Ich wars.

Ich glaube, ich bin schuld am Wahlausgang. Ohne Schmarrn jetzt. In den Umfragen hieß es doch noch, das mit Schwarz-Gelb wird nichts. Und dann kam es richtig dicke. Und ich bin Schuld. Ich hatte nämlich gestern dieses Karma-Problem. Karma-Probleme sind üble Dinger bei mir. Weil mein schlechtes Karma dann nämlich gleich so immens abstrahlt und Unschuldige mit ins Unglück reisst. Ich kenn das aus meinen zahlreichen früheren Beziehungen. Dass jedoch gleich eine Bundestagswahl und somit das ganze Volk dran glauben muss, ahnte ich nicht und das tut mir aufrichtig leid.

Ich bin gestern aufgestanden und hatte schlechte Laune, weil ich geträumt hatte, meine Frau hätte mich über einen Sachbearbeiter vom Arbeitsamt ins Irrenhaus einliefern lassen. Ich bin grade weder arbeitslos, noch halte ich mich für irrer als sonst und mit meiner Frau ist auch alles in Ordnung. Also frag mich nicht, wie diese Nachtmahr entstehen konnte, was draus entstand, war zumindest meine schlechte Laune. Um den korkenden Morgen ein wenig zu entschlimmen, beschlossen wir zu schlemmen und frühstückten so üppig im Restaurant, dass uns danach der Gang zur Wahlurne wie der nach Canossa (oder wie das Kaff heisst) vorkam.

Mir war mittlerweile übel von der Kombination Pesto und Mangomarmelade und ich konnte mich kaum mehr auf den Beinen halten. Dennoch stieg ich mit meiner Frau in den Wagen, um die Bauhaus-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zu besuchen und anschließend ins Kino zu gehen. Der Wagen sprang aber noch schlechter an als der gesamte Tag bisher, nämlich gar nicht. Ich wartete also eine dreiviertel Stunde auf den ADAC und um die Batterie aufzuladen, kurvten wir ziellos den Ku’Damm auf und ab. Dabei öffnete ich das Fenster, konnte es aber nicht mehr schließen, denn offensichtlich war da jetzt ein Wackelkontakt in den elektrischen Fensterhebern. Mit laufendem Motor blieben wir stehen, damit die Batterie nicht ausging und verbogen unseren Kellerschlüssel bei dem Versuch, die Mittelkonsole zu entfernen. Aus technologisch nicht herleitbaren Gründen, funktionierte der Kontakt plötzlich wieder und wir schlossen die Fenster.

Mit halbwegs aufgeladener Batterie kamen wir am Potsdamer Platz an und stellten fest, dass das Kino schon lange angefangen hatte. Auf Museum hatte ich nun auch keine Lust mehr und wir traten den Heimweg an. Ich sagte zu meiner Frau: „So, jetzt kann ja eigentlich nichts mehr passieren. Wir sind ja so gut wie daheim.“ Sprachs und öffnete das Fenster, um die angenehme Sommerschlussverkaufsluft zu genießen. Ich parkte ein und wollte das Fenster schließen, doch die Fensterheber (you might have guessed it) blockierten erneut. Gut, kannte ich ja schon, fummelte ich halt wieder ein bisschen an den Kontakten rum. Dabei muß ich eine Art Kurzschluss verursacht haben, denn plötzlich fing ein Metallplättchen an zu glühen, die Lichter in den Amaturen gingen aus und die Fensterheber verabschiedeten sich nun gänzlich in den Vorruhestand. Dummerweise standen jetzt aber beide Fenster meines Autos weit offen und so konnte ich das Ding ja auch nicht über Nacht draußen stehen lassen. Ein Sonntagabend ist nicht zwingend der optimale Zeitpunkt, um eine geöffnete Autowerkstatt zu finden, also rief ich zum zweiten Mal an diesem Tag den ADAC, der mir nach einer weiteren Stunde Wartezeit eine neue Sicherung für die Fensterheber schenkte. (Nach zwei Telefonaten und zwei persönlichen Begegnungen mit ADAC-Mitarbeitern kenne ich jetzt auch aber wirklich jeden Vorzug der Plus-Mitgliedschaft.) Endlich konnte ich also zurück in mein sicheres Schlafzimmer und meinte noch im Halbwitz zu meiner Frau: „Bei meinem heutigen Karma gibt das einen ganz unangenehmen Wahlausgang.“ Ich schalte den Fernseher an und schon grient mir Gliedo Westerwelle triumphierend ins Schlafzimmer. Ich hätte es wissen müssen, dass man an einem solchen Tag keine Bundestagswahl abhalten darf. Nicht bei meinem Tageskarma. Ultrasorry. Echt jetzt.

Grade hat sich übrigens rausgestellt, dass die Fensterheber jetzt wieder funktionieren, dafür aber die Bremsen völlig im Eimer sind, die Aufhängung defekt, die Wanne verrostet, der linke Stabilisator im Arsch, die Stoßdämpfung marode und die Aussicht auf neuen TÜV vorerst geringer ist als eine Regierungskoalition aus Rot-Grün.

9 comments / Add your comment below

  1. Ja, absolut und eindeutig ja! Solche Tage sind zu meiden wie Dinkelplätzen zum Frühstück, oder Weihwasser, wäre man antichristlich. So bin ich nur Atheist, was aber auch nichts hilft, wenn die Scheiße mal so richtig in den Ventialtor fliegt, denn ich kann keine höhere Wesenheit verantwortlich machen. Kotzen tu ich trotzdem, wenn ich das Zonenwunder und die Schwesterwelle (nix gegen Schwule im allgemeinen, damit das klar ist) im Doppelpack sehe. Frauen könnten eh besser mit Schwulen heißt es und so dürfte dann auch klar sein was da auf uns zu kommt. Gliedo verehrt die alternde Grenzgängerin und sie fühlt sich wohl in der sexuell neuerdings so entspannten Atomsphäre, nein Athmosphäre, und ist froh über den aalglatten Blitzableiter, dem sie ihre nächsten lauen Nichtenscheidungen anhängen kann. Ich habe einen Traum: die Merklerin vergeigt es auf ganzer Linie, der gelbe Dackel als bester Freund und Speichellecker bekommt die Packung volle Möhre serviert.

  2. Textorama: Aussitzen ist das neue In-Angriff-Nehmen. Mein Orthopäde hat mir ja heute während der Akkupunktur eine Statistik geliefert, nach der die Zustimmungsrate für konservative Regierungen europaweit die von den Roten um das doppelte übersteigt. Sei dahingestellt, ob das stimmt, aber es ist ein Indiz für die grässlichste aller Wahrheiten. Die Regierung vertritt den Mensch und der ist im Überhang ein Depp, somit muss er auch von Deppen repräsentiert werden. Und dass die Überbringer von schlechten Botschaften eben noch nie die beliebtesten Botschafter waren ist ein zudem zugrunde liegendes soziales Phänomen, das eine aufrichtige Politiklandschaft ex cathedra ad absurdum führt.

    MC WinkeWinke: Ich guck doch kein Wasserball, weißte doch.

  3. Pingback: FRAGEN
  4. Yep. So isch. Trotzdem saubleed. Das Verleugnen von Tatsachen war schon immer ein probates Mittel Zeit zu schinden um sich aus welcher Affaire auch immer zu ziehen.

  5. ach leck mich doch am arsch (also net du, ratzl). jetzt hab ich eine unsumme für reparaturen und tüv hingeblättert, jetzt ist die amaturenbeleuchtung im sack. scheiss schwarzgelb!

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