Warum ich keinen „FB-Like-Button“ einbaue, MC Winkel

Langsam komm ich mir ausgestoßen vor. Ich bin jetzt seit ein paar Monaten ein deaktiviertes Facebook-Mitglied, weil ganz entkommt man der Saubande ja nicht mehr. Es war gar nicht unbedingt eine politische Entscheidung, mich aus dem sozialen Hetzwerk zurückzuziehen, sondern eher eine soziale. Beziehungsweise asoziale. Weil mir in diesem Facebook einfach zuviele Leute sind und ich plötzlich nicht mehr das Gefühl habe, den gesellschaftlichen Teil meines Lebens ganz unter Kontrolle zu haben. Ich entscheide eigentlich gar nicht mehr selbst, wen ich sehen will. Es sind ja immer alle da und meist auch noch zur selben Zeit. Das war mir schon damals auf den Sommerfesten meiner Eltern zuviel. Aber da gabs wenigstens ein kaltes Buffet.

Klar muss ich jetzt auch auf die Facebook-Bonmots vom Rationalstürmer verzichten, aber die Freiheit hatte schon immer einen hohen Preis. Immer öfter kommt es vor, dass Bands, die mich interessieren, ihre Mp3s oder neue Videos auf Facebook erstaustellen oder irgendwelchen exklusiven Videoinhalten eine Mitgliedschaft voraussetzen. Und gerade in meinem Berufszweig, wo sich sowieso keiner richtig, aber jeder jeden kennt, hat sich FB zum Laufsteg der Branchenbefindlichkeiten entwickelt. Ich will auch gar nicht einen auf Netzrebell machen und bei der Ehre meiner Mama schwören, dass ich mich da nie wieder blicken lasse, aber der wachsende Gruppenzwang – ein wichtiges und viel zu selten gebrauchtes Wort für soziale Netzwerke – macht mich trotzig. Und deswegen werde ich entgegen aller sozialen Quarantäne auch keinen Facebook-Button hier einbauen, mein guter alter MC.

7 comments / Add your comment below

  1. Es ist tatsächlich dieser „Gruppenzwang“, der mich schnell zum alten „I’d rather not“ treibt. Ich war noch nie ein Cliquen-Typ, und muß auf meine alten Tage auch keine virtuelle bei Shamebook starten. Ich habe Telefon und einen Briefkasten und lebe in einer überschaubaren Stadt. Das geht sich auch so gut aus.

  2. Herr Kid: Ja, genau, das hätte ich vielleicht auch schreiben sollen, dass mir schon im echten Leben Cliquen Angst einjagen. Damit ist ja eigentlich alles gesagt. Ein recht amüsanter, wenn auch nicht tiefgreifender, Film zum Thema FB: „Catfish“.

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