Pandemie des Zufalls

Als ich 18 war, traf ich in Athen im historischen Museum den Bruder eines meiner besten Freunde. Das hielt ich für so einen unfassbaren Zufall, dass ich noch Jahre später andere Leute mit dieser Andekdote nervte. Mittlerweile hab ich vermutlich mehr Leute an unvermuteten Orten getroffen als an denen, wo sie hin gehören. Die Zufälle sind mehr geworden, fast zum Regelfall. Genauer gesagt hab ich das Gefühl, dass ich von Jahr zu Jahr anfälliger für Zufälle werde. Besonders die absurden. Und auch die ganz fürchterlichen. Der irrste jedoch ereignete sich letzte Woche. Der Mann, der als Einschlepper der Schweinegrippe nach Deutschland gilt, ist nämlich der Sohn eines Vorarbeiters meines Vaters. Nachdem die niederbayrischen Leuchten im Kreiskrankenhaus Mallersdorf offenbar nicht gerne 1 + 1 zusammenzählen, wollten sie zunächst nicht den Zusammenhang zwischen Fieber und Mexikoaufenthalt des Patienten herstellen und so lief die Schweinegrippe quasi ein paar Tage frei im Haus meiner Eltern herum. Tat sie natürlich nicht, weil der Vater des Infizierten doch nicht infiziert war, wie sich später herausstellte. Aber verrückt ist das schon, wenn man den Fernseher einschaltet und der einem mehr von Zuhause erzählt als man selbst gerade weiß. Ich fühle mich vom Zufall auf jeden Fall mittlerweile bedroht. Man kann ja keiner Wahrscheinlichkeit mehr über den Weg trauen heutzutage.

6 comments / Add your comment below

  1. besonders bedenklich finde ich, dass Ihrem Vater vorgearbeitet werden muss.
    Arbeitet er dann auch ordentlich nach?
    Oder ist das so eine Art Einstellungsqualifikationsprüfstein: Na, dann arbeiten Sie mal was vor.
    Aber mit dem Rest haben Sie recht. Es ist erschreckend wo man wen trifft. Das kann einem einen ganzen Urlaub verhunzen. Kann, muss aber nicht.

  2. Hab ich mich falsch ausgedrückt. Ich meinte: ein bei meinem Vater als Vorarbeiter angestellter Mitarbeiter. Meinem Vater steht freilich niemand mehr vor. Wo kämen wir da hin.

  3. gnihihi, war mir schon klar. Konnte ich aber nicht widerstehen. ;o))
    nix für ungut, cher Burnstl

  4. Die Welt ist so banal global geworden, dass es fast an Zufall grenzt, wenn man einer Person begegnet, die man nicht kennt.

  5. P.S. Übrigens beobachte ich die Selbsthilfegruppe seit ihrem Entstehen und stelle zufrieden fest, dass sich bislang noch keiner getraut hat, dort zu kommentieren. Das nenne ich konsequent. Hervorragendes Publikum !

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