Liebes Kriegstagebuch

Bevor ich jetzt noch den zweiten Teil vom Paten anschaue oder/und noch einen tiefen Schluck Wodka On The Rocks einnehme, muss ich schnell erzählen, dass ich mich jedes Jahr gescheit erschrecke, wenn diese Raketen losfliegen. Ich mein, ich war ja nie im Krieg, und livetwitternder Zeuge einer Bombenexplosion war ich auch noch nicht, also ein Trauma ist nahezu auszuschließen, und doch hab ich jedes Jahr das Gefühl, dass da jemand auf mich schießt. Grad hat so ein Depp mir unten auf der Straße einen Kracher direkt vor die Füße geschmissen und die Explosionsbruchstücke sind mir ins Gesicht gedönst. Splittergranate, sag ich nur. Ist ja schön, wenn die Menschen ein bisschen einen Enthusiasmus bekunden von wegen neues Jahr und Jahrzehnt, aber ich wette, spätestens ab Montag lässt man sich in altbewährter Tradition ganz unenthusiasmiert wieder gegenseitig über die Klingen springen. Aber ich will das neue Jahrzehnt nicht mies machen, bevor es überhaupt richtig angefangen hat. Das war jetzt schon die erste Lüge im neuen Jahrzehnt. Aber Schwamm drüber. Weil eigentlich wollt ich euch ja nur meinen Neujahrsvorsatz offenlegen. Ich hab mir nämlich vorgenommen, dass ich im neuen Jahr nicht mehr so oft die heiße Badewanne einlass. Hab ich meiner Frau auch versprochen, weil sonst die Heizkosten, totale Explosion. Nebenkostensplittergranate quasi.

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  1. Das neue Jahrzehnt fängt ja erst bei eins an und wenn die zehn voll ist. Du kannst es also ein ganzes Jahr lang mies machen, ohne dass es überhaupt was davon mitbekäme. Die gute Nachricht.

    Nebenkostensplittergranate. Ich sach Dir, von dem Geld könnte ich ganze Familien ernähren über Monate …

  2. Ein frohes neues! Kalt Baden beruhigt zwar auch, scheint mir aber keine rechte Alternative. Sie könnten aber auch Blindgänger sammeln und das Bad mit Schwarzpulver… Ich denke, das wird eh das Jahrzehnt des Kohlenklaus.

  3. Oh, dann bin ich mal gespannt, wie dir die M16 bestückenten Soldaten hier bekommen werden ;-)

    Ich wünsche deiner Frau, dir und den treuen Lesern auf jeden Fall ein gutes, friedliches und noch erfolgreicheres 2010.

  4. Kid37: Ebenso. Kohlenklau ist gut. Vielleicht stell ich schon mal ein paar Lebensmittel in den Keller. Man weiß ja nie.

    Juri: Da brauchste nicht gespannt sein, weil ich jetzt schon weiß, dass mir das nicht besonders schmecken wird. Danke für deine Wünsche und die geb ich so zurück, auch wenn ich nicht weiß, ob du so viele Leser hast wie ich;))

  5. Krieg ist eine Fortsetzung des Friedens mit anderen Mitteln. Oder so.
    Ich schaue mir an Sylvester meist einen megabrutalen Hongkong Fight-Movie an, aber „Der Pate“ eignet sich ebenso als zärtliche Kompensation für die ganze Gewalt auf den Straßen.

  6. Allerdings! Ich war ganz überrascht, wie brutal der doch ist. Das vergess ich jedes Mal wieder bei der ganzen Bildgewalt aus dem alten New York und dem verfallenden Sizilien.

  7. Mir ist mal im Felde eine „Mehrstern-Rot“ gegen die Brust geflogen. Hat aber gar nicht wehgetan. Was möglicherweise an dem 1 Liter durchaus als kräftig zu bezeichenden Glühwein gelegen haben mag, den ich vorher ob der kalten Witterung als biologisch abbaubares Frostschutzmittel verköstigte. In Anbetracht dieser Einsicht bin ich seitdem etwas vorsichtiger geworden und meide zu gewissen Jahreszeiten größere Menschenansammlung, egal ob uniform- oder alkoholisiert.
    In diesem Sinn wünsche ich (verspätet) an dieser Stelle „ois guade“!

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