Brenners Bundesliga 2010/2011 (30)

Spieltag 30: Dantes Inferno

Mainz 05 – M’gladbach 1:0 (0:0)
Gladbach wehrt sich. Gladbach glaubt noch an den Klassen(erhalt)kampf. Gladbach hat Idrissou, Reisinger, Reus und Dante. Vor allem Dante, der sich mit allem was er hat – vor allem seiner Frisur – gegen die Nornen (kleiner Mythologie-Schwenker, ich weiß) selbst zu stemmen scheint. Aber es hilft alles nichts. Denn Gladbach hat oft Schiedsrichter, die vielleicht etwas gegen Gladbach haben. Für das deutliche Foul an Reus gab es keinen Elfmeter. Dafür bombte Schürrle die Gladbacher zurück dahin wo sie hergekommen sind. Aus dem und zurück in den Tabellenkeller.

Bayern – Leverkusen 5:1 (4:0)
Das wahre Inferno bot sich natürlich nicht Dante, sondern dem bis vor kurzem noch strahlenden Meisterschaftsanwärter Jupp Osram Heynckes dar. Schon in einem Ausschnitt vom Abschlusstraining wirkte er verbissen, unruhig. Bei den Bayern schien dagegen vor dem Spiel geradezu himmlische Ruhe zu herrschen. Die Mannschaft trainierte motiviert, Jonker wirkte gelassen, dafür dass er indirekt gerade seinen Ziehvater mit zum Teufel geschickt hatte, und auch Phillip Lahm machte auf der Pressekonferenz nicht den in dieser Saison vorherrschenden Eindruck, man hätte ihn zum Pepsi-Test gezwungen und er müsse betonen, wie sehr ihm das System Van Gaal schmeckt. Mit einem Lächeln auf den Lippen gingen die Bayern in dieses Spiel und sahen zu, wie sich Rolfes das 1:0 selbst hineinwatschte und Vidal als Bewerbungsunterlage für den FC Bayern den schlampigsten Abwehrfehler der ganzen Saison beging. Klar, Sorglosigkeit in der Abwehr ist typisch bayerisch, aber das hat Vidal nicht zuende gedacht. Dann stand es 2:0 und Leverkusen ist das Herz in die Lederhose gerutscht, während Gomez, Müller und Ribery sich vorne ein Gustostückchen nach dem anderen erlaubten. Die eigentliche Sensation des Bayernspiels war allerdings die Abwehr. Van Beuyten grundsolide, Louis Gustavo elegant im Aufbau, Contento in seinem besten Liga-Spiel überhaupt bisher und allen voran der in jede Rückwärtsbewegung sich unabdingbar einbringende Klose – ohnehin eine veritable Stütze des gesamten Bayern-Spiels, wenn man vergisst, dass er eigentlich im Sturm gespielt hat. Die beiden Möchtegern-Platzhirsche Ballack und Schweinsteiger gehörten zu den Maulstärksten und Spielschwächsten. Und ich habe mich bei dem Gedanken ertappt: Wäre es wirklich so schlimm, wenn Schweinsteiger ginge? Wieviele Spiele am Stück spielt er jetzt schon unkonzentriert und verliert lapidar die Bälle? Und wie geht’s jetzt weiter? Dortmund wird nach wie vor Meister, Leverkusen bleibt zweiter und Bayern wird sich noch weiter mit Hannover fernduellieren müssen, denn das Spiel gegen Schalke wird eine harte Nuss. Der Preis für das kryptischste Fanbanner aller Zeiten geht an die Südkurve für ihr „Mia san mia? ..Lies King Lear“. Theorien dazu gerne in die Kommentare.

Dortmund – Freiburg 3:0 (2:0)
Dortmund gewinnt verdient und ich gratuliere mal schnell auf Facebook den BVB’lern unter meinen Kontakten zur Meisterschaft. Und auch wenn das wie pseudo-altruistische Esoscheiße aus meinem Mund klingt: Ich freu mich gleich mit für Dortmund. Das ist nicht nur ein Gönnen, das ist ein Freuen, glaub es oder nicht.

Bremen – Schalke 1:1 (0:0)
In der ersten Halbzeit ungefähr so spannend wie das Weiterkommen von Schalke in der Champions-League diese Woche. Aber spätestens als Wagner seinen Elfer verpatzte und dann im Nachschuss traf, wurde es rasant. Schalke gab sich selbst mit fünf veränderten Positionen selbstsicher und kraftvoll, vor allem wenn man bedenkt, dass sie in der Bundesliga ungefähr noch so viel erreichen können wie ich in den deutschen Blogcharts.

