Drei Getränke aus der Hölle

Das in der Überschrift angesprochene Triumvirat der flüssigen Abartigkeiten bezieht sich auf die drei schlimmsten liquiden Kulinarsünden, denen ich in diesem Jahr ausgesetzt war. Und das innerhalb von nur vier Wochen. Echt jetzt, die schäbbigsten Getränke der Saison.

The Schäbbich: Cappucino in Taormina, Sizilien, Hotel Isola Bella
Taormina ist eigentlich eine touristisch so versierte Stadt, dass man sich als Hotel bei der Unmenge an konkurrierenden Hotels keinen schlechten Service leisten kann. Könnte man meinen. Vielleicht ist es aber vielmehr so, dass es bei der Unmenge an Touristen einfach scheißegal ist, wie der Cappucino schmeckt. In unserem Hotel hab ich morgens zum Frühstück einen bestellt und Folgendes bekommen: Eine Lache braunes Wasser mit Milchflecken und Nestle-Kakao-Spritzern, die bis auf die Untertasse hinaus reichten. Geschmeckt hat er dann wie wenn du einen Filterkaffee mit der Maschine deiner seit drei Jahrzehnten verstorbenen Oma machst, kalte Milch hinzugibst, Kabapulver durch einen Strohhalm draufbläst und das Ganze drei Tage stehen lässt, bevor du es in der Mikrowelle aufwärmst.

The Schäbbicha: Mojito im Thai-Restaurant, Linienstraße, Berlin
Berlin ist eigentlich eine touristisch so versierte Stadt, dass man sich als Thai-Restaurant mit Cocktail-Happy-Hour bei der Unmenge an konkurrierenden Happy Hours keinen schlechten Service leisten kann. Könnte man meinen. Aber – HALT! – wir reden hier von Berlin. Es war beim Spiel Argentinien – Mexiko, zweite Halbzeit, als mich der Schnapps- und Minzedurst überkam. Hunger verkneife ich mir bei jenem Restaurant schon seit geraumer Zeit, es sei denn, mir ist grad nach einer zünftigen Geschmacksmittelverstärkervergiftung. Aber was kann man an einem Mojito schon falsch machen, schließlich kann jeder Dämlack Minze, Limettensaft, Pitu und Mineralwasser und Eiswürfel in ein Glas schütten. Selbst wenn man ein eher unkoordinierter Zeitgenosse ist, sollte das Ergebnis zumindest erträglich sein. Setzt allerdings die Kenntnis der Zutaten voraus. Ich bekam an jenem Sommerabend einen Kelch aus Eiswürfeln mit Zitronensaft, billigem Rum und ein paar Limettenfetzen. Ich würgte eine Weile vor mich hin, weil ich ja das Spiel sehen wollte, aber gab dann nach völliger Zitronisierung meiner Geschmacksnerven auf.

The Schäbbichst von Alle: Eiskaffee im Freibad Humboldthain
Aber auch irgendwie der lustigste Getränkefehltritt, weil total absehbar und insofern meine eigene Schuld. Also, öffentliche Freibäder in Berlin ja eh schon ein Thema für sich. Dann auch noch der Wedding, obwohl ich ihn lieb habe, gastronomisch auch eine Wundertüte, um es mal milde auszudrücken. Und Freibadimbisse mit Sitzmöglichkeiten, da ist dann eigentlich alles klar. Nichts desto Trotz hab ich mir neulich in brüllender Mittagshitze einen Eiskaffee im Freibad Humboldthain bestellt. Der dicke Mann hinter dem Tresen war sehr freundlich und hat sogleich ein großes Spezi-Glas mit seinen dicken Händen umfasst und ein paar Eiswürfel aus seiner Gefriertruhe hineinversetzt. Danach hat er aus der selben Gefriertruhe eine viertelvolle Packung Vanilleeis geholt, in der das Vanilleeis vor lauter Eiskristallen überhaupt nicht mehr zu erkennen war. Die Vanillekristalle kamen dann auf die Eiswürfel hinauf, wie man sich denken kann. Behende hat der der dicke Mann zu einem Behälter unter der Verkaufstheke gegriffen, einen großen Glasbehälter mit dünnlich brauner Flüssigkeit hervorgeholt und letzlich auf die Eiskristalle gegossen. Dann hat er einen Turm aus Sprühsahne draufgehauen, wo man nur Respekt sagen kann. Einsfünzig, sagte er zu mir und ich sagte, da kann man nicht meckern bei dem Preis.

9 comments / Add your comment below

  1. Dein größter Fehler im Freibad war, beim Kreieren des Eiskaffees zuzusehen. Hättest du dich mal weggedreht, wüßtest du nicht, dass das Vanilleeis schon von Kain und Abel probiert und für ungenießbar befunden wurde…

  2. hahahaha, nicht schlecht. Aber die Wahl der Lokalität war aber auch mal was pikant, bester Brenner. Bis auf die italienische Kaffeesauerei, das hat mich nun auch ein wenig überrascht. Andererseits, wenn der Tourifaktor hoch ist muss man da schon ein wenig aufpassen. Die dortigen arithmetischen Grundregeln lauten: Wo es für einen Kaffee reicht reicht es auch für drei weitere.

    Aber dein Mut gehört geadelt – im Ernst. Das hat schon was von Todesverachtung.
    Einen Mojito beim Thai? Ein Eiskaffee im Freibad? In Berlin? Das ist schon ziemlich abentuerlustig. Sollte man eine Serie draus machen.

  3. Stimmt schon, dass war Getränkeverdruss mit Ansage. Lautsprecheransage.
    Zum Thema Dienstleistungshölle in Berlin hätte ich einiges zu erzählen. Habe auch schon eine Mail an Udo Vetter geschrieben, damit der mir sagt, ab wann der Beleidigungstatbestand erfüllt ist. Aber der Mann ist beschäftigt, ich glaube der schreibt nur Bloggern ab 1000 Besuchern am Tag zurück.

  4. will hier auch mal rumnölen:
    Pitu hat in nem Mojito eigentlich nix verloren, da kommt eigentlich heller Rum rein! Ist ja kein Caipi.

  5. Ja, ist dem so? Meine Barkeepertätigkeit ist schon 10 Jahre her und damals haben wir Pitu verwendet. Oder das hat sich im Laufe der Zeit nur so in meine Erinnerungen geschlichen. Und zum nölen sind wir ja hier da:)

  6. Ich hatte auch schon einen Caipi mit weissem Zucker, und einem der behauptet hat, der gehöre da original rein. Was aber nur auf Brasilien zutrifft. Also hier zulande ist der Braune Zucker auch wegen des Zuckerrohrgeschmacks zu bevorzugen.
    Schön wäre da die Wahl zu haben. Dann braucht man auch nicht auf Gewohnheiten pokern. Aber Schland und Dienstleister in Sachen Gastor ist ein Katastrophe.

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