Warum der Dietl ein Depp ist

Achtung! Vielleicht ungerechte Vorverurteilung eines Medienprodukts aufgrund von Generalverurteilung eines der Mitwirkenden. Kategorie: Kulturcybermobbing und leckts mich Arsch.

Weil er zusammen mit dem Patrick Süskind die besten Dialoge (sagt auch der Kroetz) der deutschen TV-Geschichte geschrieben hat und weil die authentischsten (aus der Sicht eines Bayern zumindest) Serien Deutschlands dabei herausgekommen sind, als da wären Münchner Geschichten, Monaco Franze und Kir Royal, hab ich den Dietl vergöttert und ihm sogar seine Liebesraserei mit der Ferres verziehen.

Dann kamen da noch ein paar äußerst gelungene Unterdiegürtelliniehiebe gegen die Kulturschickeria (Schtonk) und die Schickeria im Allgemeinen (Rossini), eine halblustige Mediensatire (Late Show mit H. Schmidt in seiner besten Rolle) und eine Melancholik-Arschbombe, die ihreskitschigen sucht (Vom Suchen und Finden der Liebe). Aber das ist bei dem Œuvre natürlich zu verzeihen.

Ungesehen nicht mehr zu verzeihen ist die Neuauflage von Kir Royal in Berliner Verhältnissen – wen interessieren schon Berliner Verhältnisse, außer dass die Invalidenstraße zwei Jahre lang gesperrt ist und die Avus noch dazu – mit Bully Herbig (hmm, geht so) in der Hauptrolle und – jetzt kommt’s – einem Originaldrehbuch von Helmut Dietl und Volldeppjamin Stuckrad-Barre. Und damit hat der Dietl ausg’schissn bei mir und das, wo er doch fast nochmal die Kurve gekriegt hätte, indem er einfach gar nichts mehr schreibt und filmt. Gott ist tot.

-> Lesen Sie bitte hierzu auch diesen Artikel aus dem Frühwerk des Bloggers, den sie St. Burnster nennen.

7 comments / Add your comment below

  1. Sitzt seit Jahren wenn nicht Jahrzehnten und gefühlten Jahrhunderten in Berliner Szenerestaurants auf der Suche nach dem großen neuen Berlin Stoff und DAS ist das Ergebnis. Das ist so schade und so peinlich, dass es wütend macht!

  2. Zudem ist das Thema Schickeria durch und findet in Berlin auch nicht die entsprechende Kulisse. Und dass mir jetzt niemand mit Stadt der sozialen Gegensätze kommt *supergähn*
    Ich würde mich ja gerne eines Besseren belehren lassen, aber „Vom Suchen…“ war ein schlimmes Vorzeichen für Dietls großen Berlin-Film. Übrigens ist auch der Eichinger (Friede seiner Asche) mit seinem großen Berlin/Bushido-Projekt sang- und klanglos untergegangen. Berlin funktioniert halt immer noch am besten mit Hitler und 2. Weltkrieg. Dann aber sicher wieder mit Moritz Bleibtreu oder Matthias Schweighöfer.

  3. mei, die Zeit is eben vorbei. Seine, die der Schickeria, vielleicht die von München. Ich glaub nicht, dass er sich mit der Neuauflage von Kir Royal einen Gefallen getan hat. Kir Royal ist retro – in München und noch viel mehr in Berlin.

  4. Helga: Dein Kommentar ist die ökonomische Version von meiner Grantlhuberei. Sowas liest sich dann im Nachhinein immer so grimmig. Aber bei dem Namen Stuckrad-Barre setzts halt manchmal aus bei mir.

  5. Ach. Monaco Franze. Das waren die Zeiten, die mir das Süddeutsche zu Herzen brachten. Berliner Schickeria kapiere ich auch nicht. Muß es dazu nicht erstmal schick sein? Hamburg ginge auch nicht, da schläft die Schickeria über ihre eigene Gediegenheit ein. Ich finde, er sollte eine Sexkomödie über alternde Sporthelden in München drehen. Da gibt es doch ein paar.

  6. Kid37: Jetzt mal ohne Scheiß, das ist eine super Idee. Wenn man das mit einer Warmherzigkeit macht, dann kann das sehr rührend sein. Lustig ja sowieso, ob des Themas und der obskuren Stadt.

  7. Kid37 – eine Superidee.

    Überhaupt: die alten Sachen haben ja eh nur mit warmherziger Ironie funktioniert. Beides anscheinend total out.

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