Berlin 2011

Gestern war ich leit langem mal wieder auf einer Wohnungsbesichtigung. Der Mann am Telefon hatte mir einen mehr oder minder privaten Besuch bei den Vormietern angedeutet. Das erwartete ich aber auch bei der horrenden Provision. So sind wir also nach Schöneberg gefahren und standen pünktlich um halb vier vor der Tür, vor der wir abgeholt werden sollten, während der feine Herr Makler bereits mit 20 Leuten in der Wohnung war. Jetzt sammelten sich aber um uns weitere 20 Leute, so dass am Ende 40 Leute in einer möblierten 97m2-Wohnung herumstampften, einer unsympathischer als der nächste. Ständig wurde man rüde zur Seite gedrängt, da störte es scheinbar wenig, dass ich eins dieser praktischen Kleinkinder im Arm hatte, wegen denen man in der Regel von fremden Ellenbogen verschont bleibt. Nicht so hier. Inmitten dieses gallertartigen Chaos aus schnatternden Doppelverdienern und abschätzig Maß nehmenden Anzugträgern stand der Makler wie der Sonnenkönig und verteilte gönnerhaft seine Bewerbungszettel. Eine Frau ging auf ihn zu, ohne auch nur ein anderes Zimmer der Wohnung betreten zu haben und sagte so etwas wie: “Hier hab ich ihnen gleich den Einkommensnachweis reingepackt.” Wir sind dann geich gegangen. Man konnte ja eh nichts von der Wohnung sehen vor lauter Leuten. Ich hab dann noch was geschrien von “Ich vernutte mich doch hier nicht für eure scheiß Wohnung”, aber das hat in dem Trubel eh keiner bemerkt. Die Wohnung war übrigens in einem der noch eher unwirtlicheren Teile Schönebergs. Ich hab schon zahlreiche solche Wohnungsbesichtigungen mitgemacht. In München.

UPDATE: Durch einen Datenbank-Umzug meines Providers wurde leider der ursprüngliche Artikel und damit auch alle vorhandenen Kommentare gelöscht. Sorry.

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