HSV – Hannover 0:0 (0:0)
Gute Halbzeit von Hannover, gute Halbzeit vom HSV – ergibt leider noch kein gutes Spiel. Hölzern aber für einen Bayern-Fan fast das Wunschresultat. (Spielfeld)Randnotiz: Beeindruckend, wer bei Oenning aller auf der Bank schmort: Trochowski, Guerrero, Jansen und Pitroipa. Letzteren hätte man ruhig weiterschmoren lassen können, weil personifzierter Chancentod.

Wolfsburg – St. Pauli 2:2 (1:0)
Ich bin kein Pauli-Fan, aber der Ausgleich von Wolfsburg hat mir in der Seele weh getan. Das war Paulis Spiel in allen Belangen. Einzig der Schuss neben das leere Tor von Takyi und der kurz darauf folgende Ausrutscher vorm fast leeren Tor von Asamoah trüben den Gesamteindruck. Und das Ergebnis natürlich. Das sind nicht die Tage von Stani und Pauli, aber immerhin haben sie das Geisterspiel abwenden können und der Dietmar Hoff wartet sicher schon mit gespenstisch viel Jahresgehalt.

Hoffenheim – Frankfurt 1:0 (0:0)
Die Mannschaft spielt unter Daum nicht schlecht, aber auch nicht besser als in der Hinrunde. Nur Gekas trifft nicht mehr. Das ist das ganze Geheimnis, egal ob die Spieler über glühende Kohlen laufen oder ein Geheimtraining unter Freimaurerbedingungen abhalten.

Köln – Stuttgart 1:3 (0:0)
An einem Spieltag der unglücklichen Schiedsrichter-Entscheidungen kam die dämlichste aus Köln. Der Handelfmeter für Stuttgart gegen Geromel war ein Hohn für ohnehin schon 0:2 zurückliegende Kölner. Das war die Definition von angeschossen, der Geromel kann froh sein, dass die Hand überhaupt noch dran ist. Für ein Heimspiel erschreckend schwacher FC.

Kaiserslautern – Nürnberg 0:2 (0:1)
Der Club ist gut. Eigler ist besser. Kaiserslautern muß sich jetzt doch wieder auf die Hinterhufe stellen, um in der Liga zu bleiben. Schade, dass schon wieder so ein Derangierter Zeugs auf Ekici werden musste. Vielleicht hätte der DFB doch das Geisterspiel auf Pauli durchziehen sollen, auch wenn man damit immer Zigtausende für ein Arschloch mitbestraft.

12 comments / Add your comment below

  1. Zu King Lear sagt Google:

    In a writing of Shakespeare’s play „King Lear“, the main
    character is King Lear who starts off as a respected and powerful
    king. As the story progresses the king loses his power because of his
    own stupidity and blindness.

  2. Danke Heiko, aber soweit wusst ichs auch ohne Google. Aber warum ausgerechnet King Lear, warum überhaupt Shakespeare? Man hätte ja auch was näher liegendes nehmen können. Wie Gaddafi.

  3. Ich hatte ja auch auf ein Unentschieden beim HSV gehofft, weiß aber nicht mehr genau, warum? :)

    Aber 5:1 – Props! Und für Osram und den Pepsi-Test Double-Props. :)

  4. Dann verinterpretier ich mal:
    also King Lear= Louis von Gaal, weil er mit dem Buchstaben „L“ beginnt und endet.
    Die 3 Töchter von Lear, die ja alle sterben, sind die 3 Wettbewerbe Meisterschaft, Pokal und C-League, die von van Gaal in seiner launischen, eitlen, überheblichen und zuletzt dem Untergang geweihten …. und hier gebe ich den Ball ab!

  5. Also, der Eigler, dem beim Glubb bis vor Kurzem keiner eine Träne nachgeweint hätte, hat jetzt dummerweise sein Guthaben soweit aufgestockt, dass man ihn gut finden muss – wie ist so etwas nur möglich – Chapeau!

    Und die Bank beim HSV: Beim Oenning weiss man spätestens seit der Glubb-Zeit, dass dieser klavierspielende Giggolo im Trainingsanzug auch die Spielerfrauen bei der Mannschaftsaufstellung „zu Rate“ zieht …

  6. Blogspargel: Tatsächlich? Kein Wunder bei der Frisur. Jemand, der so derbe in den 90ern hängengeblieben ist kann nicht ganz „bachan“ sein, wie man bei uns zuhause sagt.

  7. Werkkenntnis ist zwar von meiner Seite nicht vorhanden, aber in Anschluss an stt wage ich mal folgende Interpretation:

    Wenn es von den Südkurvlern in die Höhe gereckt wurde, könnte es sich ja auch um eine kritische Auseinandersetzung mit Hoeneß und den anderen Königsgleichen handeln. Dann 3 Schwestern gleich 3 Trainer und somit Magath, Klinsmann, van Gaal. Wer aber trauert bloß Klinsmann nach?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.