix mit schreinern zu tun ;-)
    deppen an deppen vermarkten und sich damit ne goldene nase verdienen. bewundern oder verachten – das ist hier die frage.

  5. Sehr schön zammgschriebn, Berni. Und obwohl das bei mir ja mit tausendmal weniger komischem Glamuhr zammgeht, spricht mirs ausm Herzerl. Hab vorhin aufm Heimweg erst zu meiner Freundin gesagt, wie bizarr das eigentlich ist, dass ich mich letzten Endes von morgens bis spätabends durchgehend und vollends danebenbenehme, mir Schaumbananen oder Pommfritt unter die Oberlippe schieb oder mir mit Schoklad eingeschmiertes Klopapier aus der Hosn hängen lass oder mir aus einem Stückl Orangenschale ein Gebiss bastle, dazu hanebüchenen Scheißdreck aufschreib – und dafür auch noch ein Gehalt krieg. Und oh ja: diesem Wissen gebührt ein wahnsinniger Respekt. Und sicher auch eine Art von dankbarer Demut.

  6. mc winkel & textorama: it’s a dirty job but someone’s gotta do it. jetzt kann ich den ja endlich bringen.

    ratz: zunächst einmal sehr süß: „Hab vorhin aufm Heimweg erst zu meiner Freundin gesagt“. ist der kommentar wirklich von dir?

    ja, dein beruf ist nicht minder seltsam. aber letztlich darf man nie vergessen, dass wir halt auch nie eine chance hatten. wegen der ganzen musik und der ganzen melancholie und die weiber. was hätten wir auch werden sollen?

  7. Stimmt, der Kommentar ist mindestens so bizarr wie die Arbeitsgschicht. Mir wird gleich ganz anders. Apropos werden: Stimmt gleich nochmal. Uns is ja nix anders bliebn.

  8. Glaub ich mach etwas geringfügig anders wie du als Berlin Rockstar, allerdings geht’s mir in Bezug auf Freundin, Eltern exakt gleich. Und so lange ich noch keinen Drang habe über diesen „Beruf“ zu schreiben is auch gut! cheers.

  9. oh gott, vielleicht war dieser artikel der anfang dieses „drangs“. bitte nicht. und rockstar gibt’s kaan. (frei nach kottan)

  10. Poetischer hat noch nie jemand umschrieben nicht geschrieben, dass er eigentlich Hamburger verkauft. ,-)

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