Die Branche

Ich war da neulich auf einer Veranstaltung. IPTV-Award, frag nicht, ich will’s nicht genauer erklären. Ich hab jedenfalls nicht gewonnen und hätte ich gewusst, dass ich nicht gewinne, ich wär wohlmöglich gar nicht hingegangen. Dann war ich aber doch froh, dass ich da war, weil sowas hab ich noch nicht gesehen. In der Überzahl Männer Ende dreissig. Alle mit Frisuren, dass du sagst, das ist aber mal eine Frisur. Alle mitten im Winter topbraun vom Teint her. Und alle einen festen Händedruck, dass du dich selbst glatt für einen schüchternen Teenager hältst. Diese Männer haben also über die Zukunft des Internet-Fernsehens verfügt, so wollten sie einem Glauben machen. Und Ansprachen haben sie gehalten. Und immer ganz vielen Leuten gedankt, darunter auch Warsteiner, von denen war nämlich das Bier. Muss man ja eigentlich eh nicht mehr wissen, wenn es wo Warsteiner gibt. Einer hat dann gesagt, man könne bei diesem Internet-Fernsehen nicht davon ausgehen, dass die Macher auch Geld verdienen. Das sei doch eine Sache von Herzblut und Idealismus. Jetzt glaube ich aber, dass der, der das gesagt hat, mindestens 100.000 Euro im Jahr verdient und das geht ja schon über diese Herzblutgrenze hinaus, finde ich, selbst nach Abzug der Steuern. Ich bin recht bald gegangen und das ist auch niemanden aufgefallen, denn im Prinzip war ich ja schon vorher nicht wirklich da.

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  1. Ich habe das mal nachgeschlagen, vor allem wegen der Frisuren. Wirklich originell fand ich, dass es bei einem TV-Award sogar einen Zuschauerpreis gibt. (Weil sich TV nämlich sowieso niemals durchsetzen wird, genau wie Internet.) In Sachen (Bart-)Frisuren sage ich nur: Jungejunge.

  2. Gibt es eigentlich die die goldene Bravo-Otto-Verleihshow noch? Ich glaube, da kämest Du gut rüber. Ich nehme an, die Frauen waren alle ein bisschen künstlich?

  3. Mq: Ja, der Zuschauerpreis. Keine Ahnung welche Zuschauer man da gefragt hatte. Und dann kann ja eh nur Ehrensenf gewinnen, weil sonst kennt Otto Normaldampfplauderer ja nix.

    Creezy: Ja, genau, auf der Otto-Verleihung wären sicher wenigstens Frauen und damit mein Zielpublikum gewesen. Beim IPTV-Award hab ich nur eine einzige gesehen, eine ganz affektierte Nuss, und die hatte wohl irrtümlich angenommen, ihr Mann nimmt sie zum Deutschen Filmpreis mit, so eingerobt wie die daherkam.

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