Urbi et Norbi

Irgendwann hat sich da etwas seltsam Schönes in mein Leben geschlichen,
so wie der Ekel beim armen Roquentin,
aber halt genau in die andere Richtung.
Oder vielleicht sogar in genau dieselbe, wer weiß das schon.
(Rationalstürmerchen am 22.12.2009)

Da hat mein Freund Norbert die besseren und versöhnlicheren Worte zum Jahresabschluss gefunden, als ich das momentan könnte. Ich bin nicht unzufrieden mit dem Verlauf der Dinge, aber so eine zärtlich sich anschleichende Zufriedenheit habe ich dieses Jahr nicht gefunden. Im Grundsatz ist das Leben gut zu mir, weil ich ja auch so gut aufgehoben bin bei dieser wunderbaren Frau. Schon deshalb wäre selbst das zertrümmertste Jahr noch ein gutes. Beruflich hab ich Dinge auf die Beine gestellt, von denen ich mich als Kind nicht getraut hätte, davon zu träumen, und trotzdem bleibt ein semi-doofer Nachgeschmack von 2009. Zum einen, weil mir das Unglück aus 2008 noch ein wenig hinterher gehinkt ist, zum anderen weil ich – ebenfalls ein Ergebnis von 2008 – in diesem Jahr so dermaßen infernalische Schmerzen wegen meinem Ischias hatte, dass ich sogar gern zum Zahnarzt gegangen bin, nur um mich abzulenken. Aber vielleicht bin ich ja allgemein noch wehleidiger geworden. Sicher bin ich wieder ein bisschen kurznerviger geworden, was meine Mitmenschen angeht. Aber vielleicht liegt das ja auch an der Bandscheibe. Dass mir der Geduldsfaden gerissen ist nach diesem Wahlergebnis und dass ich angesichts der Globalverblödung keinen Tag mehr Nachrichten ohne Wutanfall schauen kann, ist aber vielleicht auch eine gute Sache, denn würd ich mich nicht mehr aufregen, wär’s zwar gesünder, aber dann wär ich ja auf bestem Weg in die cerebrale Frührente. Also reg ich mich weiter auf, weil ich auch gar nicht anders kann. Medio tutissimus ibis, sagt der Ovid und ich zitier’s, damit der Rationalstürmer nicht der einzige ist, der gscheit lateinisch daherredet. In der Mitte geht sich’s am sichersten und so eine Mitte und ich, wir werden in diesem Leben keine engen Verwandten mehr. Und apropos daherreden: dem Norbert braucht man auch nicht alles glauben, nur weil er grade behauptet, ihn haben die Minne und die Trüwe fest im Griff. Poetis mentiri licet, der Dichter lügt gern auch mal wie gedruckt. Aber im Ernst, ich geb ihm ja in der Quintessenz seiner endjährlichen Versöhnlichkeit nur allzu gerne recht und sag’s mit Tori Amos: Well, still pretty good year. Frohe Weihnachten euch allen!

5 Gedanken zu „Urbi et Norbi

  1. Am besten gefällt mir ja gleich nach der schönen Überschrift die Sach mit dem Dichter, der gern amal lügt wie gedruckt. Weil da kann ich nämlich gleich nachlegen und sagen: Mundus vult decipi, ergo decipiatur. Nicht dassd mir du am End noch meinen Status als sympathischster gscheit lateinisch Daherredner abspenstig machst.

    Ansonsten besteht absolut kein Grund zur Beunruhigung, dass ich womöglich auf einem Schlag zum freundlichen älteren Herren mutiere. Im Moment zum Beispiel hab ich schon wieder so einen Prass auf des gschissene Saugschwerl aus dem Jugendzentrum von nebenan, weil es diese Drecksbaggage offensichtlich nur darauf anlegt, dass ich nübergeh und denen die ganze verfickte Scheiß-Anlage in tausend Trümmer hau. Nur weils morgen Geschenke gibt, müssen diese verzogenen Gymnasiasten-Hundsfratzen schließlich nicht heut schon mit Pauken und Trompeten die ganze Nachbarschaft vom Schlafen abhalten.

  2. Auch von mir ein paar schöne Feiertage an all deine Leser…
    Dich seh ich ja später noch in der Live-Übertragung aus eurem Heiligabend-Wohnzimmer, freu mich schon drauf :-)

  3. Das hört sich nach einem ganz ordentlichen Jahr an. Weitere Steigerungen nach oben seien Ihnen von Herzen gegönnt und gewünscht!

  4. Ratio: Geh weiter, das ist doch nur noch Alibi-Degoutieren!

    Kid37: Kaum komm ich zurück aus der bayerischen Heimat, packt der Winter hier in Berlin so richtig aus. Everywhere I go, I always take the weather und so. Gelangen Sie gut auf die andere Seite.

    Juri: Lass dich nicht abschiessen, schiess dich lieber selber ab, wenn du weißt was ich meine.

    Modeste: Ebenso, Frau Modeste. Unordentliche Jahre hatte ich ja weiß Gott genügend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.