Das Ende vom Anfang

Hier ist es ja wieder verdächtig ruhig geworden in letzter Zeit und ich hab das Gefühl, ich bin den wenig verbliebenen Mitlesern noch eine Erklärung schuldig. Ich blogge kaum mehr, weil ich das Gefühl habe, alles schon erzählt zu haben. Auf Burnster.de ging es eigentlich immer um einen, der auszog um in Berlin das Fürchten zu lernen. Die ganzen Stimmungsbilder, Kurzgeschichten und Allegorien, die mehr oder minder meine Sauf- und Weibergeschichten beschrieben, hatten sich erledigt, nachdem ich dieses großartige Mädchen kennengerlernt und sie geheiratet habe. Ein bisschen musste ich dann noch schreiben, wie es ist wenn man denkt, man würde erwachsen und wie es ist, wenn einem wirklich mal was Wichtiges verloren geht und der Tod, mit dem man solange kokettiert hat, zum Tischnachbarn wird.

Und eigentlich war die Geschichte da beendet. Ein St. Burnster ist kein Chronist von Internet- und Zeitgeschehen. Mir ist ein Lobo genauso wurscht wie eine Vodafone-Werbung und ob Twitter Mainstream wird oder nicht, ändert an meinem Leben einen Scheißdreck. Genausowenig bin ich aber mittlerweile ein Protokollant meines Privatlebens und das ist ganz im Sinne der Leser, denn weder will man lesen, in welchem Wellness-Hotel ich mit meiner Frau wieder war, noch will man sich mein Gejammer über meinen kaputten Rücken anhören. Vielleicht hab ich wieder was zu erzählen, wenn ich irgendwo in Urlaub war, wo’s mich beeindruckt hat, das könnte ich mir vorstellen, weil Fotos und Reiseberichte eine kolumnistische Ausprägung haben, die mir liegt.

Ansonsten bin ich aber recht Internetmüde geworden, es reicht, wenn ich mein Geld mit dem Publizieren von Inhalten verdiene, privat schau ich dann lieber eine DVD oder hock mich ins Café. Ich hab mich hier ausgetobt, stellenweise kindisch und an der Grenze zur peinlichen Selbstdarstellung aber andererseits hab ich auch ein paar gute Texte abgeliefert (ja, ja, ich weiß) und einige nette Leute getroffen. Natürlich auch ein paar ziemliche Idioten. Das zwanghafte Rotieren um die eigene Bedeutungslosigkeit als Antriebsfeder für viele Blogger und Twitterer ist an sich nichts Verwerfliches. Wir brauchen alle Applaus und Bedeutung im Leben. Das ändert aber nichts daran, dass es mich mittlerweile kolossal nervt, genauso wie mich viele meiner eigenen Einträge im Nachhinein nerven. Was ich allerdings immer am Bloggen schätzen werde, ist dieses Unfertige, dieses ständige Anfangen von etwas, das keinem Korrektiv unterliegt. Losrotzen unter eigener Schirmherrschaft, das ist tatsächlich das Beste daran.

Aber genug salbadert, das ist jetzt ja kein Ende, nur eine Abmeldung vom Tagesgeschehen und für den unwahrscheinlichen Fall, dass wer mich vermisst, kann man meinen Mist momentan jede Woche bei Kavka vs. The Web sehen und auch ansonsten bin ich ja nicht aus der Welt. Auch Musik von mir wirds hier hin und wieder geben. In diesem Sinne, bis irgendwann, Servus.

27 Gedanken zu „Das Ende vom Anfang

  1. Ein letzer „Schnitt“ geht immer ;) Auf bald mal wieder in Berlin! ;)

  2. Sehr schade, Herr Burnster. Ist es doch ein Blog, den ich regelmäßig besuchte obwohl der Unregelmäßigkeit. Dennoch: Danke.

  3. Gut, gut. Jetzt kommen also nurmehr die Gschichtln, die mich nicht interessieren. Reiseberichte und Musik. Schad. Aber verständlich. Ich lass dich amal noch a Zeiterl in meinen Favoriten und schau immer mal wieder vorbei. Vielleicht gibts dann und wann doch noch was anderes als Reiseberichte und Musik. Ansonsten danke für so manchen Schmunzler, fürs „mitleiden dürfen“, fürs aufregen dürfen. Habidiehre!

  4. MC Winkel: deine Hartnäckigkeit hab ich eh immer bewundert.

    Razz: Ja, Zeit wirds.

    Vita: Sowieso.

    Fly: Erstmal gibts auch keine Reiseberichte weil ich ja nicht verreise. Und das meine Musik dich nicht interessiert, kränkt mich fast ein wenig. Ansonsten aber ein gutturales Habedehre zurück!

  5. Weil ich eigentlich ja kaum Blogs lese, hab ich erst spät hier mitgelesen. Einerseits fand ich die Postingfrequenz schaffbarer als beim Winkelsen oder Herr Nerdcore, anderseits fand ich die Texte gut bis fast schon sensationell. Vermutlich der hohe Identifizierungsgrad…

    Cheers und bis bald mal so irgendwo, oder so.

  6. Herzlichen Glückwunsch Carlos Edi zum 69. Geburtstag.
    Brenner – er wird ja nach eigenen Angaben insgesamt 87 und dieses Jahre eben bei dir,
    Xantla der er auch war.

  7. Das mit der Musik muss dich nicht kränken. Es ist nur so, dass ich nix davon kenne, was du hier präsentierst, und anhören geht nicht, weil die Firma zu geizig ist, mir eine Soundcard einzubauen. Und da ich den ganzen Tag vor dem Kastl hock, mag ich mich zuhaus nicht mehr davorhocken. So ist das.

  8. Ja mei, so isses Lebn. Es gibt eine Zeit zum Bloggen und eine zum Lassen, da braucht man sich zu nix zwingen. Aber ich will danke sagen für die Zeit, die Du geteilt hast – und vielleicht, vielleicht liest man sich ja doch wieder über’n Weg. Mach’s gut, was auch immer!

  9. Alles Gute zum Geburtstag, Edi!

    Und danke Mac, Stilhaserl (wir sprechen uns noch;) und mq.

    Und jetzt prost Edi Henn.

  10. Genau.

    Alles Gute zum Geburtstag, Edi! Feier schön und reiss di fei bloß zamm! Nicht, dass am End noch Beschwerden kommen zwengs deinem Betragen.

  11. Is wie aus dem Ferienlager zurückkommen. Schön wars und nun wieder ohne die lieben neuen Freunde hinein ins Leben.

  12. Du bleibst trotzdem in meinen Lesezeichen :-) Deine Beweggründe klingen überzeugend…
    Bei Kavka vs. the Web muss ich mich nach meinem Urlaub erstmal auf den aktuellen Stand bringen – die Vorfreude ist groß!

  13. Es macht sich ein bitterer Geschmack auf meiner Zuge breit, wenn ich Deine Zeilen lese… Bitter, weil ich gerade anfange Mayers Notizblog wieder mit Inhalten zu füllen. Der belanglose Exkurs ins Zweitblog ist beendet und er hat (hoffentlich) seinen Zweck erfüllt, die ehemaligen unerwünschten Mitleser den Notizblog vergessen zu lassen. Da fängt man an aufzuräumen, alle Updates einzuspielen und die vorhanden Links durchzuklicken, ob dort noch gebloggt wird und stellt fest, dass sich er Rückzug aus dem Bloggerleben oder die Flucht in Belanglosigkeiten zu einer ganzen Welle aufgebaut hat. Manche haben einfach irgendwo aufgehört, DDDN bringt irgendeine Serverfehlermeldung, Suna schreibt nur „verloren“ und jetzt Deine Zeilen. Ich respektiere das, selbstverständlich, und Deine Meinung übers Bloggen an sich teile ich auch. Aber trotzdem: Ist nicht gerade das „Indie-Dasein“ als Blogger schon ein Wert an sich? „Rausrotzen“ und dabei ungeniert „Ich-sein“ leben und immer wieder neu entdecken? Eben nicht nur 0 oder 1 zu werden, sondern Sprache leben? Ist denn der reine Content nicht schon fast nachrangig gegenüber dem lebendigen Umgang mit der Sprache? NIx wie Fragen wieder mal :-)

    Jedenfalls wünsch‘ ich Dir/Euch Alles Gute und werde gelegentlich mal wieder reinschau’n.

  14. Anne: äußerst prosaisch, gefällt mir.

    Sabbeljan: Dann is ja gut, dass wieder einer Ruhe gibt, oder?

    Juri: Wir führen ja auch eine „echte“ Beziehung nebenbei.

    Michael: Doch, doch, das Bloggerdasein ist schon auch toll (ob Indie oder nicht), wenn man etwas mitzuteilen hat, oder was raus muß. Aber um des Publizieren willens publizieren, das wär ja albern.

    Alle: Ich werd das Ding hier nicht zumachen, ich schreib schon hin & wieder was, aber halt nicht mehr in einer Regelmäßigkeit, die man von diesem Blatt gewohnt ist.

  15. Sorry, es hätte „Ist denn der reine Content, also der jeweilige Gegenstand des Textes – bei denen, die ohnehin etwas zu sagen haben, nicht schon fast nachrangig…“ Rumg’schlampert… Ich glaub‘ so ganz verständlich hab‘ ich mich mal wieder nicht ausgedrückt. Jetzt vielleicht immer noch nicht, oder noch weniger ;-) #verschlimmbesserung

    Ich mach mir jetzt lieber ’n Roten auf, die Karin hat die Pasta fertig…

  16. tsja, wenn das so ist, dann ist es wohl so.
    irgendwie will man lieb gewonnene spinner ja nicht so gerne her geben! ,-)

  17. Mensch, Ingo. Danke für den coolen Tipp und dafür, dass der St. Burnster jetzt bestimmt doch nicht aufhört, wo er so einen coolen Tipp gekriegt hat.

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